Kommentar: Die Umgestaltung der Schmiedgassen

Wer sich nicht in Gefahr begibt ...

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Zum Gruseln sind sie manchmal, die alten Gmünder Schwarzweiß-Fotos: Autos, die an der Johanniskirche entlangfahren. Der Obere Marktplatz vollgeparkt. Die B29-Betonwüste zwischen Bahnhof und Altstadt. Das war sie, die autogerechte Stadt der 60er- und 70er-Jahre. Noch vor drei Wochen waren die Schmiedgassen im selben Stil, mit 6000 Fahrzeugen pro Tag, davon etwa 1000 Busse.

War das wirklich erhaltenswert?
Wer was ändert, geht ein Risiko ein: Es kann schief gehen, das Neue. Wer nichts ändert, riskiert oft viel mehr. Wer sich nicht in Gefahr begibt, der kommt drin um, hat Wolf Biermann. geschrieben. Der Satz gilt - ein, zwei existenzielle Nummern kleiner - auch für die Stadtplanung.
Es gibt Geschäftsleute in den Schmiedgassen, die machen seit der Umgestaltung weniger Umsatz. Das kann gefährlich werden. Und trotzdem sagt Christoph Morawitz, der HGV-Vorsitzende: „Wir probieren etwas aus, und das tut uns gut.“ Denn er weiß: Zum Ausprobieren gehört auch Geduld. Nicht erwarten, dass alles gleich funktioniert. Alte Gewohnheiten brauchen Zeit, um sich zu ändern. Zum Ausprobieren gehört auch zuhören, Kritik sammeln, nachjustieren. Dass in Gmünd „Vorschläge von engagierten Bewohnern (...) im Papierkorb der Verwaltung“ landen, wie es diese Woche drei Bürgerinitiativen formuliert haben, dieser Vorwurf greift bei den Schmiedgassen ins Leere. Es gab Bürgertreffen, zu denen jeder kommen konnte. Und die „Brezelparkplätze“ zum Einkaufen, die es nun geben wird, sind nicht im stillen Kämmerchen beschlossen worden - sondern als Idee im Gespräch mit Anwohnern mitten in der Vorderen Schmiedgasse. Bernd Müller

Rubriklistenbild: © HOJ

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