Ziel: Kunden in die Stadt locken

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Simone Klaus ist froh, dass auf dem Gmünder Wochenmarkt keine Maskenpflicht mehr gilt. Hier im Freien seien dies mittlerweile wohl auch vertretbar, meint sie.
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Einzelhändler verzeichnen Umsatzeinbußen. Simone Klaus vom Handels- und Gewerbeverein hofft, dass kein Geschäft wegen Corona schließen muss.

Schwäbisch Gmünd

Ob es nun an der Maskenpflicht liegt, an der Angst vor dem Corona-Virus oder an Sparzwängen wegen Kurzarbeit: Viele Gmünder Einzelhändler verzeichnen Umsatzeinbußen. Bürgermeister Dr. Joachim Bläse sprach im Gemeinderat gar von einem Minus von rund 70 Prozent. Simone Klaus sind geringere Zahlen bekannt, doch auch die Geschäftsführerin des Handels- und Gewerbevereins (HGV) weiß, dass es manche Händler derzeit hart trifft. Im Interview spricht die 49-Jährige über deren Sorgen, über die Maskenpflicht und über Zukunftsvisionen.

Wie ist die Situation derzeit im Gmünder Einzelhandel?

Simone Klaus: Ich sehe die Situation nicht ganz so drastisch wie Bürgermeister Bläse. Mir berichten die Händler aktuell von zehn bis 30 Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr. Möglicherweise beziehen sich seine Zahlen auch auf die Zeit während des Lockdowns, als bei vielen nur Lieferservice möglich war. Wie es in den Geschäften läuft, ist stark abhängig von der Branche. Die Modeläden sind stärker betroffen, in Sportgeschäften oder bei Baumärkten sieht es deutlich besser aus. Alles, was den Balkon und Garten schöner macht, hat Hochkonjunktur. Und Swimmingpools erfreuen sich großer Beliebtheit.

Oberbürgermeister Richard Arnold meint, durch die Maskenpflicht geht "die Erotik des Shoppens" verloren. Wie sehen Sie das?

Es ist sinnvoll, die Diskussion über die Maskenpflicht anzustoßen. Der OB wollte uns sagen, dass einkaufen auch etwas mit wohlfühlen zu tun hat. Dies wird mit der Maske schwierig. Aber ich glaube, die Maskenpflicht wird uns noch eine Weile beschäftigen – und vielleicht gewöhnen wir uns ja auch noch daran.

Was bringt die Senkung der Mehrwertsteuer ab Juli von 19 auf 16 Prozent aus Ihrer Sicht?

Sie wird bei großen Anschaffungen sicher wahrgenommen, bei kleinen Beträgen eher weniger – wobei der psychologische Wert nicht zu unterschätzen ist.

Was kann noch helfen?

Den Handel wieder anzukurbeln und für erhöhte Frequenz zu sorgen, ohne auf größere Veranstaltungsformate zu setzen, ist ein Drahtseilakt, der durch Aktionen wie die Verlosung "Wir sind wieder da!" gelingen kann. Immerhin haben 1411 Postkarten den Weg in die Lostrommel im i-Punkt gefunden. Nun haben wir einige weitere Aktionen in Vorbereitung (Anm. d. Redaktion: Lesen Sie dazu den Artikel "Das ist beim Handel geplant").

Fürchten Sie, dass Geschäfte schließen müssen?

Ich wünsche mir, dass alle Einzelhändler gut durch die momentane Krise kommen. Mir ist noch keiner bekannt, der wegen Corona schließen muss. Aber ich fürchte fast, dass es den einen oder anderen treffen könnte. Dies hängt stark von den Fixkosten ab, die Händler haben. Vielleicht können die Vermieter durch eine Kürzung der Mieten dazu beitragen, dass manche Geschäftsschließung verhindert wird – eine temporäre Kürzung der Miete, damit die inhabergeführten Geschäfte überleben.

Wie stehen die Vermieter dazu?

Es gibt solche und solche. Manche Vermieter haben während des Lockdowns ganz auf die Miete verzichtet, andere wollten sie hingegen in voller Höhe. Und es gab auch welche, die sie gestundet haben.

Die Stadt hat Händlern unter dem Stichwort "Gmünd hilft seiner Wirtschaft" Soforthilfen angeboten. Wie kam dies an?

Bis jetzt sind rund 85 Anträge dafür eingegangen. 71 Darlehen wurden ausbezahlt.

Welchen Zulauf hat die Anlaufstelle für Handel und Gastronomie im W-Punkt?

Pro Tag kommen ein bis zwei Händler. Ich werde aber weiterhin die Geschäfte aufsuchen und auf das Angebot hinweisen.

Welche Fragen beschäftigen die Händler derzeit am meisten?

Sie fragen etwa, ob sie beim Verkauf hinter Plexiglasscheiben Mund- und Nasenschutz tragen müssen – ja, das müssen sie. Andere wollen wissen, wann es Fördermittel vom Bund gibt. Diese sollen kommen, wann ist aber noch offen. Ich werde die Händler dann informieren. Manche fragen auch, ob der verkaufsoffene Sonntag am 18. Oktober und der Weihnachtsmarkt stattfinden werden. Doch für diese Entscheidungen ist es zu früh.

Was halten Sie vom Konzept für eine lebenswerte Altstadt, das der Gemeinderat beschlossen hat?

Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich total verändert. Sie sind auf der Suche nach Einkaufserlebnissen, dazu trägt auch die Aufenthaltsqualität in einer Stadt bei. Ich finde es gut und wichtig gerade auch für die inhabergeführten Geschäfte, dass die Stadträte gemeinsam daran arbeiten wollen. In der Steuerungsgruppe dafür wollen auch wir vertreten sein.

In der Servicestelle für Handel, Gastronomie und Dienstleistung im W-Punkt in der Hofstatt 5 ist Simone Klaus montags und donnerstags von 8 bis 10 Uhr Ansprechpartnerin, Carmen Bäumel montags ab 13 bis 16 Uhr.

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