Als in Gschwend das Licht anging

+
Foto: Jan-Philipp Strobel
  • schließen

Was Altkanzler Konrad Adenauer mit der Sonderausstellung „111 Jahre Strom in Gschwend“ im Heimatmuseum Horlachen zu tun hat.

Gschwend-Horlachen

Wer in einem Museum schlendert, trifft  gewöhnlich auf Dinge, die mal mehr und mal weniger interessieren. Anders war es am Sonntag bei der Eröffnung der Sonderausstellung zum Thema „111 Jahre Strom in Gschwend“. Da blieb jeder vor allen Ausstellungsstücken stehen und kam sofort ins Gespräch mit anderen Besuchern.

Des Rätsels Lösung war, dass es sich um Alltagsgegenstände einer längst vergangenen Zeit handelte, die man aber auch heute noch kennt. Nur, dass sich die Formen, Materialien oder auch Farben geändert haben. Bestes Beispiel ist etwa der Rasierapparat oder der Staubsauger und der Toaster. Amüsierte Blicke zogen da die Staubsauger von 1930 auf sich. „Und heute hat man Saugroboter“, stellt eine Besucherin nüchtern fest. Nicht minder Gesprächsbedarf erzeugen auch der Krawattenbügler und der Bügelfalten-Bügler oder das Bügeleisen von 1907. Und wer meint, dass der heutige Thermomix der letzte Schrei ist, hat die Backhaube mit inkludierter „Kleinküche“ von 1938 noch nicht gesehen.

Wandelndes Lexikon

Viel Information zur Geschichte dieser Haushaltsgegenstände hält Heinz Rittinger bereit. Als 14-Jähriger startete er einst seine Ausbildung zum Elektriker. Und heute ist der 78-Jährige ein wandelndes Lexikon für Elektrogeräte und Strom an sich. Gern teilt er sein Wissen – und findet bei den Besucherscharen offene Ohren.

In nichts steht ihm Karl Altvater nach. Der Spezialist für Elektrizität war fast 40 Jahre lang bei der EnBW angestellt. In Sachen Strom kann man ihm nichts vormachen. Er ist der Initiator für die Sonderausstellung im Heimatmuseum Horlachen, die auch noch die kommenden zwei Monate dort zu bestaunen ist.

Die Chronologie, wie der Strom vor 111 Jahren nach Gschwend kam, und dafür sorgte, dass in den Häusern das Licht anging, hat er selbst erstellt. Anhand zahlloser Dokumente über die damaligen Ereignisse, etwa über das Schließen von Verträgen.

In Mappen gibt’s zudem anhand zahlreicher Fotos viel Erklärung, wie etwa ein Ortsnetz in den 20er Jahren aufgebaut wurde. Da halfen die Ortsansässigen kräftig mit. Und es wurden nicht nur die nötigen Holzmasten vom nächsten Bahnhof hergekarrt.

Tüftler Konrad Adenauer

Das älteste Messgerät in der Ausstellung ist aus dem 19. Jahrhundert. „Mit so einem hat wohl auch Werner Siemens einst gearbeitet“, mutmaßt Heinz Rittinger.  Unter den Besuchern der Sonderausstellung fanden sich am Sonntag auch Bürgermeister Christoph Hald und Bauamtsleiter Stefan Blessing ein. Lauschten den Erläuterungen zu elektrischen Bauteilen, die größtenteils aus Porzellan waren. Außer im Stall, Keller, Waschküche und Toilette – da waren sie gusseisern. Drähte, Rohre mit T- und Eckstücken, waren da ebenso interessant wie etwa die erste Schlagbohrmaschine kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Oder auch der erste Haarföhn von 1945 von AEG. „Die ließen sich den Namen schützen. Alle anderen mussten später diese Geräte Haartrockner nennen“, beschreibt Rittinger. Oder wer hätte es gedacht, dass Dr. Konrad Adenauer persönlich einen beleuchteten Stopfpilz entwickelte? Auch dieser findet sich in der Sonderausstellung in Horlachen.

Übrigens, 1921 gab es in Gschwend 645 Licht- und 206 Hausanschlüsse, wie die Chronologie des Stroms im Heimatmuseum von Karl Altvater zeigt.

Mehr Bilder von der Ausstellung gibt es online unter www.tagespost.de.

Foto: Jan-Philipp Strobel
Gschwends Bürgermeister Christoph Hald (rechts) war fasziniert von den Ausstellungsstücken und dem fundierten Wissen von Heinz Rittinger (links) und Karl Altvater.
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel
Foto: Jan-Philipp Strobel

Zurück zur Übersicht: Schwäbischer Wald

Kommentare