Im Blick 

Wider die Sprachverhunzung

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Michael Länge
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Michael Länge über Männer und Frauen in der Sprache.

Ich muss das jetzt einfach mal loswerden: Mich stören die Radfahrenden. Die, die am Freitag in unserer Zeitung im Bericht über die Radschutzstreifen in Alfdorf aufgetaucht sind. Nicht weil sie Rad fahren, sondern weil sie neuerdings so genannt werden. Wie die Mitarbeitenden. Oder die Studierenden. Sollte sich dies durchsetzen, bestehe ich darauf, dass künftig nicht mehr von „die Mörder“ gesprochen wird. Sondern: nur noch von den Mordenden.

Denn wenn mit „die Mitarbeiter“ oder „die Studenten“ immer nur Männer gemeint sind, diskriminiert „die Mörder“ eindeutig Männer. Ja, ich weiß, das ist, der Schwabe würde sagen, eine alte Muck, ein Argument, das es seit den 80er-Jahren gibt, denn vor 40 Jahren schon begann diese Debatte unter Sprachwissenschaftlern. Was sie aber nicht besser macht ... 

Ich überlege weiter: Was machen wir mit dem Dieb? Fortan der Stehlende? Was mit dem Täter? Der eine Tat Ausübende? Ich möchte, Sie können mich nun Egoistender nennen, diese Sprachverhunzung nicht mitmachen. Weil ich die deutsche Sprache liebe. Und weil es für mich in der Debatte über Frau und Mann in der Gesellschaft wichtigere Dinge gibt als Radfahren-de. Zum Beispiel, dass Frauen und Männer gleich bezahlt werden. Oder dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Weil sie  anders führen als Männer. Und weil dies der Gesamtgesellschaft gut tut.

Daher: Egoistender, das ist für mich immer noch besser als Schreibender. Und ich will Sie auch nicht Lesende nennen. In diesem Sinne einen schönen Samstagmorgen, liebe Leserinnen und Leser.

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