Von Ohmenheim bis nach Santiago

  • Weitere
    schließen
+
Hans Joas bei einer Rast, kurz vor dem Ziel gut gelaunt.

Hans Joas hat auf dem Jakobsweg über 2000 Kilometer zurückgelegt. Warum er ein Stück weit das Flugzeug nahm und welche Schwierigkeiten er sonst gemeistert hat.

Neresheim-Ohmenheim

Ich schwebe noch immer irgendwo zwischen Santiago und Ohmenheim", sind Hans Joas' erste Worte. Seit zwei Tagen ist er wieder zuhause. Viel hat er erlebt auf seinem Marsch, den man in etwa mit der Entfernung Ohmenheim-Rügen und zurück vergleichen kann. Eine gewaltige Strecke. "Ich kam physisch und psychisch in obere Bereiche. Aber aufgeben stand nie zur Debatte", freut er sich über seine Leistung.

Hans Joas wohnt im Neresheimer Stadtteil Ohmenheim, ist aber auch sehr vielen Gmündern bekannt. 32 Jahre lang war er Geschäftsführer der Malteser-Dienststelle in Gmünd. Er habe sie in dieser Zeit ausgebaut, neue Dienste initiiert und Impulse für den ganzen Bezirk eingebracht, wurde ihm bescheinigt, als er 2015 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Seine Pilgerwanderung startete an einem verregneten Montagmorgen über Ulm und Bodensee Richtung Genf. "In der Schweiz kam mit Änderung der Sprache dann das echte Pilgerfeeling auf", beschreibt Joas. Pässe bis 1500 Meter warteten dann. Meist war es sehr heiß. Noch etwas war anders und sehr erschwerend: "Die Schweiz ist kein Pilgerland. Oft waren auch die Markierungen nicht zu finden", lacht Joas und blickt auf eine der vielen Szenen zurück, die sich ihm so tief eingeprägt haben: "Da stand ich ganz oben auf einem Berg und blickte ins Tal. Keine Markierung weit und breit. Dann bin ich instinktiv innen an einem Gatter entlang gelaufen und habe dann nach gut einem Kilometer einen Birnbaum gesehen, an dem das Zeichen hing. Wieder auf dem richtigen Weg zu sein war ein echtes, tiefes Glücksgefühl."

Noch andere Probleme waren allgegenwärtig und beschäftigten Joas praktisch jeden Tag: "Wegen Corona waren die meisten Unterkünfte geschlossen", blickt er zurück und hat deshalb die Endpunkte jeder Tagesetappe in eine größere Ortschaft gelegt, um einfacher Unterkunft zu finden. "Rund 40 Kilometer waren die Tagesstrecken. Ruhetage gab es nur wenige und ab Frankreich wurden dann die Wege hundsmiserabel und die Etappen oft sehr einsam", erzählt Joas weiter.

Ein echtes, tiefes Glücksgefühl.

Hans Joas, Pilger

Im malerischen Saint-Jean-Pied-de-Port direkt an der spanischen Grenze führen die Jakobswege zusammen und eine Reisewarnung für Katalonien zwang Joas hier zum Umdenken. Deshalb nahm er den Zug nach Biarritz, flog weiter nach Porto und wanderte auf dem Pilgerpfad nach Norden. "Da zog Santiago schon ganz gewaltig und ich wollte einfach nur noch hin", blickte Joas auf die letzten Tage zurück.

Dann war es soweit: die letzten Meter durch die Stadt. Dann der große Platz vor der Kathedrale. "Dann war ich da und es war einfach nur schön. Erst war ich ganz ruhig, habe die Menschen beobachtet und mich gefreut. Doch abends im Hotelzimmer habe ich Rotz und Wasser geheult. Da ist dann die ganze Anspannung der letzten Wochen von mir abgefallen", erzählt Joas vom Schluss seiner Wanderung. Ein paar Tage Erholung und Sightseeing. Dann ging es zurück.

"Ich bin stolz, dass ich das konditionell und vom Kopf her geschafft habe und ich bin viel gelassener geworden", sagt der 69-Jährige noch und man merkt, wie viel Konzentration, Disziplin und Kraft er in die Reise gesteckt hat. Aber jetzt ist ja Zeit genug zum Erholen und Ankommen.

-
Imposante Bilder boten sich Hans Joas immer wieder auf seiner Wanderschaft. Hier ein Blick ins Rhonetal bei Chanaz in Frankreich.

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL