Zwei Männer haben Bosch AS um 700 000 Euro erleichtert

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Die Angeklagten haben Dienstleistungen nicht erbracht und Waren nicht geliefert.
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Selbstanzeige und Geständnis verhelfen Angeklagten vor dem Schöffengericht zu Bewährungsstrafen. Kritik an Kontrollsystem der Firma.

Schwäbisch Gmünd

Dienstleistungen nicht erbracht, Waren nicht geliefert, aber für alles Rechnungen gestellt - zwei Männer hatten ein System erdacht, um Bosch AS zu betrügen. Am Dienstag mussten sie dieses System dennoch vor dem Schöffengericht des Gmünder Amtsgerichts darlegen. In der Verhandlung kamen auch die Kontrollmechanismen des größten Gmünder Arbeitgebers in die Kritik.

Der 33-jährige C. und der zehn Jahre ältere K. kennen sich schon lange. C. hat eine Firma im Raum Aalen und K. hatte es bei Bosch AS zu was gebracht. Er durfte unter anderem Aufträge bis zu einem Wert von 10 000 Euro vergeben. Dieser Umstand half beiden: C. fragte K, ob es bei Bosch AS Aufträge für ihn gebe, und K. war wegen krankhafter Spielsucht finanziell klamm. Also kam man auf die Idee, die Staatsanwalt Martin Hengstler in der Anklage so zusammenfasste: K. gab bei C.'s Firma Bestellungen für Dienstleistungen und Waren auf, die C. zwar Bosch AS in Rechnung stellte, aber nie erbrachte oder lieferte. Vom „Erlös“ bekam K. einen Anteil von 10 bis 20 Prozent - mindestens 150 000 Euro. Zumindest 106 solcher fingierten Rechnungen hat es laut Anklage gegeben, dafür habe das Unternehmen an C.'s Firma 706 288 Euro überwiesen. Von Anfang 2018 bis Mitte 2019 ging das gut, dann kam Bosch AS doch dahinter. Die Folgen: K. musste einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen. Und er musste seiner Frau offenbaren, dass er mit seiner Spielsucht die Familie ins finanzielle Abseits geführt hatte. Mittlerweile hat er eine Stelle bei einer anderen Firma, zahlt an Bosch AS monatlich 300 Euro zurück. Doch auch neben der Forderung seines früheren Arbeitgebers habe er noch rund 120 000 Euro Schulden, sagte er. Inzwischen gehe er seine Spielsucht an, zunächst stationär, seitdem bei der Caritas ambulant. Ein psychotherapeutischer Gutachter bescheinigte K. wegen der Spielsucht verminderte Schuldfähigkeit. K.'s Verteidiger Robin Schmid forderte eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten.

Selbstanzeige

C. hatte sich, kurz nachdem der Schwindel aufgeflogen war, mit einer detaillierten Selbstanzeige den Strafverfolgern offenbart und damit die Ermittlungen in Gang gebracht. In der Verhandlung sagte er, dass eine Vorstrafe seine Firma beeinträchtigen würde. Seine drei Verteidiger - der aus dem Fernsehen und als Autor bekannte Alexander Stevens sowie dessen Kollegen Karin Steer-Rieger und Philip Müller - forderten für ihn daher eine Kronzeugenregelung und einen dann möglichen Straferlass. Immerhin habe C. bereits eine Einmalzahlung von 200 000 Euro zur Wiedergutmachung geleistet und zahle seit Dezember monatlich 7000 Euro zurück. Sollten weitere Raten ausbleiben, habe Bosch AS durch eine Grundschuld Zugriff auf sein Haus.

Doch auf die Kronzeugenregelung ging das Gericht unter Vorsitz von Richterin Julia Ocker nicht ein. Es verurteilte die beiden bisher nicht vorbestraften Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit einer immensen Schadenssumme zu Bewährungsstrafen: C. zu elf, K. zu 18 Monaten. Zudem muss C. 15 000, K. 15 00 Euro an den Hilfs- und Wohltätigkeitsverein Schwäbisch Gmünd bezahlen. Und K. muss seine Therapie fortsetzen. Ocker hielt beiden zugute, dass die Kontrollmechanismen bei Bosch AS „relativ lax“ gewesen seien.

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