Wunsch und Wirklichkeit in den Schmiedgassen - weniger Busse erst 2027?

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Ortstermin auf einer Holzterrasse, an deren Stelle früher Parkplätze waren: Anwohner und Verantwortliche diskutieren, wie es weitergehen soll mit der Umgestaltung der Schmiedgassen.
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Ein Jahr nach dem „Pop up“-Umbau der Schmiedgassen in Gmünd sind Verbesserungen spürbar – ein Ortstermin zeigt, dass aber noch viel zu tun ist. Nur was?

Schwäbisch Gmünd

Warum nicht die Vordere Schmiedgasse ganz für Autos sperren? Einen Tag der offenen Tür veranstalten in den Schmiedgassen? Ein Hinweisschild aufstellen, damit alle Parker auf den Brezelparkplätzen auch wissen, welche Regeln dort gelten?

Es mangelt nicht an Ideen dazu, was man in den Schmiedgassen weiter verbessern kann – das hat der Ortstermin am Donnerstagabend gezeigt: Anwohner, Stadträte, Leute von der Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Richard Arnold trafen sich, um wie schon im letzten Jahr Stadtplanung vor Ort zu machen. Was die Lebensqualität angeht, kommt viel Positives von Anwohnern. „Es ist weniger Verkehr als vorher, nachts ist es ruhiger – die Wohnqualität ist besser geworden“, sagt Harald Frey.

Besser? Ja. Fertig? Nein. Auf diese Sicht trifft man häufig, wenn man unter Anliegern nachfragt. Auch Felix Braun ist mit dem bisher Erreichten – der verkehrsberuhigten Zone und dem Tempo-20-Bereich – zufrieden. „Man sollte die Regeln aber auch durchsetzen“, sagt er. Doch Wunsch und Wirklichkeit passen nicht immer zusammen: „Wir können nicht zu jeder Zeit kontrollieren“, sagt Gerd Hägele vom Ordnungsamt.

Als der OB beim Reden von einem vorbeifahrenden Dieselbus übertönt wird, offenbar sich ein weiteres Wunsch-Wirklichkeit-Dilemma: Fast ein Jahr nach der Umgestaltung ist der Busverkehr in den Schmiedgassen unverändert. „An dem Thema sind wir immer noch dran, aber da ist im Moment so viel im Umbruch“, sagt Arnold. Für die Klimawende soll der Busverkehr eigentlich ausgebaut werden – in den Schmiedgassen soll es weniger sein. Doch so schnell wird sich nichts ändern. „Mittelfristig werden wir weniger Taktung haben - und neue Elektrobusse“, sagt Franka Zanek vom Amt für nachhaltige Entwicklung. Mittelfristig heiße: drei bis fünf Jahre, fügt Richard Arnold hinzu. „Wir hätten uns das auch schneller gewünscht“, sagt er.

Ganz für Autos sperren?

Auch andere Wünsche werden unerfüllt bleiben: Jürgen Stemke, Anwohner und Geschäftsinhaber zugleich, hat sich vom Start weg immer wieder mit Ideen und Stellungnahmen zu Wort gemeldet. Beim Ortstermin macht er etwa die Rechnung auf, dass die Tenne des im Moment leer stehenden „Schwanen“ ja weiter so genutzt werden könne wie seit Jahrhunderten schon: als Abstellraum für Fahrzeuge. „Dort könnte man Parkraum für rund 200 Fahrräder schaffen“, sagt er. Nicht machbar, findet VGW-Chef Celestino Piazza, dessen Unternehmen den „Schwanen“ gekauft hat und diesen nach der Renovierung wieder mit Gastronomie beleben will. „Wir brauchen die Tenne als Event-Ort, anders ist Gastronomie heute nicht denkbar.“

Prüfen will die Stadtverwaltung, ob der innenstadtnahe, enge Abschnitt der Vorderen Schmiedgasse nicht ganz für Autos gesperrt werden kann – und stattdessen das Strandkorb-Areal wieder verkehrsberuhigt zur Durchfahrt freigegeben werden kann. Das Problem, dass auf Höhe des „Schwanen“ wegen der Randsteine Kinderwagen oder Rollstühle nicht queren können, könnte man mit einer neu zu installierenden „Aufasphaltierung auf Höhe der Randsteine“ lösen, schlägt Baubürgermeister Julius Mihm vor. Und die so genannten Brezelparkplätze werden wohl Hinweisschilder zur dort gültigen Regel bekommen: maximal zehn Minuten Parkdauer. „Viele Auswärtige stehen da bisher vor einem Rätsel“, sagt Jürgen Wahl vom Modehaus Dieterich.

Was es auch geben soll: einen Tag der offenen Tür in den Schmiedgassen - am 10. Juli, dem letzten Tag der Staufertage.

Kommentar von Bernd Müller: Leistungsgrenze des „Pop up“

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