Warten auf Schnäpper und Kauz

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Warum der Landschaftserhaltungsverband eine Hangwiese bei Waldhausen "übernommen" hat und warum der Naturschutzbund Lorch auf dem Areal nun 50 Nistkästen gehängt hat

Lorch-Waldhausen

Simon Bischoff steigt auf die Leiter, die an einem hohen Baum lehnt. Oben dreht er sich um und streckt die Hand nach unten. Von dort reicht ihm Rainer Graf einen hölzernen Kasten. Sorgfältig hängt Bischoff diesen an einen stabilen Ast. "Dieser Nistkasten eignet sich gut für Meisen", erklärt Gerhard Bürkle, der die Szene beobachtet hat, "aber auch Star und Halsbandschnäpper fühlen sich darin wohl." Bürkle, Bischoff und Graf sind Mitglieder des Naturschutzbundes (NABU) Lorch. Am Samstagvormittag haben sie 50 Nistkästen ins Gewann Bulz über dem Kirnbach bei Waldhausen gehängt.

Der LEV legte die Basis

Bis vor rund zehn Jahren sei die Jugend des NABU Lorchs in diesem Gebiet sehr aktiv gewesen, erzählt Vorstand Bürkle. Konkret geht es um ein etwa 4,5 Hektar großes Streuobstwiesen-Gebiet, das ursprünglich in viele schmale, lange Parzellen aufgeteilt war. Bürkle klappt einen Plan auf und zeigt eine Übersicht. "Mit den Jahren sind die Pächter gestorben oder weggezogen und die Landschaft ist zugewachsen."

Im vergangenen Jahr nahm die Stadt viele Pachten zurück und übergab das Gebiet an den Landschaftserhaltungsverband (LEV). Dieser entfernte wuchernde Brombeerhecken und schnitt Bäume und Sträucher zurück. Zurück blieben Wiesen mit Obstbäumen, "eine ideale Fläche für Vögel und Insekten", sagt Bürkle.

Leider gebe es immer weniger solcher Flächen, weswegen der Naturschutzbund versuche, die Tiere beispielsweise mit Nistkästen zu unterstützen. "Letzten Herbst haben wir Kästen für Wasseramseln am Remsufer aufgehängt", erzählt Rainer Graf. Über 70 Stück säumen den Fluss mittlerweile auf Lorcher Gemarkung. "Damit sind wir führend in der Region", sagt Simon Bischoff. Zusammen mit Graf und Bürkle habe er viele der 50 Kästen fürs Gewann Bulz selbst gebaut oder den Altbestand repariert. Die drei sind aktuell die einzigen NABU-Mitglieder, die Aktionen umsetzen. "Wir würden uns sehr über neue Helfer freuen", sagt Bürkle.

Auf jedem Nistkasten steht übrigens eine Nummer, weil der NABU Buch darüberführt, wo welcher Kasten hängt. "Wir dokumentieren, ob sie bewohnt sind", sagt Bürkle, "und von wem." So wisse man beispielsweise, dass im vergangenen Jahr nicht nur Zaunkönige oder Wiedehopfe in die Kästen gezogen sind, sondern auch Fledermäuse, Spechte und Siebenschläfer. "Das ist prinzipiell auch in Ordnung", sagt Rainer Graf, "wir haben aber doch einige Einfluglöcher mit Metall verstärkt." So können Specht und Siebenschläfer diese nicht vergrößern und einziehen.

Außerdem klebt Graf das Loch bei fünf Kästen mit Klebeband zu. "So halten wie diese Kästen für den Halsbandschnäpper frei." Diese Art kehre erst spät aus der Überwinterung zurück. "Anfang April geben wir diese Kästen dann frei." Die Schnäpper seien eher selten, Graf hofft, dass sie sich hier ansiedeln. "Die Bedingungen sind ideal, ebenso für den Steinkauz." Deshalb platzieren die Männer auch noch einen 80 Zentimeter langen Kasten für die kleine Eule in einem großen Baum. "Beides sind Experimente, mal abwarten, ob jemand einzieht."

Nistkästen aufhängen könne jeder auch im eigenen Garten. Man bekomme sie in allen Größen im Fachhandel oder im Baumarkt. "Der Garten sollte den Vögeln aber auch Nahrung bieten", sagt Bürkle. Also weg von Steingabionen und Kirschlorbeer: "Holunder oder Schlehdorn lassen sich gut als Hecke verwenden."

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