Würmer im Brot – bald völlig normal?

  • Weitere
    schließen
+
Philipp Kaiser und Katharina Triebenbacher haben das Start-up Brento gegründet und vertreiben Brotbackmischungen aus Insektenmehl und Vollkorn.

Warum Würmer in Zukunft auf den Teller gehören, erklären die Gründer des Gmünder Unternehmens Brento, Katharina Triebenbacher und Philipp Kaiser.

Schwäbisch Gmünd

Würmer auf dem Teller? Für Katharina Triebenbacher und Philipp Kaiser ist das ganz normal. Die beiden haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Ernährung zu revolutionieren und wollen Würmer in innovativen Backmischungen in den Speiseplan einführen. Daher haben sie 2018 in Schwäbisch Gmünd das Start-up-Unternehmen Brento gegründet. Warum Würmer in Zukunft auf den Teller gehören und wie es zu der Gründung des Unternehmens kam, das bei der Messe Intergastra 2019 ausgezeichnet wurde, erzählt Katharina Triebenbacher.

Produktentwicklung: Philipp Kaiser habe das Insektenessen in China kennengelernt und sich überlegt, das Konzept in Europa einzuführen, erzählt Katharina Triebenbacher, die sich sofort bereit erklärte, mit ihm zusammen das Start up zu gründen. Die beste Art, Insekten im Speiseplan der Deutschen zu integrieren, sei, sie in Brotmischungen zu verarbeiten, dachte sich Katharina Triebenbacher, die für die Entwicklung verantwortlich ist. So müsse der Konsument seinen Ernährungsplan nicht umstellen. Die Backmischungen, die zu rund zehn Prozent aus gemahlenen Würmern und zu 90 Prozent aus Vollkornmehl bestehen, können ohne viel Aufwand zubereitet werden, erklärt die 29-Jährige. Auch geschmacklich solle das Brot überzeugen. Das Insektenmehl bringe einen leicht nussigen Geschmack mit. 2018 stellten sie das Konzept beim "in:it co-working lab" in Gmünd vor, so berichtete das Magazin Wirtschaft Regional.

Züchtung: Die Würmer werden in der "Six feet to eat Insektenzucht" GmbH in Schnürpflingen bei Ulm gezüchtet. Der Versand werde von einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung übernommen. Katharina Triebenbacher erinnert sich, dass aus einer kleinen Anfangspopulation tausende Tiere gezüchtet wurden. "Die Tiere werden artgerecht in feuchter und warmer Umgebung gehalten", sagt sie. Die Würmer lebten auch in der Natur auf sehr engem Raum, Kleine Käfige seien also kein Problem für sie. Die Würmer werden schonend gefriergetrocknet, was ihrem natürlichen Tod durch Unterkühlung nahe komme. Katharina Triebenbacher versichert: Die Tiere haben dabei keine Schmerzen. Die Würmer werden nach dem Trocknen im Ganzen zermahlen und weiterverarbeitet.

Umwelt: Das neue Gebäck hat laut Triebenbacher gegenüber der Fleischproduktion viele Vorteile für die Umwelt. Das Züchten der Würmer produziere nur ein Prozent der Kohlendioxidmenge, die bei der Rinderzucht erzeugt werde. Auch der Wasserverbrauch sei 15-mal geringer. Die Würmer werden auch teilweise mit Resten ernährt und verbrauchen pro Kilogramm fertigem Fleisch einen Bruchteil der Nahrung, die Rinder oder Schweine brauchen, erzählt sie.

Das Brot ist einfach in den Alltag zu integrieren.

Katharina Triebenbacher, Unternehmerin

Gesundheit: Nach Angaben des Unternehmens sind die Würmer nicht nur sehr reich an Eiweiß, sondern enthalten auch viele Vitamine und Mineralstoffe. Auf deren Internetseite ist zu lesen, dass die "Six feet to eat Insektenzucht" GmbH vom Veterinäramt des Landkreises Alb-Donau zur Zucht von Speiseinsekten zugelassen wurde und strengste Hygienevorschriften verfolge.

Zukunft: Katharina Triebenbacher erwartet, dass Insekten als Nahrungsmittel vor dem Hintergrund des Klimawandels und der wachsenden Weltbevölkerung an Bedeutung gewinnen werden. Schon jetzt verfolge Brento das Ziel, die Menschen über die Ernährung mit Insekten aufzuklären und Hemmungen abzubauen. Es gibt schon diverse Brotsorten wie Ciabatta, Urkorn oder Paleo. Auch Schokokuchen kann man mit Brento backen. Die Mehle eignen sich für verschiedene Rezepte. Triebenbacher kündigte an, sie arbeite weiterhin an neuen Produkten, zum Beispiel anderen Süßspeisen.

Probieren: Brento gibt es im Moment vor allem im Onlineshop auf www.brento.de. Auch in den "Unverpackt"-Läden in Aalen und Gmünd kann man die Backmischungen kaufen.

Die Brento-Gründer: Katharina Triebenbacher und Philipp Kaiser lernten sich in ihrem Heimatort Pfaffenhofen in Bayern kennen. Der 28-Jährige ist Ingenieur und lebt in Herlikofen. Katharina Triebenbacher hat Sprachwissenschaften in Regensburg studiert und ist zertifiziert von der Konditoreninnung.

Nina Müller

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL