Wie die Herbergssuche im Heute ankommt

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Der Kindergarten Arche hat mit einem Krippenspiel mit menschhohen Pappfiguren und Alltagssprache die Herbergssuche ins Heute versetzt.
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Ein Outdoor-Krippenspiel des Kindergartens Arche am Vierten Advent übersetzt die Weihnachtsgeschichte in die Gegenwart.

Gmünd-Bettringen

Heute beginnt die Weihnachtszeit in der Arche“, versprach Pfarrer Wolfgang Schmidt den Gästen bei der Eröffnung des Open-Air-Krippenspiels im Garten des Kindergartens Arche in Oberbettringen am Sonntag. Als„einfaches Weihnachtsspiel im Freien mit großen Figuren“ beschreibt Autor Pfarrer Frank Widmann von „Kirche mit Kindern in Württemberg“ das Stück „Gottes Wege“. Diese Weihnachtsgeschichte in alltäglicher Sprache führten die Kindergartenkinder auf.

Der Garten des Kindergartens wurde zum Schauplatz der Verkündigung und Geburt Jesu. Hinter den mannshohen Pappfiguren Zacharias, Engel, Maria, Elisabet, Hirten und Wirt standen die Kleinen und bewegten ihre Charaktere, wenn sie dran waren. Die Texte wurden von weiteren Kindern gesprochen.

Eindrucksvoll, mit wie wenig Staffage Situationen überzeugend dargestellt wurden. Ein Sack voll Heu, ein anderer mit Futter, steckten das Feld der Hirten ab. Herzerfrischend der Wortwechsel zwischen Hirten und Engel, der verkündet, dass sie keine Angst haben müssen. „Von wegen keine Angst!“, antworten sie und müssen erst überzeugt werden, dass die Nachricht wahr und für sie bestimmt ist. Auf dem Weg zum Schuppen mit dem Neugeborenen beschäftigt sie die Frage: „Was hat sich Gott da nur gedacht, dass wir sein Kind besuchen sollen?“

Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit der Nachricht des Engels, dass das betagte Ehepaar Elisabet und Zacharias ein Kind mit Namen Johannes bekommen soll. Als Maria Elisabet besucht, stellen beide fest: „Es ist alles ein bisschen viel und schwer zu verstehen.“

Seit Mitte November haben die Kinder an diesem Stück intensiv gearbeitet. Für die Figuren zeichneten die Erzieherinnen auf großen Pappen Umrisse vor. Die Kinder schufen die Gesichter und malten die Kleider. Herausgekommen ist eine Menschenschar mit lebhafter Mimik. Fröhlich, zaudernd, bestimmt schaute sie ins Publikum. Man nahm ihr Zweifel und Freude ab. Hell und strahlend freundlich der Engel, der die gute Botschaft überbringt.

Lebensnaher Dialog

Lebensnah auch der Dialog zwischen Josef und Maria bei der Suche nach einer Bleibe in Bethlehem. Wirt und Wirtin, die sie ansprechen, fragen nach: „Seid ihr wegen der Volkszählung hier? Bethlehem ist total überlaufen.“ Josef zieht den Schluss: „Wir sind hier nicht willkommen, Maria. Von wegen ‚Gottes Wege‘!“ Doch Marias Zuversicht wird belohnt, denn die Wirtin bietet Platz in einem Schuppen mit dem freundlichen Nachsatz: „Wenn ihr etwas braucht, könnt ihr euch gerne melden.“

Das hört sich in der biblischen Version anders an und hier liegt der Zauber in diesem Weihnachtsspiel. Nichts wird verbrämt, alles ausgesprochen. Als der Engel Maria sagt, dass sie einen Sohn haben wird, reagiert sie mit „Was redest du da?“ Sie besucht Elisabet und sagt zu deren Schwangerschaft: „Dein Bauch ist ganz schön dick.“ Diese Sprache, die den Alltag aufnimmt, nicht platt und despektierlich wird, schafft es, die Weihnachtsgeschichte ins Heute zu versetzen.

Voller Hingabe und Konzentration standen die Kinder und brachten mit sanften Bewegungen ihre Figuren zum Leben. Eine andächtige Stimmung lag über dem Garten und der Geschichte von Jesu Geburt, die mit gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern wahr machte, was Pfarrer Schmidt zu Anfang sagte: „Heute beginnt die Weihnachtszeit.“

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