Ukrainehilfe: „Schnell war klar: Wir brauchen mehr“

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Eine Idee, zwei Ärzte, viele Spender - und 30 Paletten mit medizinischem Material für zwei ukrainische Kliniken. Achim Lenz und Marta Telishevska vor dem Start der Hilfslieferung.
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Eine Initiative aus dem Stauferklinikum sammelt Geld und packt Kisten: Medizinmaterial für die Ukraine.

Schwäbisch Gmünd. „Geld schicken nützt nichts“, sagt Dr. Marta Telishevska. Die ukrainische Ärztin, die im Mutlanger Stauferklinikum arbeitet, hat gleich nach Kriegsbeginn angefangen, über Hilfe für ihre Heimat nachzudenken. Sie hat in der Ukraine bei Kolleginnen und Kollegen nachgefragt, was die brauchen können. Zusammen mit Chefarzt Dr. Achim Lenz hat die Kinderkardiologin die Initiative „Medizinische Hilfe für die Ukraine“ gestartet. Lenz fasst den Bedarf der Ärzte dort kürzestmöglich zusammen: „Alles.“

Die noch arbeitenden Krankenhäuser in der Ukraine haben viel mehr Arbeit als sonst: Im umkämpften Osten der Ukraine sind Kliniken zerstört, deren Arbeit verteilt werden muss; die Angriffe der russischen Armee sorgen für viele Verletzte in den Krankenhäusern. Inzwischen fehlt es an medizinischem Material, und Geld bringt nichts: „Die Kliniken können nichts kaufen, die Apotheken sind leer“, sagt Dr. Telishevska, die aus Lwiw stammt, aber seit Jahren in Deutschland arbeitet.

Es hat ganz klein angefangen, mit einem Gespräch unter Kollegen: „Vielleicht gibt es etwas, was wir aus unserem Krankenhaus weggeben können?“, das war die Frage, die sich die Mutlanger Ärzte gestellt haben. „Aber schnell war klar: Wir brauchen mehr“, sagt Dr. Lenz. Denn schon nach wenigen Tagen Krieg sei in der Ukraine offensichtlich gewesen, dass es viele Verletzte gibt, so Telishevska.

73 000 Euro wurden gespendet

Mit Hilfe ehemaliger Kollegen aus ihrer Zeit am Herzzentrum München hat Marta Telishevska schon zwei Transporte organisiert, was diese Woche nun von der DRK-Lagerhalle in Großdeinbach aus auf den Weg geschickt wurde, ist eine Nummer größer geworden.

Lenz und Telishevska konnten in Deutschland groß einkaufen, dank vieler Spender aus allen Kliniken der Ostalb sind dafür 73 000 Euro zusammengekommen. Die Hilfsbereitschaft sei riesig gewesen. Ein großes Gemeinschaftswerk: „Jeder, jeder hat etwas gemacht“, sagt die Ärztin. Große und kleine Spenden waren gleichermaßen dabei. „Im Schnitt lag die Spendenhöhe bei über 200 Euro“, sagt Achim Lenz.

30 Paletten mit fast allem, was ein Krankenhaus täglich braucht, sind nun auf dem Weg. „Viele Verbrauchsmaterialien sind dabei, Schmerzmittel, Antibiotika, Infusionspumpen, auch Orthopädie-Hilfsmittel haben wir besorgt“, sagt Lenz. Einige private Sachspenden habe man noch dazu gepackt. „Wir haben Pflegematerial von Menschen bekommen, die sie von der Pflege zuhause noch hatten, da waren hochwertige Sachen dabei.“

Mit der Bitte ums Verschweigen

Die beiden Kliniken, die nun beliefert werden, sind durch persönliche Vermittlung ausgewählt worden: Ein Teil geht an ein Krankenhaus, in dem Marta Telishevska viele Ärzte kennt. Die zweite Lieferung hat Andrii Krasovskyi organisiert, der in Mutlangen als Assistenzarzt in der Gynäkologie arbeitet. Krasovskyi bittet darum, die Namen und Orte der Krankenhäuser nicht zu schreiben – aus Angst vor Raketenbeschuss. „Den dortigen Ärzten ist es aus Sicherheitsgründen wichtig, dass ihre Kliniken nirgends öffentlich genannt werden.“

„Wir wollen weiter machen“

Mit dem jetzt auf den Weg gebrachten Transport soll die Aktion nicht vorüber sein. „Wir wollen weiter machen“, sagt Achim Lenz. „Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es immerhin ein Tropfen.“ Andrii Krasovskyi sagt es so: „Wenn es von überall her solch Transporte gibt, dann ist das schon eine große Hilfe.“ Bernd Müller

Medizin für die Ukraine: das Konto für Spenden

Die Initiative „Medizinische Hilfe für die Ukraine“hat dieses Spendenkonto: DRK Schwäbisch Gmünd, Stichwort „Ukraine-Hilfe“, IBAN DE 74 6149 0150 1023 2220 00 bei der Volksbank Ostalb.

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