Zwei Verbände machen Druck fürs Klepperle

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Klepperle im Gmünder Bahnhof

Broschüre mit 277 zu reaktivierenden Trassen veröffentlicht. Erstmals ist auch die Strecke Schwäbisch Gmünd-Göppingen aufgeführt.

Schwäbisch Gmünd

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene fordern, stillgelegte Bahnstrecken schneller wieder ans Netz zu nehmen. Andernfalls werde die Verkehrswende nicht gelingen, haben beide Verbände  nun  bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin betont. Sie stellten auch die dritte Auflage der VDV-Broschüre mit einer aktualisierten und erweiterten bundesweiten Liste von zu reaktivierenden Schienenstrecken vor. Erstmals dabei und mit dringlicher Priorität: die Hohenstaufenbahn von Göppingen nach Gmünd.

Insgesamt schlagen die Verbände 277 Strecken mit 4573 Kilometern Länge zur Reaktivierung vor. In der Broschüre werden 332 Städte und Gemeinden aufgelistet, die durch die vorgeschlagenen Wiederinbetriebnahmen wieder Anschluss an das Bahnnetz erhalten könnten. Neben dem Klepperle Gmünd-Göppingen werden auch die Boller Bahn, die Strecke Weilheim nach Kirchheim-Süd sowie auf der Alb die derzeitige Museumsbahn von Amstetten nach Gerstetten aufgeführt.

Letzterer räumen die Bahnexperten allerdings wenig Chancen auf baldige Reaktivierung ein. Zwar habe die 20 Kilometer lange Trasse „gegebenenfalls Potenzial im Schülerverkehr“. Doch hat die schon länger bekannte Studie des Landes ergeben, dass hier ein geringes Nachfragepotenzial zu erwarten sei.

Ganz anders sieht das auf der Stecke von Gmünd über Göppingen und Boll nach Kirchheim aus: Durchgehend wird hier von einem „sehr hohen Nachfragepotenzial“ ausgegangen. Deshalb haben für den VDV auch alle Abschnitte der Strecke höchste Priorität.

Für den Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im  GöppingherLandratsamt, Jörg-Michael Wienecke, ist das kein Wunder: „Ich gehe mal davon aus, dass der VDV keine weitergehenden Erkenntnisse hat als unsere Gutachter.“ Denn dass es eine hohe Nachfrage geben wird, gilt längst als Konsens. Derzeit wird eine großangelegte Machbarkeitsstudie erstellt, die auch die Wirtschaftlichkeit der Strecken prüft. Die Ergebnisse sollen bis zum Jahresende vorliegen. Das sollte auch klappen, meint der Amtsleiter: „Ich kann signalisieren, dass wir im Zeitplan sind.“

An der Studie sind diverse Experten beteiligt. „Auch die DB Engineering ist dabei und guckt sich die Infrastruktur an“, berichtet Wienecke. Klar sei bereits: „Zwischen Boll und Aichelberg gibt es eine durchaus anspruchsvolle Topografie.“ Über erste Ergebnisse der Untersuchung schweigt sich der Verkehrsplaner aber aus: „Ich werde nichts dazu sagen, wie die Zwischenstände sind.“

Positiv sei jedenfalls, dass seit Juli dieses Jahres neue Bewertungsmaßstäbe für die Finanzierung von ÖPNV-Projekten auf der Schiene gelten. So soll es für Länder und Kommunen einfacher werden, an Fördergelder des Bundes zu gelangen. „Die neuen Bewertungen sind mit Sicherheit kein Nachteil“, meint Wienecke. Unterm Strich gilt weiterhin, dass eine Wirtschaftlichkeit von „1“ erreicht werden muss. Der Amtsleiter hofft, dass die Studie eindeutige Ergebnisse liefert: „Wenn wir bei 0,9 landen, wird logischerweise eine politische Diskussion entstehen.“

Wienecke betont aber, dass die Projektpartner gut zusammenarbeiten: „Das gegenseitige Vertrauen in diesem Arbeitskreis ist hoch.“ Deshalb glaubt er: „Über das Ergebnis wird es keinen Streit geben.“ Wenn es denn vorliegt, soll es auch ausgiebig kommuniziert werden, verspricht Wienecke: „Ich gehe davon aus, dass, wenn alles in trockenen Tüchern ist, wir eine öffentliche Veranstaltung machen.“   Von Dirk Hülser

Drei Landkreise arbeiten Hand in Hand

Das Land fördert die Machbarkeitsstudie mit bis zu 200 000 Euro. Geld zur Finanzierung der Untersuchung kommt auch von den Landkreisen Göppingen, Esslingen und Ostalb sowie vom Verband Region Stuttgart. Fachlich unterstützt werden sie vom Regionalverband Ostwürttemberg. Koordiniert wird alles vom Amt für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Göppinger Landratsamt.Den Anstoß zur Prüfung einer Wiederbelebung hatte eine Studie des Landes gegeben, in der die Wiederherstellung der früher zahlreichen Nebenbahnen im Land geprüft worden war. Diese Studie hatte für die Strecken von Gmünd über Göppingen und Boll bis Kirchheim ein durchaus hohes Fahrgastpotenzial vorhergesagt.

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