Wegen Zweifeln Freispruch für den Angeklagten

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Das Urteil in Ellwangen ist gefallen.

Die Beweise gegen den wegen versuchter Tötung angeklagten 50-Jährigen reichen nicht aus.

Ellwangen. Mit einem Freispruch endete das zweitägige Verfahren gegen einen 50-Jährigen vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ellwangen wegen gemeinschaftlichem Einbruch mit schwerer Misshandlung, begangen im Januar 2010 in Schwäbisch Gmünd. Das einzige belastende Indiz war eine DNA-Spur des Angeklagten. Dass die jedoch auch tatsächlich von ihm selbst dort hinterlassen worden war, war nach Überzeugung der Kammer um Richter Bernhard Fritsch nicht mit Sicherheit nachzuweisen.

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages wurde ein damaliger Rechtsmediziner des Stauferklinikums gehört. Dort war das heute 77-jährige Opfer eingeliefert worden, nachdem es in seinem Hobbyraum in der Weststadt von vermutlich zwei Tätern überfallen und schwer verletzt worden war. In einer sofortigen Notoperation konnte der Rentner gerettet werden, allerdings mit Einschränkungen, unter denen er bis heute leidet. Der Sachverständige sprach unter anderem von verschiedenen Wunden am Kopf, an den Ohren, am Mund, einer Oberkieferfraktur, einem Nasenbeinbruch, einer Blutung im Schädel. Zudem seien zwei Rippen gebrochen gewesen, wodurch wiederum die Milz gerissen und eine Niere geprellt worden war. Zudem waren zwei Wirbelfortsätze gebrochen. „Es war sprichwörtlich 12 Uhr für den Patienten und äußerst knapp“, sagte der Professor. Durch die Hirnblutung, die zum Glück ohne OP gestoppt werden konnte, ist der Rentner heute halbseitig gelähmt.

Zweiter Sachverständiger war ein Rechtsmediziner der Universität Ulm, der die Beweisstücke vom Tatort untersucht hatte. Unter anderem waren darunter zwei Stücke Panzertape, mit denen das Opfer gefesselt und geknebelt war. Es wurde verschiedene DNA gefunden. Einige der DNA-Spuren konnten 2019 dem Angeklagten U. zugeordnet werden. Dessen DNA war damals wegen einer anderen Tat in die Datei gelangt. Anhaftungen von weiteren unbekannten Personen wurden ebenfalls gefunden.

Auf mehrmaliges Nachfragen des Richters und der beiden Verteidiger konnte der Sachverständige aber nicht sicher sagen, dass nur der Angeklagte die DNA am Tatort hinterlassen haben konnte. Es sei zwar „mit hoher Wahrscheinlichkeit so“, es könnte aber auch sein, dass die Anhaftungen durch eine andere Person, die das Band aus dem gemieteten Auto des U. verwendet habe, übertragen wurden. „Eine hohe Wahrscheinlichkeit kann uns hier nicht ausreichen“, sagte Fritsch. Damit sei das einzige Indiz für die Schuld des Angeklagten nicht zu verwenden.

Auf Freispruch mangels Beweisen plädierte nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme Staatsanwalt Maximilian Adis. Er verwies noch einmal auf „das schreckliche Geschehen“. Der Vertreter der Nebenklage des Opfers G., Rechtsanwalt Marius Kiesel, sagte, sein Mandant leide noch unter dem schrecklichen Geschehen. Sie beide seien überzeugt, „dass U. dabei war“, es sei aber nicht nachzuweisen. Der Verteidiger Dr. Prinz ergänzte, dass die Ermittlungen zu anderen Verdächtigen „wohl nicht voll ausermittelt wurden“.

In seinem Urteil sprach das Gericht den Angeklagten frei. Ein zweifelsfreier Nachweis der Tatbeteiligung sei aufgrund der schwachen Indizien nicht möglich gewesen, sagte Richter Fritsch.

Ein Lachen aller Anwesenden rief Fritschs Seitenhieb an Dr. Stephan Prinz, der aus Gelsenkirchen kommt, hervor: „Demnächst wird in Ihrer Heimatstadt ja auch Zweitligafußball gespielt.“ Jürgen Eschenhorn

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