Guten Morgen

Weil die Leute nicht grüßen

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Jürgen Steck über Egoismen, woran das liegt und den Karle

Dass, zumindest seinem Empfinden nach, immer mehr Menschen nicht mehr blinken, wenn sie aus einem Kreisverkehr herausfahren – und damit anderen, die reinwollen, eine wichtige Information vorenthalten. Dass, ebenfalls seinem Empfinden nach, immer mehr Menschen ihren Müll in die Landschaft pfeffern, ohne sich darum zu kümmern, dass andere das aufräumen müssen. Dass schließlich, zumindest seinem Empfinden nach, immer mehr Menschen nicht gewillt sind, sich an Masken- und Abstandsregeln zu halten. Für den Karle ist klar, was die Ursache dieser im Kern egoistischen Handlungsentscheidungen ist: "Die Leut' grüßed sich nemme", sagt der Karle. Ob "Grüß Gott", "Guten Tag" oder "Merhaba": Wer grüße, der nehme den Anderen wahr. Besonders gefalle ihm, so sagt der Karle, das "Pfiad Di", die bajuwarische Kurzform von "Gott behüte Dich". Sagt der Karle, trinkt aus, und sagt "Pfiad Di" zum Abschied. Er wird sicher blinken, wenn er nachher durch den Kreisverkehr fährt. Vielleicht hat er ja recht, der Karle, zumindest ein bissle. Ich grüße heute jede, jeden und alles. Einen Versuch ist's wert, zumindest.

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