Klage gegen Erweiterung von Straßdorf-Süd angekündigt

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Auf dieser bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche am südlichen Ortsende von Straßdorf soll das Backhaus gebaut werden. Anwohner wollen gegen diese Planung klagen. Links im Bild die Landesstraße nach Rechberg.
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Anwohner kritisieren Pläne für den Bau eines Backhauses am südlichen Ortsende. Stadtverwaltung: Sauberes Verfahren.

Schwäbisch Gmünd-Straßdorf

Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll die endgültige Entscheidung, der so genannte Satzungsbeschluss, über die geplante dritte Erweiterung des Gewerbegebiets Straßdorf-Süd fallen. Doch wenn der Gemeinderat zustimmt, dass dort zwischen der bestehenden Bebauung und der Landesstraße nach Rechberg die Bäckerei Schmid-Kuhn ein großes Backhaus erstellen darf, ist die Sache noch nicht beendet: Nachbarn kündigen bereits eine Klage gegen diese Erweiterung an. Sie werfen der Stadt unter anderem vor, frühere Zusagen nicht einzuhalten.

Der Hintergrund: Die Firma Backhaus Schmid-Kuhn GmbH sucht Platz für ein neues Backhaus. Bislang werden die Brezeln, Brote und sonstigen Backwaren, die das alteingesessene Unternehmen in über 30 Filialen verkauft, in einem Backhaus in Bettringen gefertigt. Aber die dortige Anlage bietet keine ausreichenden Möglichkeiten zur Erweiterung und Modernisierung. Diese Möglichkeiten möchte die Stadt nun auf dem gut ein Hektar großen Grundstück am südlichen Ortsende von Straßdorf bieten und dieses Areal dafür ins angrenzende Gewerbegebiet integrieren. Der Standort hätte für Schmid-Kuhn auch den Vorteil, dass er verkehrsgünstig zu der wachsenenden Zahl der Filialen im Göppinger Raum liegt.

Diese Lieferfahrten zu den Filialen sind aber ein Punkt, den die Gegner des Projekts massiv kritisieren. Ein Gutachten, das während des Bebauungsplanverfahrens erstellt wurde, nennt bis zu 850 Fahrten, die täglich zum und vom Backhaus gehen. Darin sieht der direkte Nachbar Mario Mayer nicht nur für sich eine erhebliche Belastung, auch nachts und an Wochenenden. „Nicht nur die Anwohner der Donzdorfer, Einhorn- und Alemannenstraße sind davon betroffen, sondern ganz Straßdorf sowie die Nachbargemeinden Waldstetten, Rechberg und das angrenzende Stadtgebiet“, argumentiert Mayer. Zudem sprenge die geplante Größe des Backhauses die Dimensionen des Gewerbegebiets, in dem eher kleine Betriebe angesiedelt sind, sagt Siegfried Wörner, der ebenfalls dort eine Firma hat. Hinzu komme, dass die meisten Eigentümer der Firmen auch dort wohnen. Beide kritisieren auch, dass der Bau die Kaltluftströmung nach Straßdorf und in die Innenstadt hemmen würde. Zusammenfassend sagen sie, mit dem Bau des Backhauses komme „eine erhebliche Lärm-, Verkehrs- und Gesundheitsbelastung“ auf Straßdorf zu. Deshalb hätten die Anwohner im Gewerbegebiet bereits 2018 mit zwölf Unterschriften gegen die geplante Ansiedlung protestiert. Dieser Protest aber sei dem Ortschafts- und dem Gemeinderat gar nicht zur Kenntnis gegeben worden. Mario Mayer verweist darauf, dass, als er sich dort ansiedelte, die Stadtverwaltung die damals geplanten Gebäude als Ende der Bebauung in diesem Bereich definiert habe.

Wir stehen hinter dem Projekt.“

Werner Nußbaum, Ortsvorsteher

Anwalt eingeschaltet

Der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, Gerhard Hackner, bestätigt, dass zahlreiche Einwendungen und Anmerkungen zu dem dem Bebauungsplanverfahren eingegangen sind. Die würden nun abgewogen und dem Gemeinderat für den Satzungsbeschluss vorgelegt - voraussichtlich noch in diesem Jahr. Es sei ein „sauberes Verfahren“, versichert er. In dessen Verlauf sei auch die Verkehrsbelastung untersucht worden. Das Ergebnis, so Hackner: Das bestehende Verkehrsnetz könne den zusätzlichen Verkehr aufnehmen. Auch die klimatischen Auswirkungen seien geprüft worden und hinnehmbar. Für das Backhaus würden die gleichen Vorgaben gelten wie für die anderen Betriebe in Straßdorf-Süd. Hackner verweist darauf, dass der Gemeinderat sich schon früher mit großer Mehrheit hinter die Planung gestellt habe.

Der Straßdorfer Ortschaftsrat hat die Pläne einstimmig begrüßt. „Wir stehen hinter dem Projekt“, sagt Ortsvorsteher Werner Nussbaum klar. Die von Mario Mayer kritisierten Fahrtzahlen stellten den Extremfall dar. Und selbst der wäre noch verkraftbar. In der Diskussion um das Backhaus seien „auch viele Dinge im Umlauf, die nicht stimmen“.

Klar ist schon: Wenn der Gemeinderat der Erweiterung des Gewerbegebiets um das Backhaus zustimmt, wird die Sache die Juristen beschäftigen. Die Anwohner seien sich einig, dass sie dann dagegen klagen werden, sagt Mayer. Ein Anwalt sei bereits kontaktiert, Anfragen bei Rechtsschutzversicherungen wegen Kostenübernahme liefen.

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