Wenn der DJ seine eigene Hütte abreißen muss

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Computer, Mischpult, Lautsprecher: Das braucht RMJS, bürgerlich Robin Haas, für seine Musikproduktion und Auftritte. Coronabedingt gibt er seine Konzerte zurzeit nur virtuell als Livestream.
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RMJS, bürgerlich Robin Haas, ist leidenschaftlicher DJ. Wie die Coronapandemie seinen bis dato größten Auftritt zunichte machte.

Schwäbisch Gmünd-Lindach

Computer, Lautsprecher, Mischpulte – im Studio von DJ RMJS, der mit bürgerlichem Namen Robin Haas heißt, geht so manchem Musikproduzenten das Herz auf. Doch so gut er auch ausgestattet ist, fehlt ihm einiges: „Die Auftritte, die Leute mitsingen sehen und das Livefeedback des Publikums.“ Stattdessen gibt’s virtuelle Konzerte. Doch trotz allem kann er auch etwas Positives aus dem coronabedingten Lockdown ziehen.

Eigentlich gab es für Robin Haas im März 2020 allen Grund zur Freude. Nach erfolgreichem Absolvieren einer Stuttgarter DJ-Schule stand sein erster Auftritt in einem größeren Club in Stuttgart an. Doch daraus wurde nichts. Denn der Auftritt fiel auf das erste Lockdown-Wochenende. Auch die Unterschrift bei seiner Bookingagentur, deren Tinte gerade so getrocknet war, brachte ihm vorerst nicht mehr viel. „Das hätte mir einige Auftritte verschafft, die nun ins Wasser gefallen sind“, bedauert Haas. Auch ein neues Mischpult hatte er dafür besorgt. „Dann hieß es, jetzt wird für ein paar Wochen geschlossen“, erinnert er sich. „Aus den paar Wochen ist nun leider ein ganzes Jahr geworden.“ Zwischen den Lockdowns habe es einzelne Gelegenheiten zum Auflegen für ihn gegeben. „Die DJ-Party war aber eher nebenher.“ Denn mit fest zugewiesenen Sitzplätzen für die Gäste komme nur schwierig Stimmung auf.

Statt mit seiner Ausrüstung die Clubs und Bars der Region zu beschallen, gab’s Konzerte als Livestreams. Nicht ganz einfach. „Da ist natürlich immer auch die Frage, ob das Internet mitmacht“, erklärt er. Ebenso müssen er und seine Zuhörer versuchen, das „Zu-Hause-Gefühl“ auszublenden. Da er nicht mehr in Präsenz auftreten konnte, befasste er sich stärker damit, wie er mit seiner Musik die Menschen auf Distanz erreicht.

Ebenso konnte er sich stärker seinen Eigenproduktionen widmen. „Die Lieder, die ich jetzt mache, sind um einiges professioneller“, sagt Haas. Songs, die er vor dem Lockdown produziert hatte, habe er nun größtenteils aus seiner Diskografie gelöscht. Die freie Zeit an den Wochenenden, die er durch fehlende Auftritte hat, brauche er auch. „Von der ersten Idee, bis zum fertigen Lied ist es natürlich immer unterschiedlich“, erklärt er. Trotzdem brauche er gerne einmal 50 bis 80 Stunden, bis der Klang so klingt, wie er will. „Es gibt auch Lieder, die wie auf Knopfdruck entstehen.“ Doch „auf Knopfdruck“ heißt für ihn 20 Stunden, mindestens. Schwierig, das mit Studium, Nebenjob und Auftritten zu stemmen. Wiederum andere seiner Lieder habe er überarbeitet. Von Partystimmung hin zu gemütlicheren Klängen. „Denn ich vermute, nach dem Lockdown wird es zuerst in die Bars gehen, als in die Clubs.“

Das Ziel für 2021 ist gesetzt

Als Musikproduzent und DJ fährt Haas zweispurig. Seine Eigenproduktionen seien eine Mischung aus Pop-, Dance- und Housemusik. Auch „Mixedmusic“ hat er in petto. „Da spielt man alle Hits, die es jemals gab, durcheinander“, erklärt er, „dann trifft zum Beispiel ‘Give me everything’ von Pitbull auf ‘Gimme! Gimme! Gimme! von ABBA“.

Professionell produziert er seine Musik seit ungefähr zwei Jahren. Nach einem Auftritt auf einer After-Party des Gmünder Stadtfests wurde er ermutigt, eine professionelle Ausbildung zu anzutreten. Seitdem investiert Robin Haas regelmäßig in neue Ausstattung für Produktion und Auftritte. Mittlerweile veröffentlicht er seine Eigenproduktionen über die Plattform „Spotify“ unter dem Namen RMJS. Trotz Lockdown hat er Pläne für das laufende Jahr. „An ein Label kommen. Das ist das Ziel für 2021.“

Das hätte mir einige Auftritte verschafft, die nun ins Wasser gefallen sind.“

Robin Haas/RMJS,, Musikproduzent und DJ

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