Womit heizt Gmünd in ein paar Jahren?

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Zahlreiche Heizungen müssen ausgetauscht werden. Nahwärme als Alternative?

Schwäbisch Gmünd. 29 Prozent der Erdgasheizungen in Gmünd sind älter als 20 Jahre. Und sogar 57 Prozent der Ölheizungen im Stadtgebiet wurden vor dem Jahr 2000 eingebaut. Diese Zahlen haben die Experten der Firma RBS wave ermittelt. Das Unternehmen berät die Stadt bei der Wärmeplanung - einem zentralen Element bei der Zielsetzung, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden.

Bürger sind verunsichert

Zahlreiche Hausbesitzer in Gmünd haben, zumal angesichts der drastisch gestiegenen Kosten fossiler Brennstoffe, den Wunsch oder sogar die Pflicht, ihre Heizungsanlagen in absehbarer Zeit auszutauschen. Aber viele sind sich noch unsicher, womit ihre neue Heizung betrieben werden soll. Dabei hätte der Austausch von Heizungen mit fossilen Brennstoffen „die größte Hebelwirkung“ auf dem Weg zur Klimaneutralität, sagte Dorothea Riecken von RBS wave. Öl- und Gasheizungen seien für über 90 Prozent des Kohlendioxidausstoßes in Gmünd verantwortlich. Das Durchschnittsalter der Bestandsheizungen in Gmünd liege bei über 14 Jahren.

Julian Seevers (ebenfalls RBS wave) nannte mögliche Alternativen zur Wärmegewinnung. In Gmünd gebe es ein Potenzial für Wärme aus dem Erdboden (Geothermie), das näher untersucht werde. Auf jeden Fall soll die Nutzung in Gmünd ausgebaut werden. Auch bei der Wärme aus Abwasser werden die Potenziale untersucht, ebenso bei Abwärme aus Unternehmen. Als weiteren wichtigen Baustein der Klimaneutralität nannte Seevers die Gebäudesanierung.

Viele Heizungen stehen kurz vor dem Austausch, fasste Stadtwerke-Chef Peter Ernst zusammen. „Die Bürger wollen wissen, wie's weitergeht.“ Untersucht werde nämlich auch die Möglichkeit, dass die Stadtwerke Nahwärmenetze erstellt. Für diesen Ausbau müssten die Stadtwerke allerdings jährlich rund drei Millionen Euro investieren. Bereits konkret geplant würden kleinere Nahwärmenetze für Rechberg, Weiler, Degenfeld und Bargau. In diesen Teilorten gebe es nämlich keinen Erdgasanschluss, die allermeisten Häuser dort würden mit Öl beheizt.

Auch Stromnetz ausbauen

Parallel dazu, sagte Peter Ernst, muss das städtische Stromnetz ausgebaut werden. Denn die zunehmende Nutzung von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen belaste auch dieses Netz. Die Stadtwerke hätten bereits Anfragen zur Einspeisung von Strom aus Photovoltaik ablehnen müssen, weil die Kapazität fehle. Bis 2030 müssten die Stadtwerke in die Wärmewende rund 140 Millionen Euro investieren. Als Kreishandwerksmeister konnte BL-Stadtrat Alexander Hamler dazu anmerken, dass das Handwerk nach seinen Informationen im nächsten Jahr mit dem 15-Fachen der Materialmenge rechnen kann, die in diesem Jahr zur Verfügung stand. Das heißt, es könnten weit mehr Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen eingebaut werden.

Diese Wärmewende sei eine gewaltige Aufgabe, die Städte und Gemeinden nicht alleine stemmen können, meinte Oberbürgermeister Richard Arnold. Das müssten Bund und Land weit mehr unterstützen als bisher.

Da „tut sich einiges“, sagte Grüne-Stadtrat Karl Miller dazu. Klar sei jedoch auch, dass die Stadt den Stadtwerken mehr Geld zur Verfügung stellen muss. Tim-Luka Schwab (SPD) stellte die Frage, ob die Wärmewende bis 2035 überhaupt noch zu schaffen ist. Peter Ernst dazu: „Das wird ein Kraftakt.“

Sebastian Fritz (Linke), Karin Rauscher (FWF) und Christian Krieg (CDU) unterstrichen die Bedeutung der Beratung für die Bürger. Die habe das städtische Amt für Nachhaltigkeit bereits ausgebaut, sagte Amtsleiterin Franka Zanek. ⋌Wolfgang Fischer

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