VGW drückt Pause-Taste: ein Drittel der Projekte zurückgestellt

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Ist begonnen und wird laut VGW-Chef Celestino Piazza durchgezogen: das VGW-Projekt mit 42 Wohneinheiten auf dem Sonnenhügel. Foto: Tom
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 „So können wir unser Risiko minimieren“: Die Gmünder Wohnungsbaugesellschaft hat einen Teil ihrer Bauvorhaben zurückgestellt.

Schwäbisch Gmünd. Wegen fehlender Kunden musste sich VGW-Chef Celestino Piazza bis vor kurzem gar keine Sorgen machen: „Eine Wohnung war einen Tag auf dem Markt, dann war sie weg“, erzählt der Chef der VGW (Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft).

Jetzt merkt er, wie Käufer und Mieter angesichts von Inflation und Energiepreissteigerungen zurückhaltender werden. Piazza nennt ein Beispiel: „Bei Mietwohnungen, die zwischen 1000 und 1500 Euro Monatsmiete kosten, dauert es inzwischen deutlich länger, bis die vermietet sind.“ Einige wenige Kunden seien auch schon von Kaufverträgen zurückgetreten, erzählt er weiter. Eine große Rolle für die Abkühlung am Immobilienmarkt spielen seiner Ansicht nach die gestiegenen Zinsen: „Die haben sich vervierfacht – wo man vor kurzem 0,9 Prozent bezahlt hat, sind es nun 3,6 oder 3,8.“ Es sei aber nur ein Grund für die nachlassende Nachfrage: „Beim Bau laufen alle Probleme zusammen: steigende Zinsen, teure Rohstoffe, Produktionsprobleme und Verknappung und teure Energie.“

Die VGW hat sich darum eine Strategie der Vorsicht verordnet. „Die VGW bewegt sich, wir haben keinen Stillstand, aber es gibt einige zurückgestellte Vorhaben“, sagt Piazza. Für rund ein Drittel der Projekte hat die VGW die Pause-Taste gedrückt. „Das betrifft ein Volumen von 70 Millionen Euro und rund 200 Wohneinheiten“, so Piazza. 

Die zurückgestellten Projekte: Gleich drei Sanierungsprojekte in der Innenstadt gehören dazu: die derzeit leer stehenden Gasthäuser „Schwanen“ und „Kronprinzen“ sowie das Gebäude im Freudental 8, in dem das Café „La Scala“ ist. „Im Sanierungsbereich braucht man viel Materialeinsatz und Manpower“, sagt Piazza. Es sind aber auch geplante Neubauten betroffen: ein Projekt mit 73 Wohneinheiten in der Bettringer Güglingstraße, geplante Reihenhäuser in Wustenriet auf dem Gelände des Café Waibel und zwei Gebäude in Großdeinbach im Holder. „So können wir unser Risiko minimieren“, sagt Piazza zur Begründung. Er geht davon aus, dass die Lage schwierig bleibt. „Ich vermute, dass uns das aktuelle Szenario 2023 und 2024 begleiten wird.“ Vielleicht noch schlimmer wird: „Ich halte es für denkbar, dass auch Firmen trotz voller Auftragsbücher insolvent werden.“

Die laufenden Bauvorhaben: Einen Baustopp gibt es keinen bei der VGW, versichert Piazza. Alle laufenden Bauvorhaben gingen weiter. Volumen: 123 Wohneinheiten, rund 45 Millionen Euro. Dazu gehört das Bauprojekt am Sonnenhügel auf dem Hardt gegenüber dem Landratsamt sowie Häuser in der Lindacher Osterlängstraße, den Käppelesäckern in Straßdorf und der Oberen Halde am Rehnenhof. „Das ist gesetzt und wird durchgezogen“, sagt der VGW-Geschäftsführer. 

Projekte in der Startphase: Durchziehen, das gilt laut Celestino Piazza auch für „Projekte in den Startlöchern.“ Dazu zählen eine Reihe von geplanten Bauten, die der VGW-Chef als wichtige soziale Projekte für die Stadt einstuft: die Gamundia-Häuser in den Kiesäckern, die günstigen Wohnraum für Mieter bieten sollen, ein Bau unter anderem für eine Tagespflege in den Bettringer Riedäckern, das Dienstleistungszentrum im Laichle, der Jugendtreff und Kindergarten auf dem Hardt sowie der Kindergarten Kunterbunt in der Oststadt. „Das Problem Kindergartenplätze brennt auf den Nägeln. Es ist mit dem OB abgesprochen, dass wir das wagen.“ Starten soll auch ein geplantes VGW-Bauprojekt im Zeppelinweg mit 23 Wohnungen für eher wohlhabende Käufer. In diesem „hochpreisigen Bereich“, wie es Piazza nennt, sind Interessenten aus seiner Sicht eher in der Lage, Preissteigerungen zu verkraften. Auch solche Projekte müsse man bauen, findet der VGW-Chef: „Wir wollen bei der VGW alle Bevölkerungsschichten bedienen, deshalb braucht es auch Wohnraum für Führungskräfte, die wir in Gmünd haben wollen.“

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