Zu Fuß zur Schule? „Wir sind wehleidiger geworden“

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Mit dem Laufbus über die Hängebrücke.
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Laufbus statt Elterntaxi: Eine Woche begleiten Ehrenamtliche Grundschulkinder auf ihrem Schulweg zur Klösterleschule - fahrplanmäßig.

Schwäbisch Gmünd. Es ist ein Bus ohne Räder, aber mit echtem Fahrplan: Vom Klarenberg zur Klösterleschule und zurück verkehrt in dieser Woche ein „Laufbus“. Die GT war bei einer Tour dabei.

7.15 Uhr am Kreisel, ganz am Anfang der Gutenbergstraße. „Da ist unser erster Fahrgast“, sagt Andrzej Sielicki. Der Sprecher des Arbeitskreises Mobilität begleitet in gelber Warnweste die Gruppe von Grundschulkindern und Erwachsenen, die nach und nach größer wird - immer wieder an den Haltestellen. Eine Mutter hält ein gelbes Blatt Papier in der Hand: Es ist der Fahrplan, auf dem mit exakten Zeiten insgesamt zwölf Haltestellen verzeichnet sind, an denen Kinder zusteigen können.

Gemeinsam zu Fuß zur Schule gehen: Was vor einigen Jahrzehnten noch normal war, ist diese Woche in Gmünd als Experiment organisiert. Es ist eine Aktion von Mitgliedern des Gmünder Arbeitskreises Mobilität der Agenda 2030 während der Europäischen Mobilitätswoche.

Anastasia Berg ist dabei: Sie hat ihre Tochter zum Laufbus begleitet, die seit einigen Tagen in die Erste Klasse der Klösterleschule geht. „Man kann sein Kind hier guten Gewissens mitgeben, weil Erwachsene dabei sind.“ Ehrenamtliche begleiten die Grundschulkinder. An diesem Morgen sind es Andrzej Sielicki und Kevin Kärcher vom Arbeitskreis Mobilität und Ingrid Grohr, die sich bei den „Omas für Future“ engagiert.

Extra eine Ausbildung gemacht

Die drei und ihre weiteren Mitstreiter haben nicht nur die Laufbus-Tour perfekt organisiert, sie haben auch einiges an Organisation vorneweg geleistet: Schule und Eltern informiert, einen Fahrplan erstellt und sogar eine Schulung bei der Polizei als Schülerlotsen gemacht. „Wir wurden ausgebildet durch Mükayil Dalbudak, einem Verkehrserziehungsexperten der Polizei, und von der Verkehrswacht haben wir gelbe Warnwesten als Geschenk bekommen“, erzählt Sielicki.

Anastasia Berg findet es gut, wenn Kinder zur Schule laufen. Aber unbegleitet hätte sie bei Erstklässlern kein gutes Gefühl: „Wir sind ja in der Innenstadt, auf einem kleinen Dörfle wäre das anders.“ Toll, dass die das anbieten“, sagt eine andere Mutter; sie hat ihre Tochter Lara zum Laufbus gebracht. Unter anderem geht es ja auch ums Geld, erzählt sie. „Einen Monat Busfahren kostet für einen Erwachsenen mit Kind 88 Euro.“

Wer führt das Projekt fort?

Dass an der Klösterleschule wie an vielen Schulen in und um Gmünd morgens zwischen 7 und 8 Uhr der Verkehr anschwillt, weil viele „Elterntaxis“ vorfahren und teilweise auf Verbotsflächen halten, ist wohl ein Symptom der Zeit. „Ich glaube, wir sind einfach ein bisschen wehleidiger geworden“, sagt eine Mutter.

Andrzej Sielicki, Kevin Kärcher und Ingrid Grohr hoffen, das ein wenig ändern zu können, sie hoffen, dass ihr Anstoß aus dieser Woche fortgeführt wird. Auch Margrit Carbon, die Rektorin der Schule, würde sich über Laufbus-Verkehr über die Aktionswoche hinaus freuen, betont sie. Andrzej Sielicki bietet Starthilfe an: „Mit unserem Pilotprojekt möchten wir Eltern und Schulen in Gmünd zeigen, dass Kinder auch zu Fuß sicher und selbstständig zur Schule kommen. Und wir greifen Eltern und Schulen gern bei einem konkreten Pilotprojekt mit der praktischen Umsetzung vor Ort unter die Arme.“

Angekommen an der Schule.

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