Von staufisch bis katholisch-barock

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Im Gewand des mittelalterlichen Bürgers hat Walter Schaaf viel Wissenwertes für die Besucher parat.
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Gästeführer Walter Schaaf taucht tief in die Geschichte Gmünds ein und erklärt, was die Marienfigur auf dem Marktplatz mit dem Wohl der Stadt zu tun hat.

Schwäbisch Gmünd

Älteste Stauferstadt“ darf sich Schwäbisch Gmünd nennen, weil Gamundia ab 1162 als Stadt nachweisbar ist – so früh wie kein anderer Ort. Dass dies ein Label mit Inhalt und vielen baulichen Relikten ist, zeigt Walter Schaaf bei einer Führung am Samstagnachmittag. Der Titel „Vom Herrenhof zur Reichsstadt“ verspricht nicht zu viel, denn er bettet die staufische Zeit kenntnisreich in die Vor- und Nachgeschichte ein.

Für Karin und Balázs Bonnyai aus Margetshöchheim bei Würzburg war die Führung eine exklusive Sache, da sich – der Zufall wollte es – nur die beiden im Spitalinnenhof einfanden. Das Ehepaar war zu einem Kongress auf dem Schönblick und besichtigte auch die Stauferstadt, zumal jetzt wieder die historischen Führungen starteten – historisch war das, was Walter Schaaf bot, in zweierlei Hinsicht: Er entführte nicht nur in die Geschichte, sondern gab mit Gewand, Umhang und Schnabelschuhen auch selbst das Bild eines mittelalterlichen Bürgers ab.

Gute Lage an der Handelsstraße

Der Gästeführer tauchte zunächst in die Zeit der Stadtgründung ein, für die ausschlaggebend war, dass Gmünd an der alten Handelsstraße von Bad Cannstatt nach Nürnberg lag. Doch auch schon in römischer Zeit habe sich hier Leben abgespielt, wie die beiden großen Kastelle und das Römerbad beweisen. Auch wenn die Römer 260 wieder von der Bildfläche verschwanden, könne von einer Siedlungskontinuität ausgegangen werden, sagte Schaaf. Es folgten Jahrhunderte, die weitgehend im Dunkeln liegen, bis sich im 11. Jahrhundert die Staufer, die als Riesgrafen wohl aus dem Nördlinger Raum kamen, in der Gegend niederließen.

Über das Kloster Lorch, Grablege der Staufer, und den Hohenstaufen, deren Stammburg, gelangte er zur ältesten Stauferstadt Gmünd, die vermutlich unter Konrad III. in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zum administrativen, kirchlichen und wirtschaftlichen Zentrum ausgebaut wurde. Zur guten Verkehrslage und der Lage als Mündungsort sei vermutlich hinzugekommen, dass sich bereits in vorstaufischer Zeit ein Herrenhof hier befand, worauf auch die bereits bestehenden Kirchen, Vorgängerbauten von Johanniskirche und Münster, hinweisen. „Die Gmünder werden reich durch Zwischenhandel“, fasst Schaaf die Entwicklung zusammen.

Was sich baulich in dieser Zeit tat, war sodann Ziel der Führung: der staufische Straßenmarkt, der sich damals noch weiter Richtung Süden erstreckt hat, das Franziskanerkloster, das um 1225 gegründet wurde, etwas später kommen die Spitalbrüder nach Gmünd, seit 1269 gibt es die heute noch bestehende Spitalstiftung. Weiter geht es zu Grät, in der früher der Schultheiß und später der Bürgermeister residierte. Der Gästeführer erklärt, dass der Schultheiß nicht Vertreter der Bürgerschaft, sondern des Kaisers gewesen sei, und kommt so zur nachstaufischen Zeit, in der Gmünd als freie Reichsstadt nur dem Kaiser unterstand.

Der Weg ist gesäumt von staufischen Buckelquadern, etwa am Schwörhaus und der Grät. Auf dem Johannisplatz empfiehlt Walter Schaaf einen Abstecher zur Stauferstele, an der wichtige Daten abgelesen werden können. Längeres Verweilen ist an der Johanniskirche angesagt, ein romanischer Bau, der später gotisiert, dann wieder romanisiert wurde, und im Münster, wo die Besucher aus dem Würzburger Raum angesichts des reichen Sternengewölbes ins Schwärmen kommen. Als Pietisten ist ihnen das katholisch-barocke Gmünd zwar etwas fremd, doch für seine Schönheit sind sie empfänglich. Und für die Botschaft der doppelgesichtigen Maria am Marienbrunnen, das sie auf der einen Seite betend mit Jesuskind zeigt, auf der anderen als Unbefleckte, den Blick zu Rathaus und Spital gerichtet: „In der Mutter Gottes vereint sich das Spital mit seinen Werken der Barmherzigkeit mit der weltlichen Macht des Rathauses zum Wohle der Stadt“, führt der Gästeführer aus. 

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