Wie die Rettungssanitäter in Pandemiezeiten arbeiten

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Rettungssanitäter Steffen Polczyk desinfiziert Kontaktflächen und Geräte in einem Rettungswagen der Malteser.

Welche Schutzmaßnahmen für Patienten und Helfer ergriffen werden müssen. Ein Gespräch mit dem Malteser Hilfsdienst in der Region.

Schwäbisch Gmünd/Aalen.

Das Coronavirus hat auch das Rettungswesen verändert, für die Einsatzkräfte steht jetzt der erhöhte Infektionsschutz für Patienten und Helfer im Vordergrund. Werden zum Beispiel die Malteser Hilfsdienste jetzt zu einem Notfall gerufen, versucht die Rettungsleitstelle bereits im Vorfeld abzuklären, ob der Patient Symptome einer Corona-Erkrankung hat, erklärt der stellvertretende Leiter des Rettungsdienstes Rafael Pohlner. In der Aufregung und in der für den Anrufer besonderen Ausnahmesituation könne es hierbei durchaus einmal zu ungenauen Aussagen kommen, erzählt er.

Seit Beginn der Pandemie im März ist daher das Vorgehen der Einsatzkräfte stets dasselbe. Der Rettungsdienst trifft bei einem Patienten ein, "alle Kräfte sind mit FFP2-Masken ausgestattet", erklärt Pohlner, die Masken werden auch im Fahrzeug getragen, da hier kein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten ist.

Ein Helfer sucht nach den Ankunft den Patienten auf und klärt im Vorfeld ab, ob die Gefahr einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 besteht. Dazu gehört auch das Messen der Körpertemperatur. Sobald der geringste Verdacht einer Infektion besteht, müssen die Helfer ihre Schutzausrüstung anlegen. Dazu gehört ein Schutzanzug, eine Kopfhaube und zur FFP2-Maske noch zusätzlich ein Face-Shield.

Dieser Vorgang nehme etwas Zeit in Anspruch, erklärt Pohlner, weshalb bei lebensbedrohenden Zuständen die Notversorgung ausgenommen ist und sofort ausgeführt werde. Muss der Patient in eine Klinik eingeliefert werden, müssen die Rettungsgeräte den Patienten dort anmelden. "Auch das Klinikpersonal muss sich auf einen eventuell coronapositiven Patienten vorbereiten". Zeitgleich kann auch die Belegkapazität der Klinik abgefragt werden. Dies sei jetzt noch wichtiger geworden als in der Zeit vor Corona, meint Pohlner.

Die Zeit für die Einsätze ist gestiegen, nach jedem Einsatz steht der "Desinfektionsauftrag" für Fahrzeuge und Einsatzkräfte an. Auf der Rettungswache müssen am Fahrzeug alle Flächen desinfiziert werden, sollte ein Verdachtsfall auf Covid-19 bestehen, müssen die Helfer zur Dekontamination. All diese Vorgänge können schon bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch nehmen, meint Pohlner, der aber beruhigen kann, zu keiner Zeit wird aus diesem Grund ein Einsatz zeitlich gefährdet. "Die Rettung ist immer gewährleistet".

Die Rettung ist zu jeder Zeit gewährleistet.

Rafael Pohlner, MHD

Für das Verhalten, den Ablauf und die Qualität der Patientenversorgung mussten die Rettungskräfte nicht besonders geschult werden. "Infektionskrankheiten gab es schon immer", mit Covid19 seien die Desinfektionsrichtlinien allerdings dem Virus entsprechend angepasst und verschärft worden.

Mit jedem Einsatz fährt bei den Maltesern die eigene Gesundheitsgefährdung mit, obwohl bei Infektionskrankheiten die Vorgehensweise bisher immer dieselbe war, "ist jetzt die Masse neu" und auch der Gedanke daran, dass jeder Patient potenziell ein Überträger sein könnte. Für die Einsatzkräfte bedeutet dies einen erhöhten Druck, "potenziell ist die Gesundheit der Rettungsgeräte immer gefährdet".

Aktuell kein Training

Die Einsatzfähigkeit der Gmünder Malteser Hundestaffel ist nicht in Gefahr, erklärt der Leiter der Hundestaffel, Michael Berger. Der erneute Lockdown und die Kontaktbeschränkungen bremsen zwar derzeit die Trainingseinheiten der Gmünder Rettungshundestaffel aus, die bestens ausgebildeten Mantrailer und Flächensuchhunde seien aber durchaus auch über einen gewissen Zeitraum ohne Training einsatzfähig. Die Einsatzfähigkeit der Tiere soll im Januar überprüft werden und im gegebenen Fall werden Trainings in Kleinstgruppen organisiert, meint Berger.

Die Einsätze der Hundestaffel haben sich dahingehend verändert, dass in den Einsatzfahrzeugen eine FFP2-Maske getragen werden muss. Und die Fahrzeuge werden nicht mehr bis auf den letzten Platz besetzt. Die Hundeführer tragen jetzt bei ihren Einsätzen zusätzlich eine volle Schutzausrüstung mit Face-Shield, Handschuhen und Schutzanzug mit sich. Beim Auffinden einer Person kommt all das dann immer zum Einsatz.

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