Biker, Gemeinde und Polizei als Team

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Das Land fördert jetzt Displays gegen Motorradlärm. Im Test haben die Anzeigen eine Absenkung der Lärmwerte von Motorrädern im Mittel um 1,1 bis 2,2 dB(A) bewirkt. Das Gerät misst die Geschwindigkeit und den Lärmpegel.
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Auch der Schwäbisch Gmünder Stammtisch der Biker-Union plant Aktionen gegen Motorradlärm und Raser auf der beliebten Kochertalstrecke zwischen Gaildorf und Abtsgmünd.

Abtsgmünd

Wir haben gewarnt, dass es so weit kommen könnte", sagt Bernhard Feifel, der 2016 den ungemein rührigen Gmünder Stammtisch der Biker-Union ins Leben gerufen hat. Schon bei der Schwaben-Bike-Messe im CongressCentrum Stadtgarten habe man in diesem Frühjahr thematisiert, dass eine Sperrung der beliebten Kochertalstrecke drohe. "Damals sind wir ausgelacht worden", bedauert der engagierte Interessenvertreter. Jetzt, rund vier Monate später, ist das Thema plötzlich akut. Die Gemeinde Abtsgmünd ist der landesweiten Initiative gegen Motorradlärm beigetreten. "Nicht, weil wir keine Motorradfahrer bei uns mögen", betont Bürgermeister Armin Kiemel. Nicht willkommen seien aber diejenigen, die rasen und besonderen Krach machen. Und das seien auf der idyllischen und ob ihrer vielen Kurven besonders reizvollen Strecke in letzter Zeit allerdings ziemlich viele.

Stimmt, räumt Bernhard Feifel ein – allerdings seien es nicht nur die Biker, sondern auch etliche, vor allem jugendliche Autofahrer, die Lärm offenbar besonders cool fänden. Ein Trend, der auch der Industrie schon aufgefallen sei, hat Feifel beobachtet und erzählt von AMG-getunten Autos, in denen per Knopfdruck im Auspuff Klappen geöffnet und der Sound so quasi zugeschaltet werden könne. "Neulich hat mich einer überholt und dabei genau das gemacht. Ich bin vor Schreck fast vom Motorrad gefallen", berichtet der Biker.

Die BU als größte deutsche Interessenvertretung aller Motorradfahrer habe die Themen Lärm und Rasen schon lange auf dem Schirm, versichert Feifel. Und findet es bedauerlich, dass der baden-württembergische Verkehrsminister das Aktionsbündnis der Kommunen ins Leben gerufen habe, ohne die Biker mit einzubeziehen. "Ein offizielles Statement von uns gibt es deshalb erst nach einem Gespräch mit Winfried Herrmann und seinem Lärmschutzbeauftragten", macht der Gmünder Stammtisch-Vorsitzende deutlich.

Zugleich erinnert er daran, dass die Gmünder BU vor einiger Zeit vorgeschlagen hatte, im Kochertal die in Nordrhein-Westfalen erfolgreiche Aktion "Kaffee statt Knöllchen" auf die Beine zu stellen. Bei Hamm zum Beispiel haben Biker-Union und Polizei gemeinsam laute Motorradfahrer angehalten. Statt eines Strafzettels gab es ein Gespräch, das die Sicht der Anwohner verdeutlichte und für das eigene Verhalten sensibilisierte. "Mit gutem Erfolg", betont Bernhard Feifel und bedauert, dass der Vorstoß des BU-Stammtischs bei der Gemeinde Abtsgmünd und bei der Polizei zunächst wenig Gegenliebe gefunden habe.

Wir haben mit dem Bürgermeister einen Termin vereinbart.

Bernhard Feifel Vorsitzender Biker-Union

Seit dem Beitritt der Gemeinde zum Aktionsbündnis habe sich das aber geändert. Bernhard Feifel und Bürgermeister Armin Kiemel haben für September einen Gesprächstermin vereinbart, bei dem Aktionen für die kommende Motorradsaison angestoßen werden sollen.

Auch die Polizei sei mit im Boot, erzählt der Biker. Die Präventionsstelle des Aalener Präsidiums sei an einer intensiven Zusammenarbeit interessiert, freut er sich. "Wir haben viele Eisen im Feuer", verweist Feifel neben der Schwabenbike-Messe und dem Gmünder Motorradtag auch auf die regelmäßige Straßenzustandsrallye und eben jene Kooperationen gegen lärmende Raser und gefährliche Showfahrer.

Den Stammtisch der Biker-Union in Schwäbisch Gmünd gibt es seit 2016. Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig in der Pizzeria Ochsen in Bargau. "Zuwachs ist immer willkommen", versichert Bernhard Feifel. Dabei zähle nicht das Motorrad oder der Hubraum, sondern allein das Interesse am Zweiradfahren. "Je mehr wir sind, desto mehr können wir erreichen." Info: www.bikerunion.de/schwaebisch-gmuend.

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