Porsche-Oldtimer auf der Ostalb: ZDF-Serie weckt einen Autotraum

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Stadtarchitektur und mobile Architektur verschmelzen an diesem Ort in Schwäbisch Gmünd. Holger Kreuttner und der Porsche 928S.
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Holger Kreuttner, sein Porsche 928S und was Peter Weck damit zu tun hat. Bis heute eine automobile Skulptur mit Alltagsqualitäten.

Schwäbisch Gmünd. Das Jahr 1977 geizt mit erfreulichen Ereignissen. Der Deutsche Herbst lässt erschrecken, die RAF zieht eine Blutspur durchs Land. Elvis Presley stirbt und auf Teneriffa ereignet sich das bisher schlimmste Flugzeugunglück. Die Menschen suchen kleine Lichtblicke und die gibt es auch: Der erste Star-Wars-Film kommt in die Kinos. Und auf den Straßen taucht – noch selten – ein futuristisch anmutender Sportwagen auf. Bei Porsche geht das Modell 928 vom Stapel und stellt alle Gewohnheiten des Hauses auf den Kopf. Ein komfortabler Langstrecken-Wagen, der als Nachfolger für das Erfolgsmodell 911 konstruiert wird. Bescheidenheit gibt es anderswo: Aus zunächst 4,5 Litern Hubraum kommen 240 PS, eine aufwendige Hinterachskonstruktion beschert dem 928 souveräne Fahreigenschaften.

Ich hoffe, dass ich damit noch lange fahren darf.“

Holger Kreuttner,, Oldtimer-Liebhaber

Der Aalener Holger Kreuttner kommt zu der Zeit gerade in die Schule, das Elternhaus prägt sein Interesse fürs Automobil und ein Porsche ist erst einmal zum Träumen da. „Sein“ Porsche ist ja noch gar nicht gebaut. Erst 1985 verlässt der 928S in dunkler Metallicfarbe das Werk. Und verrichtet seine Aufgabe zunächst in anderen Händen. Holger Kreuttner hat zu der Zeit andere Porsche-Erlebnisse. Das ZDF strahlt die Serie „Ich heirate eine Familie“ aus, mit Peter Weck und Thekla Carola Wied in den Hauptrollen. Weck fährt einen Porsche 924 und muss den kleinen Sportler aus Zuffenhausen verkaufen, weil er sich plötzlich in einer Großfamilie wiederfindet. „Ich konnte das damals kaum verstehen, dass sich Peter Weck von so einem Auto trennt“, sagt Holger Kreuttner und weiß genau, was er damals dachte: „So einen Porsche will ich mal haben.“ Dass es später ein (stärkeres) Modell wird, kann er heute verkraften.

Porsche-Oldtimer auf der Ostalb

Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Ein Motor ohne Plastikdekoration: Maschinenbau der feinen Sorte. © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Damals futuristisches Design, heute immer noch aktuell. Die Automatik passt zum Charakter des Wagens. © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Eleganz auch bei ausgefahrenen Scheinwerfern. Sie nehmen die Rundungen des Porsche auf. © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Die Rundungen der Heckansicht geben dem Porsche 928 Charakter. Die erste Serie mit kleinen Rücklichtern passt gut dazu. © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.
Der Porsche 928 von Holger Kreuttner.  © Tom

In den 2010er-Jahren spült es den latent vorhandenen Porsche-Wunsch nach oben. In Oldtimer-Blättern stößt Holger Kreuttner immer wieder auf den 928, an Urlaubsorten sieht er den „großen“ Porsche gelegentlich. „Die Linie des von Designer Anatole Lapine gezeichneten Wagens finde ich sensationell, in seiner Zeit wirkt er avantgardistisch“, sagt der Oldtimer-Liebhaber. Bis heute, fast 45 Jahre nach der Präsentation, ist die Form aktuell. Einzig ein Detail verortet den Wagen in die 1970er: Klappscheinwerfer sind zu der Zeit angesagt. Porsche vergönnt sie schon den Typen 914, 924 und 944, auch Ferrari und Lamborghini schmücken damit ihre Autos. Anatole Lapine nimmt dabei die rundliche 928er-Form auf und stellt die Scheinwerfer in geöffnetem Zustand wie eine Skulptur auf die glatte Front. Ein bisschen Frosch-Blick schadet dem Image nicht, auch wenn Lamborghini das beim Miura eleganter vorlebt.

Die Eleganz aus Zuffenhausen rückt für Holger Kreuttner ein Stück näher. Er sieht sich gelegentlich auf den Anbieter-Seiten im Internet um. Bis er ein Exemplar entdeckt, das ihn anspricht. Baujahr 1985, nur 109 000 Kilometer, in passender Farbe. Der Verkäufer freut sich, einen Liebhaber gefunden zu haben, Tage später steht das Auto in Aalen. Dass es heute dennoch ein GD-Kennzeichen trägt, hat einfache Gründe. Die passende Buchstaben-Zahlenkombination steht als AA nicht zur Verfügung.

Sogar ein Rad passt rein

Holger Kreuttner kommt es ohnehin mehr auf Design und Fahrfreude an. Da wird er nicht enttäuscht. Trotz der mehr als 30 Jahre, die der Wagen auf dem Buckel hat, stehen keine Reparaturen an, läuft das Auto zuverlässig und begleitet ihn auf (Urlaubs)touren, in Städte oder an reizvolle Orte in der Natur. Nach und nach lernt er die Vorzüge des 928 kennen, dessen Innenausstattung in dunklem Rot ebenso makellos daherkommt wie die Außenhaut. Das Raumangebot begeistert ihn immer wieder, die hinteren Sitzschalen sind durchaus zum Reisen da. Umgeklappt bietet sich sogar ein riesiger Kofferraum. „Ich konnte ein Rennrad samt Gepäck für eine kurze Urlaubsfahrt unterbringen“, sagt Holger Kreuttner. Das alles in einem Sportwagen, dessen Fahrleistungen mit aktuellen Modellen mithalten können. Der 1985er-Porsche wird vom 4,7 Liter-Motor mit 310 PS angetrieben. Damit erreicht man in gut 6 Sekunden die Marke 100 und bei Bedarf eilt der Tacho bis 255 km/h. Unter der Motorhaube findet sich ein schönes Stück Maschinenbau. Der Achtzylinder mit ausgeprägter Ansaugbrücke füllt den Raum und verrichtet seinen Dienst ohne lärmende Begleitmusik, dafür mit sonorem V8-Ton. Da bleiben keine Wünsche offen. Einer vielleicht: „Ich hoffe, dass ich damit noch lange fahren darf“, so der Oldtimer-Freund, der die wenigen Kilometer im Jahr besonders genießt.

Europäisches Auto des Jahres

Porsche hat den 928 1977 auf den Markt gebracht, wollte mit diesem Modell den seit 1964 gebauten Porsche 911 ablösen. Die Kunden reagierten anders: Der 928 wurde 1995 eingestellt, der Klassiker wird bis heute gebaut.

Mit zuletzt 5,4 Litern Hubraum war es das großvolumigste Triebwerk in einem Serienporsche. Anders als der 911 verzeiht der 928 zu der Zeit Fahrfehler großzügig. Die sogenannte Weissach-Achse hält den Wagen auch in brenzligen Situationen auf Spur. Hinter dem Begriff steht nicht der Ort des Porsche-Entwicklungszentrums. Vielmehr eine technische Ansage: Winkel einstellende, selbststabilisierende Ausgleichscharakteristik. Für Form und Funktion hat der 928 Preise eingeholt. Er war 1977 Auto des Jahres, ein Jahr später Europäisches Auto des Jahres. kust

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