Der Geistliche impuls

Über die Fülle

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"Was wäre das Leben, das sich nicht verschwendet", höre ich den alten Mann reden. Das Knickrige verachtete er. "Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben", das war der Jesus-Satz, bei dem er sich begeistern konnte.

"Was wäre das Leben, das sich nicht verschwendet", höre ich den alten Mann reden. Das Knickrige verachtete er. "Ich bin gekommen, dass sie das Leben in Fülle haben", das war der Jesus-Satz, bei dem er sich begeistern konnte. Und füllte den Teller zum dritten Mal mit roter Grütze auf. Am Schluss zeigte sich ihm die Fülle anders. Ich sehe ihn in seinem Heimzimmer. Die Pflegenden kommen gerne in sein Zimmer. Da ist einer, der nicht bitter ist. Wenn wir jetzt Erntedankfest feiern, dann denke ich auch daran, was ich "in Fülle" habe. An Essen. An Trinken. Und ich weiß auch, dass die Intelligenz und die Arbeitskraft von Bauern und Bäuerinnen und anderer Menschen drinsteckt und viel zu oft auch ihre himmelschreiende Ausbeutung. Trotzdem will ich die Fülle wahrnehmen: im Rückblick auf die Ernte und unsere Versorgung. Aber auch im Rückblick darauf, was mir schon zukam. Was mich durch Menschen schon erreicht hat. Hilfe, Beachtung, gemeinsam Erlebtes. Was mir "geschenkt" wurde, schreibe ich in diesem Corona- Herbst auf. Ich verschicke Karten und sag' "Danke für …" Ich staune: Das Blatt wird voll. Pfarrerin Maike Ulrich

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