Zu wenige Termine für die Fahrprüfung

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Die Fahrschulen der Region kämpfen derzeit für ihre Schülerinnen und Schüler um Prüfungstermine. Sie wünschen sich, dass der TÜV mehr Prüfer einstellt.
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Warum sich die Fahrschulen der Region ausgebremst fühlen und warum der TÜV als prüfende Institution derzeit kaum Möglichkeiten sieht, dem Mangel schnell abzuhelfen.

Schwäbisch Gmünd

Es ist zum Verrücktwerden“, sagt Heike Hilbig und fasst damit den Ärger der Fahrlehrer der Region zusammen. „Wir hängen permanent am Telefon oder schreiben Mails, um freie Plätze für die Prüfung zu ergattern.“ Das koste Zeit und Nerven und lenke von der eigentlichen Arbeit ab, der gewissenhaften Ausbildung der Fahrschüler.

„Es ist mehr als ärgerlich“, empören sich auch die Fahrschülerinnen und Fahrschüler, die seit Wochen auf einen Prüfungstermin warten. Zum Beispiel, weil sie im September ihre Ausbildung beginnen und dafür auf einen Führerschein angewiesen sind. Obwohl sie rechtzeitig mit den Fahrstunden beginnen konnten, stecken sie nun in einer Warteschleife.

Der Grund für all den Ärger und Frust? „Zu wenige Prüfer. Der TÜV, der als einzige Institution prüfen kann, hat zu wenig Personal“, analysiert Heike Hilbig. Und sie vermutet, dass zu spät auf die Umstellung zur sogenannten „optimierten Fahrerlaubnisprüfung“ reagiert oder deren Auswirkung unterschätzt wurde. Denn die Fahrprüfung ist mit den neuen Regeln um mindestens zehn Minuten länger geworden - Zeit für mehr Fahraufgaben und für ein direktes Feedback vom Prüfer. Während davor in drei Stunden vier Absolventen ihre Prüfung ablegen konnten, sind es jetzt in der gleichen Zeit einer weniger. „Das heißt: Wenn nicht mehr Personal eingesetzt wird, gibt es einen Stau“, rechnet Heike Hilbig vor - und das, betont sie, habe nichts mit Corona zu tun.

„Wir haben einen Überhang“, gibt Vincenzo Lucá vom TÜV Süd in München zu. Der Pressesprecher führt diesen Überhang aber zunächst hauptsächlich auf die beiden Corona-Lockdowns zurück und auf die Tatsache, dass die Fahrschulen jetzt, da sie wieder arbeiten dürften, nicht nur die Bewerber aus der Warteschleife, sondern neue Fahrschüler zu den Prüfungen anmelden. „Wir registrieren derzeit zehn bis zwölf Prozent mehr Anmeldungen als 2019“, konkretisiert er. Das sei kein regionales Problem, sondern ein bundesweites Thema, sagt Luca. Und es sei nur in den Bundesländern nicht akut, wo es keinen doppelten Lockdown gegebenhabe.

Unumwunden gibt Vincenzo Lucá zu, dass der TÜV Süd gerne mehr Prüfer einsetzen würde. Aber die dafür notwendigen „amtlich anerkannten Sachverständigen“ seien eben nicht so einfach zu bekommen. Voraussetzung sei ein abgeschlossenes Ingenieurstudium, das dann um eine zweijährige Ausbildung ergänzt werden müsse.

Um die Not zu lindern, habe der TÜV deshalb umstrukturiert, und setze die Mitarbeiter, die mit dieser Qualifikation bislang in der technischen Fahrzeugprüfung gearbeitet haben, jetzt als Fahrerlaubnisprüfer ein. Denn die technische Prüfung könne auch von Kfz-Meistern übernommen werden, wenn diese eine zweijährige Zusatzausbildung. Obendrein biete der TÜV Süd zusätzliche Termine auch an Samstagen an, sagt Vincenzo Lucá, verweist aber auch auf Arbeitsschutzgesetze, die hier Grenzen setzten.

Ob man die Einführung der „erweiterten Fahrerlaubnisprüfung“ hätte verschieben können, bis der Coronastau abgearbeitet ist? Das sei eine Frage, die er nicht beantworten könne, sagt Vincenzo Lucá dazu. Die neue Prüfung habe der Bundesgesetzgeber vorgeschrieben und als Stichtag dafür den 1. Januar 2021 festgelegt. „Da haben wir keine Wahl. Dieses Gesetz müssen wir umsetzen.“ Die neuen Prüfungsregeln hätten also keinen überrascht, betonen auch die Fahrlehrer. Ihnen ist es aber wichtig, dass den Betroffenen bewusst ist: „Wir Fahrschulen tragen keine Schuld an den Verzögerungen mit dem Führerschein.“

Wir Fahrschulen tragen keine Schuld.“

Heike Hilbig,, Sprecherin der Fahrlehrer

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