Wie geht’s weiter mit dem „Hasen“?

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Gehen die Rollläden bald wieder hoch? Ein Gmünder Investor möchter gern den „Hasen“ reaktivieren. Foto: hoj
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Nach vielen Traditionsgasthäusern, die in Gmünd zugemacht haben in den letzten Jahren: Ein Investor möchte den „Hasen“ wieder beleben.

Schwäbisch Gmünd. Wie geht es weiter mit der Gmünder Traditionsgaststätte „Hasen“? Einige Monate nach dem Tod von Anna Gesell, einer der beiden früheren Hasen-Wirtinnen, hat deren Tochter Gisela Krehle noch keine konkreten Pläne, wie sie mit dem Gebäude weiter verfahren will. 

Sie sei von einigen Leuten auf den „Hasen“ angesprochen worden, erzählt Gisela Krehle. Aber: „Ich habe keine Eile, und es gibt keinen definitiven Plan.“ Sie selber werde die Wirtschaft ganz sicher nicht mehr aufmachen, sagt sie. „Ich glaube, die Zeiten für die Gastronomie haben sich geändert. Und die Räumlichkeiten wurden seit vielen Jahren nicht mehr renoviert.“

Offenbar gibt es aber Leute, die an Gastronomie in dieser Gmünder Traditionsgaststätte glauben. Ein Gmünder Investor sagt gegenüber der Gmünder Tagespost, er habe konkretes Interesse, das Gebäude zu kaufen, um den Hasen als Wirtschaft zu erhalten. Und: Er hätte sogar einige Interessenten an der Hand, die die Wirtschaft wieder betreiben wollen. Sie habe aber „keine Eile“, sagt hingegen Gisela Krehle. Eine ihrer Überlegungen sei, den „Hasen“ eventuell gleich ihren Kindern zu überschreiben. 

Gisela Krehles Mutter Anna Gesell, die im Februar dieses Jahres im Alter von 91 Jahren gestorben war, hatte zusammen mit ihrer Schwester Gertrud Gesell, die 2020 gestorben ist, den Hasen als Wirtinnen ab 1951 gemeinsam geführt, in der Nachfolge ihres Vaters, der den Betrieb nach der Jahrhundertwende übernommen hatte.

Der „Hasen“ war nicht nur irgendein Gasthaus in Gmünd, er war eine Institution. Getragen von den beiden Wirtinnen, die besser als „Tschako“ und „Peter“ bekannt waren als unter ihren eigentlichen Namen. Wie aus Anna Peter und aus Gertrud Tschako wurde, das hat der Gmünder Historiker Theo Zanek in seinem Buch „Gmünder Gasthausherrlichkeit“ erzählt: „Die Beinamen soll das Geschwisterpaar schon in Kindheitstagen erhalten haben. Ein Nachbar hatte zwei Kätzchen „Tschako“ und „Peter“. Genauso anmutig wie die Kätzchen waren die Hasenmädchen, also rief sie der Nachbar ‚Tschako‘ und ‚Peter‘.“

Sollte der Hasen doch wieder aufmachen, ist das eine Entwicklung entgegen einer Richtung, die in letzten Jahren unaufhaltsam schien: In Gmünd Jahr hatten um Jahr alte Traditionsgaststätten zugemacht. Es ist eine lange Liste: Neben dem „Hasen“ hat auch der „Schwanen“ in den letzten Jahren den Betrieb eingestellt, wie zuvor das „Lamm“ an der Ecke Rinderbacher Gasse/Kalter Markt, das „Kübele“, das vor gut zehn Jahren abgerissen wurde, der „Weiße Ochsen“ und das „Kreuz“ in der Sebaldstraße, wo der „Kreuz Karle“ bis 2003 die nahezu legendären mehr als tellergroßen Schnitzel serviert hatte. Zuletzt hatte am 31. Dezember 2021 die vorerst letzte Gmünder Traditionswirtschaft geschlossen: Wirtin Renate Glaser hatte nach 52 Jahren hinterm Tresen den „Drei König“ als tägliche Anlaufstelle für gut schwäbisches und bezahlbares Mittagessen eingestellt.

Renate Glaser ist inzwischen froh, mit ihren 69 Jahren nicht mehr täglich 60 bis 70 Essen kochen zu müssen. Sie sagt aber auch: „So ein einfaches schwäbisches Lokal fehlt schon in Gmünd.“

Eine Wiedereröffnung des „Hasen“ könnte da guttun, genauso wie die des „Schwanen“, den die VGW als neuer Besitzer renovieren und 2024 wieder zu einer Gaststube mit deutscher Küche machen möchte.

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