Die „Spaziergänge“ in Schwäbisch Gmünd

Zwischen Gemeinschaft und Egoismus

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Michael Länge
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„Schön, dass Du dabei warst“, sagt die junge Frau am Montagabend nach Gmünds jüngstem „Spaziergang“ zu ihrer Freundin. „Ja“, antwortet diese, „ist schon wichtig“. Es sind solche gegen Corona-Maßnahmen auf die Straße gehenden Menschen, die Oberbürgermeister Richard Arnold nicht verlieren will, wenn er „Spaziergängern“ mit „Augenmaß begegnen“ will. Man mag sie naiv nennen, darf ihnen aber ihre Sorge um eine freie Gesellschaft nicht absprechen.


Arnolds Haltung ist begründet in seinem Verständnis von Gemeinschaft. Wie kein anderer Gmünder Oberbürgermeister vor ihm hat er Gemeinschaft gefördert - in Zeiten eines ständig wachsenden Egoismus. 2012 mit der Staufersaga, 2014 mit der Gartenschau. Um diese Gemeinschaft fürchtet der Oberbürgermeister wegen Corona. Eine sensible Haltung.
Dies ist die eine Seite der Gemeinschaft. Sie setzt dem Egoismus etwas entgegen. Nicht zuletzt so erklärt sich auch Arnolds fast trotzige Haltung, 2022 alle kulturellen Veranstaltungen wieder so durchführen zu wollen wie vor der Pandemie.
Die andere Seite: Gemeinschaft braucht Regeln. Sie werden in der Demokratie von gewählten Parlamentariern definiert. Am vergangenen Montag haben Gmünds „Spaziergänger“ die Regeln überschritten, als sie auf der Straße liefen und den Verkehr behinderten. Stadt und Polizei haben besonnen auf die Provokation reagiert. Was aber, wenn hier hätte ein Rettungswagen fahren müssen? Die Antwort: Wenn wir uns zu den Regeln nicht bekennen, dann brauchen wir sie nicht. Dann macht jeder nur noch, was er will. Das aber zerstört die Gemeinschaft. Und fördert den Egoismus. Michael Länge

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