Zu viel Kirschlorbeer ärgert die Naturschützer

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Kirschlorbeer
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Zwar sind Schottergärten verboten und im Gmünder Raum so gut wie kein Thema mehr. Naturschützer kritisieren trotzdem neue, naturferne Gärten.

Schwäbisch Gmünd

Schottergärten sind seit dem 1. August 2021 in Baden-Württemberg verboten. Die Nachfrage nach geschotterten Flächen rund ums Haus geht im Gmünder Raum „gegen Null“, sagt dazu Gerhard Hackner, Leiter des Gmünder Amtes für Stadtentwicklung. Es gebe eine klare Regelung im Naturschutzgesetz des Landes, in der festgelegt sei, dass komplett geschotterte Flächen in Privatgärten verboten sind, erläutert Hackner. Wenn Bürger die Stadtverwaltung auf Schottergärten hinweisen, dann gingen die Mitarbeiter des Bauamtes auf die Leute zu. „Wir haben bisher immer eine angemessene Lösung gefunden, ohne Bußgelder zu verhängen“, erläutert der Amtsleiter. In den Bebauungsplänen für neue Baugebiete sei ganz klar fixiert, dass Schottergärten nicht zulässig seien - zusätzlich zum Paragrafen 21 A des Naturschutzgesetzes. Erlaubt seien hingegen schmale geschotterte Flächen rund ums Haus, die als Spritzschutz dienten. Die Baukontrolle sei in Neubaugebieten unterwegs und überprüfe die Gärten, sagt Hackner. Er spricht von ein paar wenigen Grundstückbesitzern, die ihre Gärten so umgestaltet haben, dass es passt.

Schottergärten sind verboten, naturnahe Gärten entstünden trotzdem nicht, ärgert sich Armin Dammenmiller, Vorsitzender des Gmünder Naturschutzbundes Nabu. Ein großes Ärgernis in neuen Baugebieten seien die vielen Kirschlorbeer-Sträucher, die dort als Hecken gepflanzt würden, und Rollrasen - inklusive Rasenmäher-Roboter. In älteren Gärten waren's die Thujahecken, nun ist's der Kirschlorbeer: „Kein Vogel nistet darin, keine relevanten Insekten leben dort“, erklärt Dammenmiller. Hinzu komme, dass die Beeren des Kirschlorbeer hochgiftig seien. Dieser sei in Baumärkten verhältnismäßig günstig zu bekommen. Deshalb, so schätzt Dammenmiller, sei er bei vielen Häuslebauern so beliebt. Zudem werde er als besonders pflegeleicht angepriesen.

Der Naturschützer setzt hingegen auf heimische Sträucher, wie beispielsweise die Hainbuche oder die Heckenrose. Auch diese seien pflegeleicht und böten obendrein Nistgelegenheiten für Vögel und Lebensraum für Insekten. Ebenso wenig Leben finde sich in englischem Zierrasen, der als Rollrasen verlegt und mehrmals wöchentlich gemäht werde. „Bienenvölker finden im August keine Nahrung mehr und müssen mit Zuckerwasser gefüttert werden, um über den Winter zu kommen“, erläutert der Nabu-Vorsitzende. Es helfe auch nichts, in Gärten mit Rollrasen und Kirschlorbeer ein Insektenhotel aufzubauen. „Die Insekten finden dort keine Nahrung“, sagt Dammenmiller.

Blühendes pflanzen

Ein weiterer Tipp des Nabu-Vorsitzenden: blühendes pflanzen, keine Zierblumen. Nur in offenen Blüten wie zum Beispiel bei Glockenblumen, Sommerflieder oder Margeriten fänden Insekten, beispielsweise Bienen, einen Fruchtstempel. Zierblumen wie Geranien seien für Insekten hingegen nicht zugänglich. Dammenmiller rät auch von mit Steinen gefüllten Gabionenmauern ab. Diese heizten sich im Sommer extrem auf und ließen die Temperatur in der Umgebung dramatisch ansteigen. Dammenmiller kritisiert in diesem Zusammenhang Kommunen, die zu wenig fürs Klima unternehmen. Viel mehr Kreisverkehre, Straßenränder oder Verkehrsinseln sollten zu Blumenwiesen umgestaltet werden anstatt alle paar Monate neue Zierpflanzen einzusetzen. Wer weniger Schotter und mehr Grün im Garten haben möchte, für den hat Gartenplaner Adam Zaczek vom Bettringer „Gartenladen“ einfache Tipps. Den Schotter mit magerer Erde mischen. Er müsse so nicht komplett aus dem Garten entfernt werden. Dann auf der Fläche Magerstaudenbeete errichten. Zum Beispiel mit Rosmarin, Thymian und Salbei. „So wird aus einem Schottergarten ganz einfach eine alpine Landschaft.“ Die Beete begrünten die Fläche mit der Zeit von ganz alleine.

Kein Vogel nistet in Kirschlorbeer.“

Armin Dammenmiller, Nabu-Vorsitzender

Das mögen Insekten und Vögel im Garten

Beim Nabu bekommen Interessierte alle Informationen zu naturnahen, aber auch zu pflegeleichten Gärten. Eine Auswahl.

Insektenfreundlich: Alpen-Johannisbeere, Alpen-Rose, blaue Heckenkirsche, dornige Hauhechel, echtes Geißblatt, echte Mispel, Weißdorn und Elsbeere.

Vogelfreundlich: Gut geeignet, um Nistplätze zu bauen, sind Gehölze wie Liguster, Schlehe oder Holunder, Obstbäume und Efeu. Nistkästen in Bäumen und am Haus können ebenfalls hilfreich sein.

Zehn naturnahe Gartentipps: heimische Wildpflanzen statt Exoten, Gehölze mit Früchten, bunte Blumenwiese statt sterilem Rasen, wilde Ecke, kein Gift, torffreie Erde, Laub-, Holz- oder Steinhaufen, Wasser, Quartiere für Groß und Klein, Ordnungsdrang zügeln.

Kreisel Lorcher Str.
Vorgarten Blumenwiese

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