Von herausfordernden Zeiten und Friedenspädagogik

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Dekanin Ursula Richter eröffnet die Bezirkssynode.
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Wie die Kirche bei der Versorgung von ukrainischen Flüchtlingen helfen kann, ist Thema der Bezirkssynode.

Schwäbisch Gmünd/Waldhausen. „Es ist Krieg in Europa. Wer kann das fassen?“, begrüßte Dekanin Ursula Richter 46 Synodale zur Bezirkssynode in der Remstalhalle in Lorch-Waldhausen. „Menschen in Bunkern. Auf der Flucht. Städte in Trümmern. Verstummte Kinder. Zivile Opfer.“ Was niemand sich vorstellen konnte, geschehe. Niemand könne ermessen, was Putins Krieg gegen die Demokratie für die Zukunft bedeute, fuhr sie fort und sprach von herausfordernden Zeiten.

Menschlichkeit gehe nun vor Bürokratie, wenn Flüchtlinge im Landkreis eintreffen. „Stadt und Landkreis zählen auf uns“, berichtete sie von ersten Gesprächen. Die Geflohenen unterzubringen und deren Kinder in Kitas aufzunehmen, erfordere nun eine große Gemeinschaftsleistung und die Bereitschaft zu Abstrichen. Fürs Erste seien Spielgruppen in Gemeindehäusern geplant, die mit Spielsachen versorgt werden müssen; angedacht seien pädagogische Fachkräfte aus der Ukraine. Auch bei der Suche nach geeignetem Wohnraum zähle man auf die Gemeinden.

Richter hatte bei ihrer Begrüßung auch die Pandemie und die personelle Situation im Kirchenbezirk im Blick. Starke Jahrgänge gehen in nächster Zeit in Ruhestand, Pfarrerin Eleonore Härter etwa, die seit drei Jahren erste Dekanatsstellvertreterin ist, wird am 27. März in der Lindacher Kirche in den Ruhestand verabschiedet. Die Pfarrstelle sei bereits einmal ausgeschriebengewesen, doch bislang habe sich niemand beworben. „Wir hoffen weiter.“

Überhaupt sei bemerkbar, dass Pfarrstellen nicht mehr so leicht zu besetzen seien. Umso erfreulicher seien bewegliche Pfarrstellen – 2021 konnte eine mit Pfarrerin Friederike Fritz besetzt werden. „Ohne sie wären wir aufgeschmissen bei den Vakaturen.“  

Richter begrüßte namentlich die Vikarinnen und Vikare, die seit Herbst 2021 im Kirchenbezirk tätig sind: Michael Carneiro de Campos, Stefanie Engelmann, Hannah und Lukas Gansky sowie Maik Schwarz. „Vielleicht werden Sie ja unter der jüngeren Generation einmal weitertragen, dass es auch außerhalb Stuttgarts schön ist!“

Besorgt zeigte sich Richter, dass sich noch niemand auf die Stelle des Kirchenpflegers beworben hat. Ein Vakaturplan sei zwar erstellt, dennoch belaste die Situation. Kirchenbezirksrechner Eberhard Schmid geht Anfang Mai in Ruhestand. Verabschiedet werde er am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, in der Augustinuskirche. „Wir erlebten ihn als verantwortungsvollen Menschen, Rechner und Ermöglicher. Dafür Danke!“ Im Ruhestand werde Schmid zum Glück noch die Sanierung des „Neuen Augustinus“ begleiten.

Eine weitere Personalie betrifft die neue Kita-Trägerstruktur des Kirchenbezirks: Annika Bauer ist ab April Geschäftsführerin. Sie bleibe ständige Vertretung des Kirchenpflegers und des Kirchenbezirksrechners.

Es folgte ein ausführlicher Bericht des Schuldekans Dr. Harry Jungbauer, der seine Ausführungen unter die Friedensstrophe Martin Luthers stellte: „Verleih uns Frieden gnädiglich“. Er stellte aus aktuellem Anlass einen Inhalt des evangelischen Religionsunterrichts in den Vordergrund: die Friedenspädagogik. Sie dürfe aber keinem weltfremden Pazifismus huldigen, führte er aus, sondern müsse auch die Möglichkeit erschließen, sich zu wehren, bei alledem aber konsequent dazu erziehen, „Konflikte wo möglich zu vermeiden, sie friedlich zu lösen und sich produktiv für ein gelingendes Miteinander einzusetzen“.

Jungbauer sprach mit dem Klimawandel ein weiteres Krisenthema unserer Zeit an und verwies auf die Erwachsenenbildung Ostalb. Der neue Geschäftsführer, Marc Schnabel, seit August 2021 im Amt, berichtete über die aktuellen Aktionen wie Klimafasten oder Faire Gemeinde, mit denen man auch kirchenferne Zielgruppen erreichen wolle. Mit anderen Angeboten wie Webseitengestalten oder digitale Gottesdienste hat die EEB auch die Gemeinden als Zielgruppen.

Pfarrerin Eleonore Härter berichtete im Anschluss über die Telefonseelsorge, die in Pandemiezeiten mehr als sonst gefragt war. Der Kirchenbezirk unterstützt auch 2022 das ökumenische Angebot mit 10 000 Euro, wobei 9700 Euro Zuweisungen von der Landeskirche sind. Mittlerweile laufe beidem anonymen und kostenlosen Angebot rund um die Uhr viel über Mail und Chat, so Härter. Zahlenmäßig nehmen die 20- bis 29-Jähringen am häufigsten Kontakt auf mit den 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern in Ulm.  ⋌ Birgit Markert

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