Training in der „Krone“ in Wetzgau

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Stolz blicken die Vereinsverantwortlichen des TV Wetzgau auf dessen hundertjährige Geschichte zurück. Hinten von links: Gisela Steeb (Vorstandsmitglied Freizeitsport), Peter Waibel (Abteilungsleiter Fitness), Winfried Kiehnhöfer (Finanzvorstand), Walter Wentschuh (Autor und Designer), Stephan Preiß (Vorsitzender). In der Hocke von links: Kristina Simonenko (Fitness- und Polesport-Trainerin), Kurt Zeller (stellvertretender Vorsitzender), Rafael Feuersänger (Fitnesstrainer).
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Der TV Wetzgau musste seine Festivitäten zum 100-jährigen Bestehen erst verschieben, dann absagen. Jetzt präsentiert der Verein seine Chronik als informativen und kurzweiligen Lesestoff.

Schwäbisch Gmünd-Wetzgau

Vom Dorfverein zum Deutschen Meister“. Der Untertitel der Vereinschronik des TV Wetzgau, in der die zehn Jahrzehnte dieses rührigen Vereins prägnant geschildert werden, ist treffend. Die Kunstturner – viele Jahrzehnte eng mit den Namen Otto Baur und bis heute Paul Schneider verbunden – so wie über viele Jahre auch die Gewichtheber – geprägt von der jahrzehntelangen Leitung und Leistung von Vater und Sohn Rudi Sauerbeck – haben den Namen dieses kleinen Vereines von der Ostalb weit ins Land hinausgetragen. Ihre Athleten sammelten bei großen internationalen Meisterschaften Erfolge und Medaillen.

Kein Fest im Himmelsgarten

Darauf wies TVW-Vorsitzender Stefan Preiß am Dienstagabend hin, als er in der Kolomanhalle, der Heimstätte des TV Wetzgau, die Vereinschronik der Öffentlichkeit vorstellte. „Eigentlich“, so Preiß, „war sie zum Jubiläum des 100-jährigen Vereinsbestehens im vergangenen Jahr geplant.“ Doch den Wetzgauern ging es wie vielen anderen Vereinen auch. Die längst geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten mussten ausfallen. Die Corona-Pandemie hatte bekanntlich das öffentliche Leben nahezu lahmgelegt. Preiß: „Es war alles geplant, Public Viewing bei der dann auch verschobenen Fußball-EM, Sportgala und ein großes Fest im Himmelsgarten. Wir haben es auf 2021 verschoben, bis wir uns schweren Herzens dazu entschlossen haben, die gesamten Festivitäten abzusagen.“

Der Deutsche Turnerbund (DTB) hat den Deutschlandpokal der Jugend zum wiederholten Mal dem TV Wetzgau anvertraut. Vom 29. bis 31. Oktober wird sich Deutschlands bester Turnernachwuchs in der Gmünder Großsporthalle die Ehre geben. Ob mit oder ohne Zuschauer, das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen. Der TV Wetzgau wertet die Ausrichtung dieser hochkarätigen Sportveranstaltung als Zeichen großer Wertschätzung, die dieser Verein mit seinen rund 750 Mitgliedern in Deutschland genießt.

Am 8. Februar 1920 gegründet

Gegründet wurde er am 8. Februar 1920 als TSV Wetzgau. Das Ende des Ersten Weltkriegs, bei dem auch 15 junge Wetzgauer ihr Leben verloren – eine Gedenktafel an der Kolomanhalle erinnert an sie – war der Impuls für den neuen Aufbruch. „In dieser schwierigen Zeit der Verknappung sämtlicher Verfügbarkeiten mit zunehmend steigenden Preisen“, so ist in der Chronik nachzulesen, „gab es Anfang Januar 1920 im Wetzgauer Gasthaus Krone ein Treffen zur Gründung eines neuen Vereins. Lehrer Bühler von der Katholischen Volksschule Wetzgau unterstützte das Drängen der Dorfjungen nach neuen Idealen, dem der seit langem bestehende Kriegerverein im Ort nicht mehr gerecht werden konnte.“ Wie in vielen Orten der näheren Umgebung entstand auch im kleinen, beschaulichen Wetzgau mit etwa 300 Einwohnern ein Turn- und Schützenverein. Erwin Bühler wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Trainiert wurde anfangs an selbst gefertigten Geräten. 1924 wurden dem TSV Wetzgau bereits der Jugendturntag des Turngaus Rems übertragen. Noch im selben Jahr wurde hinter dem Gasthaus „Krone“ ein Grundstück gekauft. 1949 wurde darauf die Kolomanhalle gebaut, die bis heute Heimat des Vereins ist. Der Bau einer Halle war zu jener Zeit wirtschaftlich noch nicht möglich. Als Übungs- und Wettkampfstätte stand den Sportlern der Sportplatz der katholischen Volksschule zur Verfügung, bei schlechtem Wetter wurde im Schulhaus oder im Nebenraum der „Krone“ trainiert. Die Teilnahme am Deutschen Turnfest 1933 war auch für eine Wetzgauer Turnerriege eine der ersten großen Veranstaltungen dieses damals noch jungen Vereins, der wie alle Sportvereine damals ins Organisations-Räderwerk der Nationalsozialisten integriert wurde.

Der Sportbetrieb kam während des Zweiten Weltkrieges zum Erliegen. Die Alliierten verboten sofort nach Kriegsende alle Schützenvereine in Deutschland. Nachdem die amerikanische Militärverwaltung in Schwäbisch Gmünd, die Wiederbelebung des Turnvereins Wetzgau genehmigt hatte, fand am 1. November 1945 eine außerordentliche Versammlung statt. Die Generalversammlung wählte am 19. Januar 1946 ein neues Führungsgremium. Erster Vorsitzender war Anton Hölldampf.

Gegen die Rehnenhofsiedlung

Die Rehnenhofsiedlung entstand. Auf Initiative des TV Wetzgau wurden im Rahmen der Nothilfe zwei Fußballspiele ausgetragen. Die TVW-Jugend verlor gegen die neu entstandene Rehnenhofsiedlung 0:12. Die „Alten Herren“ beider Ortsteile trennten sich 3:3. Ein stattlicher Spendenbeitrag kam zusammen.

Bau der Kolomanhalle 1949

Mit dem Bau der Koloman-Turnhalle 1949, die stets ausgebaut wurde und heute neben dem Clubheim auch ein modernes Fitnesszentrum enthält, folgte ein Aufschwung des TV Wetzgau, der bis heute mustergültig ist. Immer wieder waren es die Turner, und mit der Gründung der Gewichtheber-Abteilung 1959 auch die Athleten von Rudi Sauerbeck sen., die bis in die Bundesliga kletterten und große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene nach Hause brachten und – was die Turner betrifft - es bis heute tun.

Deutscher Meister 2013

Seit 2010 bietet vor allem Sportleistungszentrum im Gmünder Uni-Park den Turnern um Abteilungschef Paul Schneider ideale Bedingungen, um Kunstturnen auf höchstem Niveau zu trainieren. 2013 feierte der TV Wetzgau mit der Mannschaft die Deutsche Meisterschaft als absolutem Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Um den Nachwuchs muss es den Wetzgauern nicht bange sein. Erst vor wenigen Tagen erhielt der TVW erneut vom Deutschen Turnerbund für seine erstklassige Nachwuchsarbeit bei den Jungs und Mädchen das Prädikat Turn-Talentschule zugesprochen.

Der Designer Walter Wentenschuh hat die 100-jährige Geschichte des TV Wetzgau akribisch aufgearbeitet und daraus eine Chronik gebastelt, die für kurzweiligen Lesestoff nicht nur für die Vereinsmitglieder bietet, die die Broschüre bald in Händen halten werden.

Die Weichen für eine gute Zukunft sind gestellt. Rund eine halbe Million Euro wurden in der Sport-Auszeit der Pandemie in die Halle investiert. Auch die sportlichen Potenziale sieht TVW-Vorsitzender Stephan Preiß noch nicht gänzlich ausgeschöpft. Die hohe Qualität turnerischer Ausbildung im Jungen- und Mädchenbereich werde weiter Früchte tragen, ist er sich mit seinen Vorstandskollegen einig. Die jüngste Abteilung der Rhythmischen Sportgymnastinnen, die jener der Judo- und Karatekas nachfolgte, schließt er explizit mit ein.

Wir haben uns schweren Herzens entschlossen, die Festivitäten abzusagen.“

Stephan Preiß, Vorsitzender des TV Wetzgau

Die Führungsgremien des TSV bzw. TV Wetzgau

Die Vereinsführung bei der Gründung: Vorsitzender Erwin Bühler, Schriftführer Josef Maihöfer, Kassierer Wilhelm Kolb. Ausschussmitglieder: Adolf Weiß, Alfons Lang, Benedikt Maier. Turnwart Konrad Maier, Schützenmeister Karl Rieg.
Neugründung Januar 1946: Vorsitzender Anton Hölldampf, 2. Vorsitzender Alfred Rieger, Kassier Eugen Friedel, Schriftwart Anton Scherr, Turnwart Josef Hörner, Beisitzer August Hörner, Hermann Mitsch, Gerhard Friedel.

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