Zeichen gegen Rassismus und Hetze

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Rund 130 Besucher und 100 Dummys sind bei der Kundgebung im Stadtgarten dabei.
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Rund 130 Besucher und weitere Unterstützer protestieren gegen die AfD-Veranstaltung.

Schwäbisch Gmünd. "Die AfD brauchen wir nicht, nicht in Gmünd, nicht in Deutschland, nirgendwo – verpisst euch!" Das ruft Peter Yay-Müller, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Gmünd und DGB-Kreisvorsitzender Ostalb, auf der Bühne am Stadtgarten ins Mikro und blickt Richtung Congress-Centrum, wo die AfD ihre Wahlkampfveranstaltung abhält. Ähnlich formulieren es die folgenden Redner der Kundgebung des Bündnisses "Aufstehen gegen Rassismus" und einiger weiterer Organisationen. Der Protest gegen die "rechtsextremen Politiker" mit "menschenfeindlicher Ideologie" sei nötig, betont Tim-Luka Schwab, Gmünds SPD-Bundestagskandidat: "Wir wollen dem zunehmenden Hass und Rechtsextremismus keinen Raum geben in unserer Gesellschaft."

Dr. Helmut Zehender vom Arbeitskreis Asyl, von der Pressehütte und der Friedenswerkstatt ruft dazu auf, ein Zeichen zu setzen gegen die Ausgrenzung von Menschen in Not. Doch die Basis der AfD sei "Rassismus", sagt Joschi Moser von Rainbow-Refugees und der Gmünder Aids-Hilfe. "Bei der AfD löst es mehr Empörung aus, wenn ich einen Mann küsse, als wenn ein Mann seine Frau schlägt", sagt der Träger des Bundesverdienstkreuzes. Die AfD habe Unruhe und Lüge in die Parlamente gebracht. Die Laune von Alice Weidel gleiche der "eines Pitbulls auf Rohkostdiät". Die AfD schüre mit ihrer menschenfeindlichen Politik Ängste durch "falsche Fakten", kritisiert Martina Häusler, Gmünds Grüne-Landtagskandidatin. "Die AfD möchte die Gesellschaft spalten – dazu ist ihr jedes Mittel recht", meint Linke-Landtagskandidat Chistian Zeeb. "Wir haben genug von Lüge und rechter Hetze", sagt Klara Simon von der Linksjugend Ostalb, die wie ein paar weitere Demonstranten aus Aalen gekommen ist.

Einige der Besucher haben Fahnen und Plakate mitgebracht. "Eure Politik ist ein stummer Schrei nach Liebe", steht auf dem Schild einer 17-jährigen Gmünderin, der es wichtig ist, vor Ort ein Zeichen gegen die AfD zu setzen. "Wir müssen die Demokratie schützen", erklärt Integrationsrätin Süheyla Torun ihr Kommen.

Insgesamt verteilen sich 130 Demonstranten im Stadtgartenpark neben 100 Dummys in Form von Holzständern mit Fotos von Unterstützern, die ihre Bilder im Vorfeld eingesandt hatten. Die Dummys stehen jeweils drei Meter voneinander entfernt und zeigen den Abstand an, den die Teilnehmer einhalten sollen, wie DGB-Gewerkschaftssekretärin Kerstin Pätzold als Organisatorin und Moderatorin aufruft. Sie und ihre Mitstreiter übertragen die Veranstaltung via Livestream ins Internet, um die Besucherzahl angesichts der Corona-Pandemie so gering wie möglich zu halten. 156 Teilnehmer sind allein auf Facebook dabei, weitere auf Youtube, sagt Mitorganisator Ali Nagelbach, Geschäftsführer der a.l.s.o.. Denn "wir nehmen die Pandemie sehr ernst", betont Kerstin Pätzold. Anders als die Mitglieder der AfD, die hier eine "völlig verantwortungslose Großveranstaltung" als "potenzielles Super-Spreading-Event" veranstalte. So zitiert Sascha Reichert von der Jugendkulturinitiative Esperanza einen Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Dass die Stadt diese AfD-Veranstaltung nicht unterbunden hat, kritisiert Peter Yay-Müller scharf. "Wir haben es rauf und runter geprüft", sagt Erster Bürgermeister Christian Baron auf Nachfrage dazu und verweist auf das Grundrecht der Versammlungsfreiheit. Zumal das vorgelegte Hygienekonzept konform sei mit der Coronaverordnung. "Wir wollten nicht in einen Rechtsstreit gehen mit sehr schlechter Aussicht auf Erfolg", erklärt Christian Baron, macht aber auch deutlich, dass momentan nicht die Zeit sei für große Ansammlungen. Die Organisatoren der Kundgebung im Park lobt er für die "clevere Lösung" mit den Dummys. Genau wie am Ende Gerald Jüngel, Leiter der Führungsgruppe der Schutzpolizeidirektion: "Sehr intelligent gelöst", sagt er zur "guten Organisation" der Kundgebung. Und alle Absprachen seien eingehalten worden, wie Gmünds kommissarischer Revierleiter Thomas Vetter und Stefan Kroboth vom Ordnungsamt bestätigen. Insgesamt sind neben 20 Ordnern zahlreiche Kräfte aus verschiedenen Bereichen der Polizei im Einsatz.

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