Zwei Geschwister finden sich und suchen nun einen Bruder

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Mark und Natalie auf der Rooftop Bar des Hotels am Remspark bei dem Fimaufnahmenfür das SWR angefertigt wurden
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Nach 45 Jahren haben sich der Gmünder Mark Wamsler und seine Schwester Natalie wiedergetroffen.

Schwäbisch Gmünd

Es sind die schönsten und spannendsten, aber auch berührendsten Geschichten, die das Leben selber schreibt. Mark Wamsler ist in der Region kein Unbekannter: Er schreibt Bücher, steht öfter in bekannten TV-Formaten vor der Kamera und arbeitet als Sonderpädagoge. Eigentlich ist Mark ein recht weltoffener und redegewandter Mensch, anders jedoch, wenn er von seiner Familiengeschichte erzählt, die in abgekürzter Version „verworren“, beim näheren Hinblicken allerdings anrührend, erschreckend und tragisch ist. Eine Mutter, fünf Kinder und fünf Männer, so umreißt der 46-Jährige in Kurzform seine Familienverhältnisse.

Erstaunlich ist sein Erinnerungsvermögen an frühkindliche Begebenheiten, die er mit mütterlicher Ablehnung und Gewalt beschreibt. Schon als Kleinkind wurde Mark ins Kinderheim abgegeben, hatte aber das große Glück, gemeinsam mit Bruder Brian bei einer Bettringer Pflegefamilie ein Heim zu finden. Mark wurde von Familie Wamsler adoptiert, während sich Brians Spur nach dessen Adoption verliert. Die einzige Spur, die zum jüngeren Bruder führt, sei eine Auskunft des Jugendamts: „Richtung Schweinfurt“.

Schwester Nathalie wuchs bei der Großmutter in Gmünd auf, mit 18 Jahren packte sie ihre Koffer, um der dort herrschenden Strenge zu entfliehen. In den USA schlug sie eine militärische Laufbahn ein, kämpfte unter anderem in Afghanistan und war Personenschützerin von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Er habe immer von seinen Geschwistern gewusst und auch, dass er adoptiert sei, erzählt Mark. 2020 nahm sein Leben mit einer Nachricht in seinem Facebook-Messenger eine Wende. Eine bis dahin unbekannte Userin schrieb: „Hallo Mark, ich bin deine Schwester“. Als surreal beschreibt Mark diese Situation. Schwester Natalie Clarke-Knight war durch Marks Autorentätigkeit im Internet auf den jüngeren Halbbruder aufmerksam geworden. Mit Details aus der Kindheit, „die sonst keiner wissen kann“, überzeugte Natalie ihren Bruder von der „Echtheit“ der Verwandtschaft. Obwohl Natalie aus beruflichen Gründen eher direkt und geradlinig ist, ging sie die geschwisterliche Annäherung mit viel Gefühl und Takt an.

Erstes Treffen

Im vergangenen Sommer konnten die Geschwister einander bei einem „Heimatbesuch“ von Natalie zum ersten Mal in die Augen blicken. Es sei sofort eine Verbindung zu spüren gewesen, meint Mark nachdenklich. Und viele Eigenarten und Charakterzüge würden die Verwandtschaft eindeutig belegen.

Ende August kam Natalie erneut nach Gmünd, um ihren kleinen Bruder zu sehen. Der Besuch fiel in die Woche, in der Mark für neue Folgen einer Vorabendserie als Kommissar Bernstein vor der Kamera stehen sollte. Die besonderen Umstände des schwesterlichen Besuchs veranlassten das Münchner Drehteam zu einer absoluten Ausnahme: Natalie durfte mit in die Studios. „Für Natalie als Fan deutscher Spielfilme war dies ein großes Geschenk“, lacht Mark.

Aber bei Besuchen findet sich auch immer Zeit für ruhige Momente, die die beiden für Gespräche über Kindheitserinnerungen nutzen. Auch hier dominieren die Abneigung und die erlebten Misshandlungen durch die biologische Mutter.

Mit Natalie sei eine „große Schwester“ in sein Leben getreten, die sich für ihren Bruder einsetzt, wo es nur geht, sagt Mark. Ihre Anwesenheit habe ihm geholfen, seine derzeitigen gesundheitlichen Probleme zu überwinden, bei seiner Arbeit für sein neues Buch Vanara, Teil 2, unterstützt sie ihn mit ihrem militärtaktischen Know-how. Bei der Vorstellung des Buches im November auf der Comic Con in Stuttgart soll Natalie selbstverständlich dabei sein.

Hoffen auf Brian

Und was ist mit den anderen Geschwistern? Mark weiß von Doreen und Roger, mit denen er nicht mehr in Kontakt steht. „Sie sind zu mutternah“, sagt er. Die Mutter selbst hatte Mark vor Jahren kontaktiert, nach deren Desinteresse jedoch sei das Thema für ihn „abgehakt“, er habe alle Kontakte abgebrochen. Nun suchen Natalie und Mark ihren Bruder Brian, der, so hoffen sie, noch in Deutschland lebt, vielleicht bei Schweinfurt. Denn so, wie Natalie ihren Bruder Mark von Amerika aus ausfindig machen konnte, besteht die Möglichkeit, auch Brian zu finden.

Mark Wamsler bei den Dreharbeiten
Mark Wamslers Schwester + Obama
Mark und Natalie Wamsler mit dem Drehteam.

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