Testpflicht bremst Physiotherapeuten

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Böbinger Bürgermeister Jürgen Stempfle appelliert an Landrat Dr. Bläse.

Böbingen. Zutritt zu Senioreneinrichtungen nur mit nativem Corona-Schnelltest: Diese Anordnung der Landesregierung klingt klar, sorgt aber für viele Fragen. Die jüngste dieser Fragen stellt nun Böbingens Bürgermeister Jürgen Stempfle an Landrat Dr. Joachim Bläse – und bittet den, sie beim Sozialministerium des Landes vorzubringen.

Problem bekannt

Stempfle schildert den Fall der in Böbingen ansässigen Physiotherapeuten, die auch zahlreiche Kunden in Pflegeheimen betreuen. Um den für den Zugang zu den Heimen nötigen Schnelltest zu besorgen, müssten sie jedesmal nach Heubach fahren, um sich in der dortigen Arztpraxis testen zu lassen. Diese Fahrt koste nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die bisher vom Ministerium dafür in Aussicht gestellte Entschädigung von neun Euro sei nach Stempfles Einschätzung bei Weitem nicht ausreichend. Es sei, schreibt er, "eher eine Beleidigung, mindestens aber fehlende Wertschätzung".

Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landkreises, kennt das Problem. Es betreffe nicht nur Physiotherapeuten, sondern auch andere Besucher, die Bewohner in Seniorenheimen besuchen möchten – sei es privat oder beruflich. Manche Heime bieten inzwischen die Corona-Schnelltests vor Ort an, aber eben nicht alle. Dann müssten die Besucher zu Ärzten, die diese Leistung anbieten. Und die stellten sie auch in Rechnung. Das Ostalb-Landratsamt habe dieses Problem bereits beim Sozialministerium der Landesregierung vorgebracht, aber bisher auf diese Anfrage noch keine offizielle Antwort bekommen.

Selbst testen?

Bürgermeister Stempfle erinnert daran, dass die Senioren aber weiterhin dringend auf gute Behandlungen durch externe Therapeuten für Physio, Bewegung und gegen körperliche Schmerzen angewiesen seien. "Nur so kann die Lebensqualität der Senioren gewährleistet werden", so der Böbinger Schultes. Als mögliche Lösung zumindest für die Berufsgruppe der Physiotherapeuten nennt Stempfle einen Vorschlag, den der Berufsverband Physio Deutschland gemacht habe: Er habe angeboten, Schnelltests auch in den eigenen Praxen durchzuführen.

Dies, meint Stempfle, würde nicht nur die Besuche der Therapeuten in den Seniorenheimen erleichtern. Es würde zudem das Angebot an Schnelltests verbreitern und so die teils langen Wartezeiten auf die Ergebnisse solche Tests reduzieren. Dieser Vorschlag sei jedoch vom Sozialministerium abgelehnt worden, so Jürgen Stempfle.

Das Sozialministerium Baden-Württemberg wertschätzt die Arbeit der Physiotherapeuten, stellt Florian Mader, Pressereferent im Ministerium klar.

"Thema im Blick"

Die Experten im Ministerium hätten die Situation der Physiotherapeuten in der derzeitigen Lage ebenso wie die aller anderen Gesundheitsberufe im Blick. Jedoch lägen Entscheidungen wie die, Corona-Schnelltests in Physiotherapie-Praxen zuzulassen, auf Bundesebene und nicht bei den Ländern. Im Übrigen habe der Bund die Testverordnung sehr kurzfristig angepasst. "Wir haben das Thema aber auf dem Schirm", versichert der Pressereferent.

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