Versöhnen und Zuflucht bieten

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Bund der Vertriebenen (BdV) trifft sich unter dem Motto: „Vertreibungen und Deportation ächten - Völkerverständigung fördern“. Ziel: Das historische Gedächtnis wieder beleben.

Schwäbisch Gmünd

Es geht um Solidarität mit allen, die auf der Suche nach Schutz sind. Sie sollen Zuflucht in Schwäbisch Gmünd finden, warb Bürgermeister Christian Baron beim „Tag der Heimat“. Völkerverständigung sei das Motto, „Vertreibung muss aufhören“, forderte er, dass hier keine Abstriche gemacht werden dürften.

Der Bürgermeister traf damit den Nerv der Teilnehmer aus den Reihen des Bundes der Vertriebenen, Vereinigte Landsmannschaften im Kreisverband Schwäbisch Gmünd. Mit Blick auf die geringe Zahl der 16 Gäste machte Christian Baron aber deutlich: „Machen wir uns nichts vor, das waren schon mehr.“ Und schob relativierend nach: „Qualität statt Quantität. Sie haben noch den eigenen Bezug zu diesem Thema.“

Politisch warf der Bürgermeister dann den Blick nach Afghanistan und stellte fest, dass es sehr viel Ungewissheit gebe. Viele seien auf der Flucht. Dort sei Vertreibung und Flucht aktuell präsent. Gleichzeitig nannte Baron die Bundestagswahlen am Sonntag ein „Fest der Demokratie“ und die „größte Sicherheit gegen Flucht und Vertreibung“. In Deutschland lebe man nun seit über 70 Jahren in einer funktionierenden Demokratie. Und der BdV sei eine Errungenschaft des Grundgesetzes, verteidige die Grundrechte.

Was auch das diesjährige Motto zeige: „Vertreibung und Deportation ächten – Völkerverständigung fördern“. Der Begriff „Heimat“ habe wieder Konjunktur. Es gebe nun sogar ein Ministerium für Heimat. Heimat sei ein wichtiges Gut und habe mit Herz und Identität zu tun.

Christian Baron kennt die Geschichte: sein Vater stamme aus Bessarabien. Und habe zwischen 1940 und 1945 miterlebt, wie man als „Siedlungsmasse hin und hergeschoben worden sei“. Für ihn, Christian Baron, sei dies nicht mehr vorstellbar. 1980 geboren, habe er das nicht selbst erlebt. Im Gegensatz zu den Mitgliedern des BdVs. „Sie haben Gmünd in den 70 Jahren aufgebaut und die Grundrechte verteidigt“, dankte er. „Sie sind ein Teil des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufbaus Gmünd nach dem zweiten Weltkrieg. Und untrennbar mit der Gmünder Geschichte verbunden.“ Der BdV sei solidarisch mit allen, die auf der Suche nach Schutz sind.

Im Namen des Landrats dankte Kreisarchivar Uwe Grupp den Mitglieder des Bundes der Vertriebenen dafür, dass sie „seit vielen Jahrzehnten die Kultur und Tradition sowie das friedliche Leben“ in Deutschland mitgestalten. Die Charta vor 70 Jahren sei das wesentliche Fundament für eine friedliche Gesellschaft. „Nicht Vergeltung, sondern Versöhnung als Vorbild.“

Die Vertriebenen hätten sich auch in der Region vielfältig eingebracht und den Geist an die junge Generation weitergegeben: „Lernen, Zukunft zu gestalten.“ Seit über 70 Jahren habe man Völkerverständigung gelebt. „Ein unschätzbares Engagement“, dankte er.

Der Tag der Heimat gab viel Gelegenheit im Saal des Seniorenheims St. Anna in Schwäbisch Gmünd, Erfahrungen und Erinnerungen auszutauschen. Vorsitzende Christine Effert wartete zudem mit einem Referat zum Thema „Vertreibung und Deportationen ächten – Völkerverständigung fördern“, auf. Wobei sie verdeutlichte, dass „der lähmende Stillstand des gesellschaftlichen Lebens über ein ganzes Jahr durch Corona auch unserem grenzüberschreitenden Wirken massiv geschadet hat“. Jetzt könne und müsse man die Arbeit wieder aufnehmen, weil sie sowohl für Betroffene und ihre Nachkommen als auch für das historische Gedächtnis des Landes „enorm wichtig ist“, machte sie deutlich.

Der „Tag der Heimat“ wurde neben vielen Gesprächen auch mit gemeinsamem Gesang und Musik von Ingeborg Havran am Cello und Heidrun Havran am Klavier umrahmt. Zudem wartete Gerda Austel mit einer Lesung und Margit May mit einem Gedicht auf.

Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel

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