Kaspar Hieber bleibt in Straßdorf unvergessen

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Die Initiatoren der Infotafel (v.l.): Manfred Hess, Werner Nußbaum und Ernst Plass.

Die Bezeichnungen Kappers Garten, Kappers Gäßle, Kappershof und Kappers Pfarr' gehen auf Kaspar Hieber zurück. Eine vom Förderverein in Straßdorf aufgestellte Stele erinnert nun daran.

  • Straßdorf hat mit dem Bau des DRK Senioren- und Dienstleistungszentrum am Friedrich-Röther-Platz eine neue, repräsentative Ortsmitte erhalten. Doch wie sah es hier früher aus? Diese Frage beantwortet nun eine Inforamtionstafel, die der Straßdorfer Förderverein jetzt am Kappersweg aufgestellt hat.
  • Die Infotafel erinnert an das ehemalige Schulgebäude in Kappers Garten, an Kappers Gäßle, an den Kappershof, an Kaspar Hieber und an Pfarrer Augustinus Hieber (Kappers Pfarr'). Den Text auf der Infotafel verfasste Ernst Plass, für die technische Umsetzung sorgte Manfred Hess.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf

Mit dem Bau des DRK-Senioren- und Dienstleistungszentrums erhielt Straßdorf 2020 eine neue Ortsmitte.

Der vordere Teil des Komplexes zur Einhornstraße hin steht auf dem Gelände des früheren landwirtschaftlichen Anwesens Viktor Mühleisen und gehörte bis 1919 zum Adlerschen Gut, das sich bis zum Friedhof erstreckte. Der rückwärtige Teil liegt auf dem Terrain der früheren Grundschule und damit im ehemaligen Kappers Garten, einer ausgedehnten Obstbaumwiese, die zum Kappershof gehörte. Der Kappershof grenzte an die „Hundsgasse“, jetzt Jurastraße.

Die Bezeichnung „Kappers Garten“ ist heute nur noch den älteren Straßdorfern geläufig. Sie erinnern sich wohl an die Gartenfeste, die hier in den ersten Nachkriegsjahren gefeiert wurden. Man saß unter Obstbäumen, schwätzte und lauschte der Musikkapelle und dem Liederkranz.

Durch Kapppers Garten führte früher das Kappers Gäßle. Es hatte Ortswegcharakter. Heute ist es noch verkürzt als „Primelweg“ zur Wallenstraße hin erhalten geblieben.

Der Kappershof gehörte ursprünglich, wie die meisten Straßdorfer Güter, den Herren von Rechberg. Sie verkauften ihn um 1400 an die Gmünder Priesterbruderschaft. Die Straßdorfer Höfe waren bis 1848 nicht im Besitz der Bauern, sondern gehörten Grundherrn, die sie gegen Geld und Naturalien (Zehnt) an die Bauern verpachtete.

Die Pächter des Kapper'schen Hofguts lassen sich bis 1500 zurückverfolgen. Nach dem Dreißigährigen Krieg wanderten Mitte des 17. Jahrhunderts einige junge Tiroler in Straßdorf ein. Einer von ihnen war Kaspar Hieber. Er heiratete die Witwe Maria Sachsenmaier, deren verstorbener Mann den Hof von der Priesterbruderschaft gepachtet hatte. Gemeinsam mit ihr übernahm Kaspar Hieber 1676 offiziell das Anwesen. Vom Vornamen Kaspar wurde später der Hausname „Kapper“ abgeleitet.

Kaspar Hieber eröffnete 1684 einen Weinausschank, den ihm die Stadt Gmünd genehmigt hatte. Das löste einen Streit zwischen der Stadt und dem Hause Rechberg aus, da diesen der Adler gehörte, der eine vertragliche Monopolstellung als einzige Wirtschaft am Ort besaß. Der Streit zog sich lange hin - währenddessen schenkte Kaspar Hieber weiter Wein aus dem Remstal aus. Hieber verstarb 1688 mit erst 40 Jahren. In den Akten ist vermerkt: „Er gab mit seinem Leben auch seinen Weinschank auf.“

Kaspar und Maria Hieber hatten viele Nachkommen. Sieben Generationen Hieber bewirtschafteten den Kappershof. Da jeweils nur der älteste Sohn den Hof erbte, verstreuten sich die Geschwister im ganzen Umkreis. Viele Hiebers gibt es etwa in Waldstetten und in Gmünd. Die meisten davon dürften von Kaspar Hieber abstammen. Der prominenteste Abkömmling ist wohl Augustinus Hieber. 1886 auf dem Kappershof geboren, hätte er den Hof übernehmen sollen, entschied sich aber, Priester zu werden. Nach verschiedenen Stationen wurde er Pfarrer in Merazhofen bei Leutkirch, wo er noch heute als „Allgäuer Segenspfarrer“ verehrt wird. Er verbrachte jedes Jahr in Straßdorf seinen Urlaub bei seiner Schwester auf dem Kappershof und hielt zum Kirchenpatroziniumsfest des Heiligen Cyriakus die Sonntagsmesse. Für die Straßdorfer war er „Kappers Pfarr'“. An ihn erinnern der „Pfarrer-Hieber-Platz“, der „Pfarrer-Hieber-Saal“ und eine Statue an der Kirche.

Die Ära Hieber auf dem Kappershof endete 1938 mit dem Tode von Georg Hieber, dem Vater von Augustinus. Der gesamte Besitz kam zur Versteigerung. Die Gemeinde Straßdorf erwarb Hof und Grundstück. Bürgermeister Max Beck hielt schon damals das Gelände als geeignet für den Bau eines Schulhauses und einer Turnhalle. Beide Vorhaben wurden nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklicht.

Das Schulgebäude wurde 2017 abgebrochen. Ebenso verschwanden Wohnhaus und die landwirtschaftlichen Gebäude des angrenzenden Anwesens Viktor Mühleisen. An ihrer Stelle steht nun das DRK-Senioren- und Dienstleistungszentrum.

Doch Kaspar Hieber ist nicht vergessen: Seit Kurzem gibt es den Kappersweg. Er schließt an den Primelweg an und verbindet die Flächen und Parkplätze um die Gemeindehalle fußläufig mit dem neuen Friedrich-Röther-Platz. Der Wegeverlauf entspricht fast genau dem früheren nordwestlichen Ast des Kappers-Gäßle. Dieses Teilstück bestand bis 1919. So ist nun, rund 100 Jahre später, dieses Gäßle als Kappersweg wiedererstanden, ein Jubiläum der besonderen Art. Der Förderverein hat am Kappersweg eine Erinnerungsstele aufgestellt.

Infotafel Kappersweg aufgestellt
Infotafel Kappersweg aufgestellt
So sieht die Straßdorfer Ortsmitte mit dem DRK-Zentrum heute aus. In ihrer langen Geschichte standen schon verschiedene Gebäude hier.ÌFoto: privat
Beginn der Abbrucharbeiten am Kappershof 1953

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