Viel zu forschen in Gmünd

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Im Archiv der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd sind noch große Bestände aufzuarbeiten - viel Arbeit für den neuen Archivar.
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Der neue Gmünder Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen wird sein Amt im Sommer antreten. Er möchte das Archiv weiter öffnen.

Schwäbisch Gmünd

Dr. Niklas Konzen, der künftige Stadtarchivar von Schwäbisch Gmünd, hat einen alten Bekannten in der Stadt, einen sehr alten Bekannten: Hans von Rechberg. Der Adlige, dessen Hauptbeschäftigung es war, Fehden zu führen, lebte etwa von 1410 bis 1464. Er stammte zwar vom Rechberg, baute sich jedoch eine Burg im Schwarzwaldort Schramberg. So schließt sich der Kreis, denn in Schramberg wuchs der geschichtsinteressierte Niklas Konzen auf. Und der Erbauer der Burg am Ort seiner Jugend wurde Thema seiner Doktorarbeit.

Der 43-Jährige, der vor kurzem vom Gemeinderat zum neuen Leiter des Gmünder Stadtarchivs gewählt wurde, hat also einen Draht zu Gmünd. Wann er seine neue Stelle antreten wird - Anfang August oder Anfang September - entscheide sich in diesen Tagen, sagt Niklas Konzen im Gespräch mit der Gmünder Tagespost. Derzeit ist er als Dozent an der Archivschule Marburg in der Ausbildung von Archivarinnen und Archivaren tätig, dort laufen momentan die Abschlussarbeiten.

Konzen hat Geschichte, Anglistik und Politikwissenschaft an der Universität Tübingen studiert. Dort und an der Uni Stuttgart war er als Dozent tätig, außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Erschließungsprojekt am Landesmuseum Württemberg/Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Danach betreute er das Archiv des Waiblinger Unternehmens Stihl. Seit 2016 ist er in Marburg .

Vieles noch unerschlossen

Und nun kommt das Gmünder Stadtarchiv als nächste Station. Hier ist er überzeugt, seine inhaltlichen Schwerpunkte sehr gut einbringen zu können: die südwestdeutsche Landesgeschichte, die Reichsstädte, zu denen schließlich auch Gmünd gehörte, die Bünde der Städte, ihre Verflechtungen und Konfrontationen. Auch das führt wieder zu Hans von Rechberg, denn er habe sich in seiner Zeit immer wieder mit den Reichsstädten angelegt. Durch seine vielfältigen Kontakte zu Adligen damals sei Rechberg überregional handlungsfähig gewesen, vom Bodensee bis Franken.

Aber ist die Gmünder Stadtgeschichte nicht im Wesentlichen erkundet? In seinem neuen Arbeitsgebiet sieht Niklas Konzen noch viel zu entdecken. Große archivierte Bestände seien noch nicht erschlossen und auch bekannten Quellen könne man sich mit neuen Fragestellungen nähern. Konzen weiß, wovon er redet: Er hat sich das Archiv bereits von seinem Amtsvorgänger David Schnur zeigen lassen. Seine Schätzung: Der größere Teil der Bestände ist noch nicht erschlossen. Zudem sei das Gmünder Archiv nicht der einzige Ort, an dem Neues über die Vergangenheit der Stadt zu erfahren sein könnte. Beispielsweise sei die Reichsstadt Mitglied des Städtebundes gewesen und habe Gesandte zu den regelmäßigen Treffen des Bundes in Ulm entsandt. Über diese Treffen seien Protokolle gefertigt worden. Und aus diesen lassen sich vielleicht noch Wissenslücken in der Gmünder Geschichte schließen, glaubt Konzen.

Allerdings ist der neue Archivar skeptisch, dass Neues zu einem der wichtigsten Punkte der Gmünder Stadtgeschichte ans Licht kommt: zu den Staufern und der Stadtgründung. Die spielte sich um 1162 ab, und aus der Zeit gibt es wesentlich weniger schriftliche Quellen als aus dem späten Mittelalter. „Wenn da was wäre, hätte das schon jemand gefunden“, meint er. Neues über die Ursprünge der Stadt sei allenfalls noch durch archäologische Funde zu ermitteln. Doch auch etwas nicht zu wissen, hat für den Historiker seinen Reiz: „Schön, dass es noch Geheimnisse gibt.“

Bedeutung vermitteln

Niklas Konzen möchte sich nicht nur in die Quellenforschung stürzen. Es gelte auch, den Menschen die Bedeutung von Archiven zu vermitteln. So möchte er den Bereich weiterführen, den schon sein Vorgänger bearbeitet hat: die Archivpädagogik. Es wolle Schüler und Studenten ins Archiv einführen, mit ihnen zum Beispiel spezielle Themen erarbeiten. Er habe dafür bereits Kontakt mit der Pädagogischen Hochschule aufgenommen.

Als eine seiner ersten Aufgaben hat sich Niklas Konzen bereits die weitere Digitalisierung des Stadtarchivs vorgenommen. Die Findemittel sollen online recherchierbar gestellt werden. Daneben aber werde es weiterhin den Lesesaal des Archivs geben. Konzen ist überzeugt, dass auch künftig viele Leute dorthin kommen werden, um der Stadtgeschichte nachzuspüren.

„Aller Welt Feind“ ist der Titel von Niklas Konzens Doktorarbeit. Und der Untertitel: Fehdenetzwerke um Hans von Rechberg (gestorben 1464) im Kontext der südwestdeutschen Territorienbildung. Es geht um Hans von Rechberg, der fast sein ganzes Leben Fehden und Kriege führte. In einem Netzwerk von Adligen agierte er gegen die Fürsten und die aufstrebenden Städte.

Schön, dass es noch

Dr. Niklas Konzen,, Gmünder Stadtarchivar
Im Archiv der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd sind noch große Bestände aufzuarbeiten - viel Arbeit für den neuen Archivar.

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