Zwei mal wöchentlich Kreativ-Kurse gegen Tränen

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Der Platz ist begrenzt: Immer mehr Kinder nützen die Kursangebote der Gmünder Jugendkunstschule.
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Ukrainische Kinder nehmen Angebote gerne an. Verantwortliche wünschen sich mehr Platz.

Schwäbisch Gmünd. Seit April 2022 ist die Gmünder Jugendkunstschule auch für ukrainische Kinder geöffnet. Am Montagnachmittag für eineinhalb Stunden, samstags für zwei Stunden. Ein Angebot, das bisher mehr als 200 Kindern angenommen haben.

Wie wichtig es ist, diesen Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren eine Möglichkeit zu bieten, sich kreativ auszudrücken, sieht man an den Werken, die entstehen. Zum Beispiel im Konzept von Alkie Osterland mit dem Namen „Farbenbuffet“. Nicht nur Farben, sondern auch unterschiedliche Materialien stehen zur Auswahl. An diesem Nachmittag formen die Kinder aus lufttrocknender Modelliermasse Gefäße. Spannend wie aus einer kleinen Kugel ein Schüsselchen, ein Becher „wächst“. Jedes Teil ein Unikat, die Ergebnisse so unterschiedlich wie die Künstler. Die vergessen dabei alles Bedrückende für eine Weile, die Stimmung ist heiter und fröhlich, und die wenigen Tränen werden liebevoll getrocknet. Kein Druck wird ausgeübt, es gibt kein „Muss“, jeder arbeitet das, was er möchte. Die Atmosphäre knistert vor Eifer und Konzentration. Einige Mütter begleiten ihre Kinder und sitzen im vorderen Bereich. Denn in der Werkstatt ist der Platz knapp. Dringend benötigt wird ein Lagerraum für Materialien, damit Regale und Schubladen Platz machen für die Kinder.

Zwei große Spenden

Ermöglicht wurde das Projekt für ukrainische Flüchtlingskinder durch eine vierstellige Spende. Für kurze Zeit war ungewiss, wie es nach Aufbrauchen des Spendenbetrags weitergehen könnte. Doch dann gab es die nächste große Spende, angeregt von Dr. Rudolf Böhmler vom Arbeitskreis Kultur.

Die beiden wöchentlichen Termine in der Jugendkunstschule sind für die ukrainischen Mütter zum Treffpunkt geworden. Diana, eine Studentin der Pädagogischen Hochschule (PH) Schwäbisch Gmünd, steht als Dolmetscherin für Kinder und Mütter zur Verfügung. Sie konnte wegen des Kriegs nicht in die Ukraine zurückkehren. „Zuerst dachte ich, dass das hier viel zu anstrengend wird für mich“, sagt sie. Aber: „Ich vergesse meine Sorgen, wenn ich bei den Kindern bin.“

Die Kinder werden von den Leiterinnen der Jugendkunstschule, Gerburg Maria Müller und Ina Siebach-Nasser, von Constatin Tovihoudij, der seinen Bundesfreiwilligendienst ableistet und über eine pädagogische Ausbildung verfügt, betreut, sowie von Alkie Osterland angeleitet.

Die Jugendkunstschule hat seit 2018 neben anderen Kursen einen Dauerbrenner: Die Kunstwerkstatt im Atelier, samstags von 10 bis 12 Uhr, von Kunstpädagogen angeregt und künstlerisch gefördert. Immer mehr Kinder nützen die Kursangebote. Im Vergleich zur Gründungszeit hat sich das Kursangebot um 70 Prozent erweitert. Kooperationen mit Schulen und Kindergärten haben sich ergeben. Professionelles Arbeiten heißt hier vor allem Arbeiten mit vielen unterschiedlichen Materialien. Künstlerische Prozesse brauchen einen guten Arbeitsplatz, Werkzeuge, Maschinen, Platz für die Arbeitsvorbereitung, eine strukturierte, anregende Umgebung, ein gut sortiertes, separates Lage. Kurz gesagt: „Die Jugendkunstschule braucht mehr Raum“, so der Appell von Alkie Osterland, VHS-Leiterin Ingrid Hofmann und Dr. Rudolf Böhmler.

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