Bald Bürgermeister in Leinzell: Marc Schäffler verabschiedet sich aus der freien Wirtschaft

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Marc Schäffler (r.) mit dem Führungsteam des EMAG-Standorts Heubach (v.l.) : Klaus Zeller, Nikolas Meyer und Michael Franzmann.
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Am 24. Mai wird Marc Schäffler als Bürgermeister verpflichtet. Was sein ehemaliger Arbeitgeber ihm mit auf den Weg gibt und was Kollegen mit ähnlicher Berufsbiografie sagen.

Leinzell/Heubach

Zwei Wochen sind es noch, dann wird Marc Schäffler als Bürgermeister verpflichtet. Für den 36-Jährigen, der zuletzt als Leiter der Konstruktionsabteilung bei EMAG in Heubach gearbeitet hat, beginnt damit ein vollkommen neuer Lebensabschnitt.

Und wie so oft, steht davor ein Abschied: „Es fällt mir doch schwer. Die Kollegen sind mir ans Herz gewachsen, die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht“, sagt er an diesem Morgen in der Geschäftsführungsrunde bei der Heubacher Business-Unit Laser-Tec des weltweit operierenden Werkzeugmaschinenherstellers.

Ähnlich ist die Stimmung bei den drei Standort-Verantwortlichen: „Wir sehen es sehr gerne, wenn sich unsere Beschäftigten gemäß ihren Talenten weiter entwickeln. Aber einen Bürgermeister hatten wir noch nie“, sagt Klaus Zeller als „Chef“ des Teams. Mit ihm hatte Marc Schäffler sich abgestimmt, noch bevor er die Bewerbung im Rathaus in Leinzell abgegeben hat. „Ich war überrascht“, erzählt Klaus Zeller von diesem Tag, „aber ich hab es ihm zugetraut. Er ist zielstrebig, gut strukturiert und blickt nach vorne.“ Allerdings zähle bei einer Bewerbung als Bürgermeister nicht nur die Leistung. Man müsse auch gewählt werden.

Und da, räumen Nikolas Meyer, der unter anderem für den Vertrieb zuständig ist, und Michael Franzmann, der den Bereich Technik und Konstruktion verantwortet, habe man bis zum ersten Wahlgang durchaus noch die Hoffnung gehegt, dass Marc Schäffler dem Unternehmen erhalten bleibe. Denn es gehe ein Guter von Bord - „das ist das weinende Auge“.

Gleichzeitig werde es im Unternehmen geschätzt, wenn sich die Beschäftigten für das Allgemeinwohl einsetzten oder auch Ehrenämter ausübten. Deshalb das lachende Auge: Dass sich einer der EMAG-Familie dieser Herausforderung gestellt hat und eine neue Aufgabe übernehmen will. „Wir werden den Kontakt auf jeden Fall halten.“

Nicht zuletzt deshalb, weil für jedes Unternehmen, das gute Mitarbeiter sucht, die Kontakte in die Gemeinden wichtig seien - besonders zu Schulstandorten wie es Leinzell einer ist.

Dass Marc Schäffler seiner Aufgabe als Bürgermeister gewachsen ist, daran haben die seitherigen Kollegen keinen Zweifel. Als Konstruktionsleiter, der seit sieben Jahren Verantwortung für Mitarbeiter trägt, sei er gewohnt zu gestalten, Lösungen zu suchen und als Vorgesetzter im Team zu arbeiten. Und ein Rückweg bleibe immer offen. „Vermutlich ist dann nicht mehr die selbe Stelle frei“ sagt Klaus Zeller augenzwinkernd, „aber er wäre willkommen.“

Wieder zurück? Wie sich Marc Schäffler in acht Jahren entscheidet, wäre heute, vor dem Start, Kaffeesatz-Leserei. Interessant dagegen, wie künftige Kollegen, die einen ähnlichen Schritt gewagt haben. Wie haben sie sich den Beruf vorgestellt? Was haben sie erlebt?

„Sicherheitshalber hab ich mir gar nicht so viel vorgestellt“, beantwortet Johannes Schurr aus Spraitbach diese Frage lachend. Er war vor seiner Wahl bei der Kreissparkasse Ostalb, die ihn dem Vernehmen nach auch gerne behalten hätte. Bürgermeister sein, sei in jeder Gemeinde anders, hat Schurr von Anfang an beobachtet, und sieht als breiten gemeinsamen Nenner einen hohen Gestaltungsbedarf und viel Kreativität. Genau das, was er gesucht habe. Darüber hinaus fordere der Beruf eine schnelle Auffassungsgabe und eine gewisse Affinität zur Juristerei. Das Wichtigste aber sei, dass man Lust auf den Beruf hat und auf „seine“ Gemeinde. „Ich fühle mich in Spraitbach sehr wohl.“

Genau das sagt auch Ronald Krötz aus Alfdorf von sich. Er ist zwar studierter Diplom-Verwaltungswirt, hat vor seiner Wahl zum Bürgermeister aber 28 Jahre bei der Polizei gearbeitet, zuletzt war er Hauptkommissar und Pressesprecher. Allzu groß sei die Umgewöhnung deshalb nicht gewesen. „Nur die Zeitabläufe haben mich überrascht“, erzählt er. Bei der Polizei ging manches schneller, weil andere Vorschriften galten. Ein normaler Verwaltungsakt in einer Gemeinde dauere länger. Der frische Blick von außen, den er mitbringen konnte, habe trotzdem gut getan. Und es habe natürlich Bereiche gegeben, in die er sich mehr einarbeiten musste. Das Baurecht zum Beispiel. Ganz wichtig ist für Ronald Krötz: „Die Fachbereichsleiter sind die Profis, auf die ich mich inhaltlich verlassen kann.“ Der Bürgermeister sei kein Sachbearbeiter. Trotzdem sei hilfreich, je mehr er wisse.

Auch Markus Bareis aus Täferrot war überrascht von den Mühlen der Verwaltung und davon, wie lange sich Abläufe hinziehen, auch weil sie von Gesetz wegen in Gremien beraten werden. Der Vorteil daran sei allerdings, dass man ausreichend Zeit zum Überlegen habe. Auch er, im ersten Berufsleben Sozialversicherungsfachangestellter, erlebt und schätzt die gestalterische Herausforderungen und die große Vielfalt im Bürgermeisterdasein. „Man weiß morgens nicht, was bis abends alles kommt“, sagt er. Weil sich in „seiner“ kleinen Gemeinde der Bürgermeister um fast alles kümmert, ist er dankbar für die Beratung, die es aus dem Kommunalamt und von den Kollegen des Sprengels gibt. „Mir macht die Arbeit Spaß und ich habe die Entscheidung noch keinen Tag bereut.“

Wir werden den Kontakt halten.“

Klaus Zeller,, Leiter EMAG Business-Unit LaserTec

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