Das Geheimnis: Fleiß und eine glückliche Ehe

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Klara Mooser und Tochter Rosita Scheuerle
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Klara Mooser aus Iggingen feiert ihr 100. Wiegenfest und erzählt aus ihrem Leben.

Iggingen. Als am 19. August vor 100 Jahren die kleine Klara in die Familie Spenny im Grummenhof bei Aalen hineingeboren wurde, ging Vater Ottos größter Wunsch in Erfüllung. „Er hat sich immer eine Tochter gewünscht“. Klara folgte auf Bruder Otto.

Mit den beiden Kleinkindern „im Gepäck“ zogen Otto und Maria Spenny nach Iggingen. Hier konnte die Familie erst bei „Onkel Done“ eine Wohnung beziehen, später bauten die Spennys ein kleines Haus.

Das Wunder geschah

Wie sehr ihr Vater sie liebte, schildert Klara an einer Begebenheit, als sie gerade einmal zwei Jahre alt gewesen ist. Schwer an der „englischen Krankheit“ erkrankt, lag Klara dem Tode nahe im Spital. Der Vater holte das bereits in ein Sterbelaken gewickelte Kind nach Iggingen. „Mein Mädle stirbt zu Hause“, habe er damals gesagt. Als letzten Rettungsversuch brachte man das kleine Kind zum „Metzger“, der ihr Schlüsselblumentee einflößte. Das Wunder geschah: Klara wurde gesund.

Nach und nach folgten weitere sieben Kinder in die Familie Spenny. Der erste Schicksalsschlag ereilte die Großfamilie, als Vater Otto im Alter von 38 Jahren starb. Finanzielle oder materielle Unterstützung habe die Mutter nie erhalten, erzählt Klara. Mutter und Kinder mussten deshalb viel in der Landwirtschaft arbeiten, Kühe hüten und bei der Ernte helfen, um „über die Runden zu kommen“. „Oft gab es für unsere Arbeit keine Bezahlung“, erinnert sich die Seniorin und beschreibt, wie sie oft traurig ohne Lohn für das Geleistete nach Hause kam. Mit genagelten Schuhen an den Füßen habe sie ihre Erstkommunion gefeiert, schildert Klara die Armut.

Als junges Mädel wurde Klara oft ins Gmünder Spital geschickt, um den Kriegsverletzten dort Lebensmittel von den umliegenden Bauernhöfen zu bringen. Die Anweisung, die Soldaten mit ihren Besuchen etwas aufzumuntern, brachte für Klara eine lebensentscheidende Wende. Ganz hinten im Eck sei Christian Mooser gelegen, der beim Anblick von Klara sofort wusste: Die will ich heiraten.

Der Antrittsbesuch von Christian bei ihrer Mutter bleibt Klara auf ewig in Erinnerung. „Ich war nicht zu Hause“, Christian wartete brav in der mütterlichen Küche auf sein Klärle.

1943 wurde aus Klara Spenny endlich Klara Mooser, Christian musste zurück an die russische Front, die Liebesbriefe, die er regelmäßig seinem Klärle schrieb, rühren die zierliche Dame immer noch zu Tränen. Die Briefe überzeugten auch Mutter Maria. „Das muss ein ordentlicher Mensch sein“, fällte diese ein positives Urteil. Mit einer Kriegsverletzung am Bein kehrte Christian endlich zurück und das junge Paar zog mit Töchterchen Rosita nach Nürnberg, in Christians Heimatstadt.

Hier konnte Klara als Fabrikarbeiterin zum Familienunterhalt beisteuern, Christian arbeitete, trotz ständiger Schmerzen am Bein, als Tankwart. 1962 zog die kleine Familie zurück nach Iggingen. Zuerst in Miete. „Ein Haus war immer unser Traum“.

Der Traum erfüllte sich

Der Traum erfüllte sich erst, als Christian und sein Klärchen ins Eigenheim der Tochter Rosita zogen, das Glück währte nicht lang. Nur ein Jahr durfte Christian seinen Lebenstraum genießen, bevor er starb. Zwischen ihren Eltern sei nie ein böses Wort gefallen, erzählt Tochter Rosita. Und Klara ergänzt „mein Christian war ein guter Mann“.

Der Garten am Haus in der Unterbachenstraße trägt Klaras Handschrift. Bei gutem Wetter sitzt die Jubilarin oft draußen und genießt den Anblick. Klara interessiert sich für das Geschehen in der Welt und studiert täglich ausführlich die Tageszeitung. Regelmäßige Besuche beim Igginger Seniorentreff gehören zur Freizeitgestaltung. Oft bekommt sie auch Besuch von der Verwandtschaft. Die übrige Zeit ruht sich Klara Mooser gerne von der lebenslang geleisteten Arbeit aus. ⋌Andrea Rohrbach

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