Unermüdlich engagiert für Bedürftige in Armenien

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Karl-Heinz Scheide in der Suppenküche in Armenien.
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Pfarrer Karl-Heinz Scheide feiert an diesem Montag seinen 85. Geburtstag.

Schwäbisch Gmünd. Es ist ein wenig ruhiger um ihn geworden. Das liegt aber nicht daran, dass Karl-Heinz Scheide weniger umtriebig ist. Erst dieser Tage hat der Pfarrer einen Mannschaftstransportwagen der Gmünder Feuerwehr mit Mänteln, Anzügen und sonstigen Kleidern bepackt und auf den Weg übers Schwarze Meer nach Armenien gebracht. Die Ruhe liegt vielmehr daran, dass die Corona-Pandemie auch den Gmünder Pfarrer und sein Engagement für Armenien ausgebremst hat. An diesem Montag feiert Karl-Heinz Scheide seinen 85. Geburtstag.

Er wird an diesem Tag nicht nur Glückwünsche aus Gmünd erhalten. Sondern auch aus Thüringen. Und aus Armenien. Viele Thüringer schätzen den Pfarrer für sein Engagement beim Wiederaufbau mehrerer Kirchen in den Jahren nach der Wende, viele Armenier für seine unermüdliche Unterstützung armer und alter Menschen. Der Pfarrer ist der Motor der „Küche der Barmherzigkeit“. Seit 19 Jahren reist Scheide in Nicht-Corona-Zeiten, heute mit seiner zweiten Frau Stella, zweimal, dreimal, viermal im Jahr in das Land zwischen der Türkei und Aserbaidschan, zwischen Georgien und dem Iran. Er hat dabei viel Leid gesehen. Und er hat es geschafft, ein bisschen davon zu lindern. Die Armenienhilfe ist ihm ans Herz gewachsen, weil er damit tut, was ureigenste Aufgabe eines Pfarrers ist: Menschen, die in Not sind, zu helfen. Sein Freund und Kollege Alfons Wenger, der frühere Münsterpfarrer, steht dabei seit 19 Jahren in ökumenischer Verbundenheit an seiner Seite. Doch schon bevor er im Jahr 2002 die Armenienhilfe übernommen hat, waren Scheides Leistungen besondere. Die Degenfelder schätzen ihn, weil der gebürtige Osnabrücker die Reromanisierung ihrer evangelischen Dorfkirche angestoßen hat. Scheide ging, nach dem Fall der Mauer, mit seiner ersten Frau Karla nach Thüringen. Mehrere Kirchen hat er dort saniert, damals schon mit Hilfe vieler Spenden aus Schwäbisch Gmünd. In Thüringen ging er in den Ruhestand, um weiter zu arbeiten.

Im Jahr 2000 kehrte Scheide nach Gmünd zurück. Knapp zwei Jahre später stand der Pfarrer erneut in der Pflicht. Er hatte dem Gründer der „Küche der Barmherzigkeit“, Gerhard Maier, versprochen, sein Werk nach dessen Tod fortzusetzen. Scheide tat dies. Er gründete einen Freundeskreis „Küche der Barmherzigkeit“. Er gewann Menschen für sein Anliegen. Sie spendeten. Kleinere und größere Beträge, insgesamt in diesen 19 Jahren mehr als drei Millionen Euro. Sie strickten. Warme Pullis gegen kalte armenische Winter. Gebrauchte Autos, auch von Gmünds Feuerwehr, fuhr Scheide selbst nach Armenien. Durch Bulgarien übers Schwarze Meer durch Georgien.

Bei seinen Besuchen der Menschen in Armenien geht es nicht nur um Tee, Brot und heiße Suppe. Es geht um Geschichten. Lebensgeschichten. Die alter und bedürftiger Menschen. Sie erzählen. Er hört ihnen zu. Tröstet sie. Und er macht den Kindern und Jugendlichen Mut.

Irgendwann wird Karl-Heinz Scheide diese Arbeit nicht mehr machen. Deshalb bewegt ihn die Frage, wie die Hilfe aus Deutschland mehr zur Selbsthilfe werden kann. Um weiterhin der Not zu begegnen, die sich wie ein roter Faden vom Norden in den Süden dieses trotz seiner Kargheit faszinierenden Landes zieht. Was dem Gmünder Pfarrer dabei Hoffnung macht: die samtene Revolution im Jahr 2018, die die Korruption in Armenien überwinden und die Demokratie befördern soll. Der sechswöchige Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan im Herbst jedoch erschwert diesen Weg des Landes im Südkaukasus, dem Scheide immer verbunden bleiben wird. Michael Länge

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