Als Nachhaltigkeit alltäglich war

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Sonderausstellung im Heimatmuseum in Horlachen zum Thema Spinnen und Weben. (v.li.) Sandra Brix, Helmut Altmann und Heike Haug zeigen wie's geht.
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Im Heimatmuseum in Horlachen dreht sich am Sonntag alles ums Spinnen und Weben. Derweil such das Museumsteam neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Gschwend-Horlachen

Nachhaltigkeit ist heutzutage in aller Munde. Doch im Heimatmuseum in Horlachen zeigt sich, dass besagte Nachhaltigkeit im Schwäbischen Wald in den vorangegangenen Jahrhunderten fester Bestandteil im täglichen Leben gewesen war. Quasi überlebensnotwendig. Das hatte beispielsweise schon bei der Herstellung der eigenen Kleidung angefangen. Weben und Spinnen von Flachs – nach dem Krieg von Baumwolle – gehörte zum bäuerlichen Alltag. Ebenso der Gang in den Stall, um das Vieh zu versorgen. Und heute?

„Das Handwerk stirbt aus. Und ich möchte es noch erklären“, stellt Helmut Altmann fest, während er sich über den Webrahmen beugt und zum „Schiffchen“ greift. Er ist noch ein echter Webmeister aus Alfdorf. Der Pensionär hatte sich einst sein Brot in einer mechanischen Weberei in Urbach verdient.

Eine zeitintensive Arbeit

Im Gespräch mit ihm wird schnell deutlich, dass Altmann über ein breites Wissen über die Verarbeitung von Flachs verfügt. Geduldig erklärt er den Gästen, die am Sonntag zur Sonderausstellung ins Heimatmuseum kommen, den Weg vom Flachsanbau bis zum fertiggewebten Geschirrtuch. Die entsprechenden Exponate wie etwa der Riffelkamm, der Hechelstuhl oder auch die Flachsbreche veranschaulichen seine Erläuterungen. Und allen Gästen wird schnell klar, dass die Weberei eine zeitintensive Arbeit ist.

Nicht minder viel Geduld bedarf es beim Spinnen. Sandra Brix zeigt am Spinnrad und Heike Haug an der Handspindel, wie das Garn überhaupt in seine Form gebracht wird. Klar, dass da die Besucherinnen und Besucher des Heimatmuseums ganz genau hinschauen.

Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken im alten Rat- und Schulhaus des Gschwender Teilorts Horlachen. Ralf Brix und Sibylle Hornung, die beide ebenfalls zum Museumsteam gehören, erläutern Wissenswertes über die nunmehr eingerichtete Küche mit Exponaten aus der „guten alten Zeit“ – als es noch einen Eisschrank gab, ein schweres Waffeleisen, die Butterstampfe und das Mostfass.

Immer wieder findet das Museumsteam auf alten Bauernhöfen weitere Exponate, die dann meist von Ralf Brix fachkundig und detailverliebt wieder restauriert werden. Dabei schlägt sein Herz für Technik und Uhren. So strahlt er, als er erzählt, dass er auf einem Hof in Gschwend einen Reichsbahntelegrafen von 1875 gefunden hat. „Schön, dass wir immer wieder Anrufe erhalten und Gehöfte besichtigen können.“ Bei einem anderen Besuch wurde er ebenfalls fündig: Ein Radioempfänger mit vier Röhren von 1925 kann nun besichtigt werden.

Bedarf an helfenden Händen

„Wir haben heute zum achten Mal seit Pandemiebeginn offen“, erklärt Ralf Brix. Pech war, dass durch einen Heizungsleck vor fast genau einem Jahr viel Schaden entstanden und beseitigt werden musste. Mancher Wasserfleck zeugt noch davon. Aber die Mitglieder des Heimatmuseums krempeln weiter die Ärmel ehrenamtlich hoch, um die Schäden zu beseitigen. Zudem sind zwischenzeitlich die Böden renoviert, haben die Wände eine neue Farbe erhalten und gibt es nur noch energiesparende Beleuchtung im Haus. Und trotzdem: „Über mehr helfende Hände und neue Gesichter würden wir uns freuen“, sagt Ralf Brix.

In der Sonderausstellung für März dreht sich alles um „111 Jahre Strom in Gschwend“. Karl Altvater wartet hier mit Fachwissen auf. Dazu gibt’s Exponate wie alte Stromzähler & Co.

„Wir haben heute zum achten Mal seit Pandemiebeginn offen.“

Ralf Brix,, Heimatmuseum Horlachen
Radioempfänger von 1925.

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