Zwei Autohäuser, die in der Vision keinen Platz haben

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Der Plan des Anstoßes: Die beiden großen Autohäuser in der Lorcher Straße sind nicht Teil der städtbaulichen Vision.
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Zwei Autohäuser in der Lorcher Straße und ihr Gegenentwurf – Pläne zum Stadtumbau sehen dort Wohnen und verkehrsberuhigte Bereiche vor.

Schwäbisch Gmünd 

Tobias Sorg steht vor seinem Firmensitz in der Lorcher Straße, neben ihm fahren Autos und Busse. „Es ist ein hervorragender Standort – der bestmögliche“, sagt der Chef des Autohauses Sorg. Doch er fühlt sich unerwünscht. Die Pläne zur Umgestaltung des Gmünder Westens zwischen Bahnhof und Tunnelportal sehen vieles vor: Wohnen, Kreativwirtschaft, verkehrsberuhigte Bereiche, ein freigelegter Bach, Radschnellwege – aber keine Autohäuser. 

Die Vision ist das, was die Sieger des Architekturwettbewerbs Europan diese Woche in Gmünd vorgestellt haben: ein ganz neues urbanes Viertel. Die Realität repräsentieren zwei große Anlieger: Autohaus Bierschneider, Lorcher Straße 35, und Autohaus Sorg, Lorcher Straße 38. 

Kann es gelingen, das Bestehende und das Geplante doch irgendwie zueinander zu bringen? „Es ist eine Herausforderung“, sagt Gmünds Baubürgermeister Julius Mihm, „aber es ist nicht richtig, deshalb nur kleine Pläne zu machen“.

Mihm weist auf die langfristige Perspektive hin, die das Projekt hat. „Es ist ein Thema für 30 Jahre.“ Auf diese Perspektive könne sich ein Eigentümer einstellen. „Da geht es etwa für ein Autohaus um die Frage: Bin ich, auch wirtschaftlich gesehen, noch an der richtigen Stelle in 30 Jahren?“

Der Bürgermeister will schnell an die Arbeit gehen: „Wir werden viele Einzelgespräche führen.“ Ihm sei klar, dass er der Haltung „So wie es ist, soll es bleiben“ begegnen werde. „Da müssen wir uns eine Strategie überlegen.“ Grundstücke gewissermaßen verschieben oder Tauschangebote sieht er als Möglichkeiten. „Behutsam“ wolle er vorgehen. „Wir nehmen niemandem etwas weg.“ Doch er habe "kein schlechtes Gewissen", so Mihm. "Wir bieten eine extrem dichte Nutzung der Grundstücke."

Wie das Autohaus Bierschneider, auf dessen Gelände der Entwurf der Planer Wohngebäude vorsieht, zu den Ideen steht, auch das will Julius Mihm in einem Gespräch zum Thema machen. „Wir werden auf die Leute zugehen.“ Von der Bierschneider-Geschäftsführung war am Donnerstag und Freitag niemand für eine Stellungnahme zu sprechen.

Jens Pfendert ist Inhaber der Kfz-Firma Berroth in der Lorcher Straße: Er sei schon vor Jahren zu einem Tausch bereit gewesen, erzählt er. „Der Gmünder Westen ist für mich interessant, wegen Schulte, Mercedes, BMW. Aber die Stadt hat meine Anfrage zur Krähe abgelehnt – das Gebiet sei für Technologie vorgesehen.“  Würde auch die Firma Sorg einen Alternativstandort in Betracht ziehen? Firmengründer Günter Sorg, dem das 7000-Quadratmeter-Grundstück gehört, kann sich das derzeit nicht vorstellen. "Ich sehe einen gleichwertigen Standort nicht." Sorg fügt hinzu: „Wir haben 1999 gebaut – das würde heute doppelt so viel kosten. Ich denke, das wäre nicht bezahlbar für die Stadt.“

"Ich sehe einen gleichwertigen Standort nicht."

Günter Sorg, Firmengründer Autohaus Sorg
Schätzen ihre verkehrsgünstige Lage (v.l.): Günter und Tobias Sorg.

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