Zwei Buchstaben für den Auto-Traum

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Bernhard Bader, Lieselotte Böhm und Axel Krehl vor ihren Mercedes 320 SL im Himmelsgarten. Foto: Tom
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Axel Krehl und Bernhard Bader sind am liebsten im Mercedes SL 320 unterwegs. Beide teilen sich den Spaß mit vielen SL-Besitzern, die im R129-Club organisiert sind.

Schwäbisch Gmünd

Da stehen sie also, die  Träume von Generationen Autobegeisterter. Funkeln in Silber- und Rottönen  im Wettbewerb mit den Spiegeln des Himmelsstürmers auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände in Schwäbisch Gmünd. Und warten nur darauf, mit ihren Besitzern die nächsten Kilometer unter die Räder zu bekommen. Es geht um die Mercedes SL-Klasse.

Legendär ist das Initial „SL“ seit den 1950er-Jahren. Sofort denkt man  an die Ikone 300SL Flügeltürer aus den Jahren 1954 bis 1957. SL (die Buchstaben stehen für ‚super leicht‘)   ist immer noch Synonym für eine besondere Fahrzeugklasse von Mercedes, daran hat sich bis heute nichts geändert. An den Autos schon. Das Urmodell entstand für die Rennstrecken dieser Welt, in der Gegenwart lässt es sich mit den Sportwagen aus Stuttgart herrlich cruisen und vom infernalischen Lärm des  Uhlenhaut-SL von 1956  ist nur noch ein leichtes Säuseln der Sechs-, Acht- oder Zwölfzylindermotoren   übrig geblieben.

Eigenschaften, die bei den heutigen Besitzern ankommen. Für viele von ihnen ist das Modell mit der internen Bezeichnung R129 der schönste SL überhaupt. So schön, dass es dafür gleich einen 129-SL-Club gibt, überregional organisiert und vor Ort durch sogenannte Regionaltreffen (RT) organisiert. Eng mit dem RT Schwäbisch Gmünd verbunden sind Bernhard Bader und Axel Krehl, beide sind am liebsten im SL  320 unterwegs, schätzen die geschmeidigen Sechszylinder, die bis ins Detail perfekte Verarbeitung und den Mechanismus des Cabrio-Dachs, das in wenigen Sekunden den Spaßfaktor vervielfachen kann. „Da kleppert nichts, da funktioniert einfach alles“, so freut sich Bernhard Bader, dessen weinroter SL aus dem Jahr 1996 wie neu dasteht. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern, wenn in wenigen Jahren das H-Kennzeichen ansteht. Darauf muss Axel Krehl noch ein wenig länger warten, sein silberner SL 320  stammt aus dem Jahr 1999. Was heißt hier Oldtimer. Danach sehen die von Designer  Bruno Sacco gekleideten SL nicht aus. Den Chromeschmuck der Vorgänger R107 haben sie abgelegt, die Linien sind geglättet, verzichten auf jede Art von künstlich herbeigeführten Designelementen, Sicken und Ausbuchtungen. Und der R 129 erhielt als erstes Mercedes-Cabrio einen automatischen Überrollbügel, der im Falle eines Überschlags in 0,3 Sekunden ausfährt. Ein weiteres Sicherheitselement sind die A-Säulen, die für den Fall eines Überschlags   knicksicher sein sollen. Neu auch die Integralsitze, bei denen der Gurt und die Kopfstütze in den Sitz integriert sind. 

Unterm Strich ein Auto, „das keine Wünsche offen lässt“, wie es Axel Krehls Eherfrau Lieselotte Böhm auf den Punkt bringt. Und selbst Hund Teddi macht es sich sofort bequem im SL 320, wenn die Tür geöffnet wird. Axel Krehl kam nicht auf direktem Weg zum SL. „Anfang der 2000er-Jahre war ich auf der Suche nach einem Cabrio, dachte an Alfa Romeo oder Fiat.“  Die Sitzverhältnisse waren ihm zu eng. Er landete beim R129. „Der lässt sich wie ein neues Auto fahren“, sagt er und bescheinigt dem Youngtimer Alltagsqualitäten.

Auch der Kofferraum ist brauchbar, Reisen sind mit dem Auto ein Erlebnis. Damit gings‘s schon in die Toskana, aber auch mehrtägige Clubausfahrten in die Schweiz oder nach Frankreich  sind in guter Erinnerung. Mit jungfräulichen 68 000 Kilometern auf dem Tacho hat Axel Krehl den SL 320 gekauft, jetzt sind es 95 000 km. Die Zuverlässigkeit und auch die gute Karosseriequalität – Rost an Young- und Oldtimern kennen nur die anderen – sorgen für Entspannung. Dabei hat Axel Krehl, heute Leiter des R129-Regionaltreffs Schwäbisch Gmünd, viele Gleichgesinnte: Bundesweit sind 2600 Mitglieder in den Clubs organisiert. Auch Bernhard Bader zählt dazu,  war vor Axel Krehl Leiter der Gmünder Regionalgruppe.

An den Kauf seines SL erinnert Bader sich genau. „Ich war Gast einer Hochzeit, dort ist mir so ein SL begegnet und ich wusste, den will ich auch haben.“ Es hat nur acht Tage gedauert, bis aus dem spontanen Traum Wirklichkeit werden konnte. „Der Wagen stand zufällig in der Gmünder Mercedes-Niederlassung und hat mir sofort zugesagt.“ Über 100 000 Kilometer hat er schon damit erfahren und keinen einzigen bereut.  Die klassische Form, die solide Konstruktion und die Tatsache, dass hier „alles aus dem Vollen gefräst ist“, begeistern ihn.

Der frühere RT-Leiter ist von Anfang an dabei, 2008 gab es eine Kennenlern-Ausfahrt, „da waren spontan acht Autos da“. Jahre später richtet Bernhard Bader 2017 das Jahrestreffen und die Mitgliederversammlung des Clubs R129 im CCS in Schwäbisch Gmünd aus.  Ein Höhepunkt, wegen der neuen Oldtimer-Freunde, wegen der vielen SL vom Typ 129.

Der Mercedes SL und der Club dazu

Der Mercedes SLDie Weltpremiere der neuen SL-Baureihe R129 war eine der Hauptattraktionen des Genfer Automobil-Salons 1989. Im R 129 wurden durchgängig Sechs-, Acht- und Zwölfzylinder angeboten. Anfangs standen die Modelle 300 SL, 300 SL-24 und 500 SL in den Preislisten. Ab 1992 war dann der erste Zwölfzylinder im SL, der 600 SL (später SL 600) lieferbar. Nach und nach bekam der SL die moderneren V6- und V8-Motoren aus der S-Klasse. Diese hatten Doppelzündung und drei Ventile pro Zylinder. Der Einstiegspreis für den 300 SL betrug 1989 rund 89 000 Mark. Für einen 600 SL waren 10 Jahre später 226 000 Euro fällig. 

Der R-129-ClubDer Mercedes-Benz R129 SL-Club e.V. mit Sitz in Stuttgart folgt dem Ziel der Erhaltung der historischen Substanz der Marke Mercedes-Benz und deren Produkte sowie der technischen und stilistischen Entwicklung des Automobils. Der Verein ist formell anerkannt durch den MBCCCI – den Mercedes-Benz Classic Car Club International. Der Club    fördert Erhaltung und Pflege der Mercedes-Benz-Fahrzeuge des Typs R129 dadurch, dass er mit Kontakten zur Daimler AG und deren Zulieferfirmen die Ersatzteilbeschaffung und Reparaturmöglichkeit sicherstellt. Er gibt seinen Mitgliedern die Chance, auf unpolitischer und nicht konfessioneller Basis Erfahrungen in technischen, historischen und touristischen Belangen auszutauschen. Momentan hat der Club im  RT Schwäbisch Gmünd insgesamt 39 Mitglieder. Vorsitzender ist Axel Krehl.  Einen Stammtisch gibt es immer  am letzten Dienstag im Monat ab 19 Uhr im Gasthaus „Leinhof“ in   Mulfingen.  Der Gmünder Club  organisiert unter anderem  Technik-Workshops auch in Verbindung der Mercedes - Niederlassung in Schwäbisch Gmünd. 

Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Für viele Oldtimerfreunde ist das Mercedes-Modell mit der internen Bezeichnung R129 der schönste SL überhaupt. Axel Krehl und Bernhard Bader schätzen Ausfahrten vor allem mit geöffnetem Dach. Foto: Tom
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Der 3,2-Liter-Motor zählt zu den beliebtesten Triebwerken der R129-Baureihe. Foto: Tom
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Gmünd war schon Austragungsort für ein Treffen des R129-Clubs. Aus allen Himmelsrichtungen kamen die SL-Liebhaber. Foto: Tom
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL
Oldtimerserie 2022 Mercedes Benz R129 SL

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