Zehn „Oscars“ für den Musikverein Bettringen

+
Die Filmschaffenden (v. l.): Carmen Hinderberger, Walter Deininger vom Brazil, Lana Ripberger, Sebastian Weiler, Constantin Casper, Leander Weik, Mark Wamsler und Marcus Heinrich.
  • schließen

Kino Im selbst gedrehten Film verhindern die Musiker mit einem Brathähnchen die Pandemie.

Gmünd-Bettringen. Ausverkauftes Haus hieß es am Sonntag im Gmünder Brazil-Kino zur Premiere der Eigenproduktion des Musikvereins (MV) Bettringen, „Back to the Culture - oder hätte ein Bettringer Grillhähnchen die Pandemie verhindern können?“ Die Idee, einen Film zu drehen, kam dem Vorsitzenden Marcus Heinrich an einem probenlosen Abend, an dem er sich den Film „Zurück in die Zukunft“ angesehen hat. Nach knapp zwei Jahren ohne Feste und Konzerte war die schwere Aufgabe, das Miteinander im Verein am Leben zu erhalten und der Jugend eine Perspektive zu geben. Der Fantasyfilm gab dem Vorsitzenden die Initialzündung: „Wie wäre es, wenn man die Pandemie noch im Keim ersticken könnte?“, fragte er sich. Daraus wurden die Pläne für einen Film. Dieser wurde unterstützt durch das bundesweite Programm „Impuls“ zur Förderung von Amateurmusik im ländlichen Raum.

Verwirrung und Gesprächsstoff

Es entstand nicht nur ein 50-minütiger Spielfilm, die Dreharbeiten an Originalschauplätzen in Bettringen sorgten in den vergangenen Monaten zudem für Gesprächsstoff, Vermutungen und „leichte Verwirrung“ wie Carmen Hinderberger aus der Vorstandschaft schmunzelnd erklärt.

Die Filmmusik spielten die Bettringer Musiker ein. Fürs Drehbuch konnten sie den in Bettringen aufgewachsenen Schauspieler und Buchautor Mark Wamsler gewinnen. Die Geschichte beginnt im Jahr 2100 und zeichnet eine düstere Zukunftsvision. Es gibt kein Vereinsleben mehr, soziale Kontakte und kulturelles Leben sind durch die immer noch nichtbeendete Pandemie zerstört. Die Hauptdarsteller Lana Ripberger und Sebastian Weiler entdecken bei Aufräumarbeiten bunte Bilder mit „fröhlichen Menschen“ die zusammen musizieren. Der „uralte“ Käppele, von der Gesellschaft verstoßen, erklärt den beiden das schöne, bunte Leben vor Corona und erzählt von einer Zeitmaschine, mit deren Hilfe sich die Pandemie in der Vergangenheit verhindern ließe, indem man „den Schafseggel, der die Fledermaus gefressen hat“ daran hindert, dies zu tun.

Die Story strotzt vor Lokalkolorit und Witz, Käppele kann nicht selbst in die Vergangenheit reisen, er leidet unter der„Halb-Hirn-Krankheit“. Die blassen Neuankömmlinge Lana und Basti, die im Jahr 1900 im Bettringer „Hirsch“ auftauchen, um die MV-Gründungsurkunde zu klauen, werden von den Gründungsvätern mit Bargauern verwechselt.

Jede Menge Flower-Power, „Sex and Drugs“ und Alkohol prägen die Szene 1975 beim Jubiläumsfest des Vereins. „Gut, dass bei einer Zeitreise der Rausch nicht mitfliegt“, erklärt Basti nach Joint und Bier.

Die letzte Etappe der Reise führt Lana und Basti mit der Vorstandschaft ins chinesische Wuhan im Jahr 2019. Bewaffnet mit Bräter und Fassbier wird dem hungrigen Chinesen auf dem Wochenmarkt die gebratene Fledermaus verleidet und durch ein Brathähnchen ersetzt - und so der Ausbruch der Pandemie verhindert. Ende gut, alles gut.

Wegen der hohen Kraftstoffpreise verzichte der Verein darauf, zur Oscarverleihung nach Los Angeles zu fliegen, meint Marcus Heinrich launig. Vor der Premiere gab's stattdessen „Bettringer-Oscars“ für Teresa Greco (Maske), Carmen Hinderberger (Kulisse und Kostüme), Constantin Casper von Anaconda Film (Kamera), Leander Weik von Soundworld (Ton), Mark Wamsler (Drehbuch), Andrea Schurr (Filmmusik), Marc Lange (beste Nebenrolle), Sebastian Weiler (bester Hauptdarsteller), Lana Ripberger (beste Hauptdarstellerin)und Marcus Heinrich (Regie). ⋌Andrea Rohrbach

Der Film mit dem Prädikat „sehenswert auch für Nicht-Bettringer" wird am Freitag, 8., und Samstag, 9. April, jeweils um 16.45 Uhr erneut im Gmünder Brazil-Kino gezeigt.

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Kommentare