Zweihundert Buchseiten gegen das Vergessen

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Demnächst erscheint dieses Buch von Werner Ritzer (links) Günther Dangelmaier: „Kein Wiedersehen – Lebenswege“. Es beschreibt viele Kriegsschicksale aus Hussenhofen und Zimmern.

Günther Dangelmaier und Werner Ritzer sind Kriegsschicksalen auf der Spur.

Schwäbisch Gmünd-Hussenhofen. Jahre lang erforschen Günther Dangelmaier aus Hussenhofen und Werner Ritzer aus Zimmern Schicksale im Krieg gefallener Männer, reden mit Zeitzeugen und vor allem mit den Kindern der Kriegsteilnehmer. Die Nachforschungen werden jetzt in einem Buch zusammengefasst, das im schon Juli erscheinen soll. Der Titel: „Kein Wiedersehen – Lebenswege“.

So manches Schicksal der Soldaten und ihrer in der Heimat verbliebenen Familie berührt die Autoren so sehr, dass die Gedanken daran nicht so rasch verblassen. Günther Dangelmaier denkt dabei an Josef Kauderer. Er sei schon in jungen Jahren ein Draufgänger gewesen, die höchsten Bäume hochgeklettert. Die unbeschwerte Jugend endete 1944 für den damals 17-Jährigen mit dem Kriegseinsatz. „Er geriet in Kriegsgefangenschaft, zuerst bei den Amerikanern, dann bei den Franzosen“, weiß Dangelmaier. Eine Rückkehr nach Hussenhofen gab es nicht mehr. Josef Kauderer folgte der Fremdenlegion und kam 1954 bei Einsätzen im heutigen Vietnam ums Leben.

Werner Ritzer denkt in der Zeit der Recherche oft an die Familie Seitzer. „Sie hatte sieben Söhne, vier von ihnen ließen ihr Leben im Krieg, sie fielen in Russland“, weiß er aus Nachforschungen. Insgesamt 28 Soldaten aus Zimmern sahen ihre Heimat nicht wieder. „Wir haben uns entschlossen, diese Schicksale vor dem Vergessen zu bewahren“, sagt Werner Ritzer.

Überrascht hätten ihn die Reaktionen der Angehörigen. „Alle waren gerne bereit, nach Dokumenten und Bildern ihrer Großväter, Väter und Onkel zu suchen.“ Direkte Zeitzeugen gibt es im Ort kaum noch, meist sind es Kindheitserinnerungen oder Erzählungen, wie sie in Familien weitergegeben wurden.

Eingebaut in die Dokumentation ist ein Beitrag von Zeitzeuge Georg Wamsler, den er 1988 für das Zimmerner Heimatbuch geschrieben hat. Günther Dangelmaier, Jahrgang 1944, hat ganz persönliche Erinnerung. „Ich habe den Krieg nicht bewusst erlebt, doch die Erzählungen meines Vaters, meines Schwiegervaters, prägten mich und ließen mich oft an diese schreckliche Zeit denken.“ Dem Leid begegnete er auch auf dem Friedhof Hussenhofen, „Neben dem Grab meiner Großmutter befanden sich zwei Soldatengräber aus dem Jahr 1945.“

Schlimme Zeit festhalten

Günther Dangelmaier war beteiligt, als zum Jubiläum „750 Jahre Hussenhofen“ die Dorfgeschichte aufgearbeitet wurde, er hat die Namen der Gefallenen und Vermissten ausfindig gemacht.

Fündig wurde er unter anderem im Ehrenbuch des SV Hussenhofen aus den 1950er-Jahren. Darin sind 34 Opfer aus Hussenhofen vermerkt, elf aus Zimmern und einer aus Herlikofen. „Immer mehr reifte in mir der Entschluss, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben“, sagt Dangelmaier. Auch 76 Jahre nach Kriegsende sei es wichtig, die schlimme Zeit festzuhalten, der jüngeren Generation zu überliefern.

Werner Ritzer ging in Zimmern von Haus zu Haus.“Erstaunlicherweise kamen so noch viele Dinge ans Tageslicht“, sagt er. In manchen Fällen mussten wir uns auch mit bloßen Daten zufrieden geben. Deshalb bedeute der Umfang der geschilderten Soldatenschicksale keine Wertung, sondern gebe einfach die Informationslage wieder. „Wir hoffen, damit einen kleinen Betrag gegen das Vergessen geleistet zu haben“, sagt Werner Ritzer. Kuno Staudenmaier

Rund 200 Seiten umfasst der Entwurf für das Buch „Kein Wiedersehen – Lebenswege“ von Günther Dangelmaier und Werner Ritzer. Viele Fotos, auch Ansichten aus dem damaligen Dorf, gibt es zu sehen. Aktuell wird das Layout erstellt, im Juli können Interessierte das Buch kaufen.

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