Wo das Hämmern des Silberschmieds wie Musik ist

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Gmünds Bürgermeister Christian Baron (r.) begrüßt die neue Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz (Mitte) im Arenhaus des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät. Fotos: Tom
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Als 16. Stadtgoldschmiedemeisterin bringt Barbara Amstutz viel Wissen über die hohe Kunst des Silberschmiedens in die Gold- und Silberstadt.

Schwäbisch Gmünd.

Eine Jahrhunderte alte Tradition, die bis ins Jahr 1372 nachweisbar ist, verbindet das Gold- und Silberschmiedegewerbe und Schwäbisch Gmünd miteinander. Der Gmünder Goldschmied Conrad Stütz ist Vorstandsmitglied der Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst, die seit 1989 regelmäßig einen der bedeutendsten Goldschmiede Europas als Stadtgoldschmied für einige Zeit nach Schwäbisch Gmünd holt. Die 16. Stadtgoldschmiedin ist nun Barbara Amstutz, Gmünds erster Bürgermeister Christian Baron begrüßte sie nun im Arenhaus des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät.

Die Einladung zur Stadtgoldschmiedin der Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst sei ihr eine große Ehre, lächelt die Baslerin, die bereits im Mai mit ihrer Ausstellung „Texturen“ im Prediger Einblicke in diese hohe Kunst geben konnte. Das Silberschmieden blicke in Gmünd auf eine lange Tradition zurück, erklärt Conrad Stütz. Noch vor rund 100 Jahren verdiente von den damals 15 000 Einwohnern, mit 5000 Beschäftigten in der Silberwarenindustrie, ein Drittel der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt damit. Leider sei es ein rückläufiger, wenn nicht sogar aussterbender Beruf, bedauert Stütz, der das Hämmern des Silberschmiedehammers als „Musik“ bezeichnet. Die regelmäßige Ernennung eines Stadtgoldschmieds soll dabei helfen, Defizite in diesem alten Kunsthandwerk zu beseitigen, erklärt Ulrike Kleinrath, Geschäftsführerin der Stiftung. Alle bisherigen und noch kommenden Stadtgoldschmiede sollen auch in die Schulen neue Impulse bringen.

Amstutz gesellt sich zu in einer Reihe bekannter Gold- und Silberschmiede aus Hamburg, England, Holland und der Schweiz. Bürgermeister Christian Baron verwies auf die spannende Ausstellung „Texturen“, bei der Amstutz bereits viel über die Behandlung des Werkstoffs Silber gezeigt habe. Bürgermeister Baron ist glücklich, dass die Silberschmiedin ihr Wissen weitergibt. In den gewerblichen Schulen seien Schüler im Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät, die über eine „sagenhafte Begabung“ verfügen und diese dank der Stadtgoldschmiedin weiter ausbauen können. Den Stiftungsmitgliedern ist es wichtig, den Beruf des Silberschmieds nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, der erste Schritt dafür sei offensichtlich bereits gemacht.

Zur Silberbearbeitung benötigt der Handwerker spezielles Werkzeug, die früher von Hammerschmieden hergestellt wurden, den Beruf des Hammerschmieds gibt es nicht mehr, entsprechende Silberschmiedehämmer sind im Handel nicht mehr erhältlich. Im derzeit von Barbara Amstutz geleiteten Workshop „Oberflächenbearbeitung und Texturen von Silber“ sind vier Goldschmiedinnen aus Ludwigsburg, Freiburg und Gmünd daher auch damit beschäftigt, den eigenen, passenden Silberhammer für ihr zu schaffendes Objekt herzustellen.

Warum Silber und nicht Gold? Wenn Barbara Amstutz von Silber als Werkstoff spricht, spürt man die Leidenschaft für das Edelmetall. Silber sei ein wunderbares Material, das einzigartig in der Möglichkeit der Verformung sei. „Silber schreit förmlich nach Bearbeitung“. Es sei warm und nach einer Politur mit dem Hammer erhalte jedes Arbeitsstück eine unglaubliche Oberfläche. Im Unterschied zum Goldschmied, der überwiegend Schmuck herstellt, schmieden Silberschmiede hauptsächlich „großes Gerät“ wie Schalen, Besteck oder Sakralobjekte für Kirchen.

Zwei silberne Werke der neuen Gmünder Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz.

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