Der „rasende Bauer“ feiert heute selbst ein Jubiläum

+
Kiemele
  • schließen

Eugen Kiemele aus Seifertshofen wird an diesem Donnerstag 85 Jahre alt und mischt immer noch mit.

Eschach-Seifertshofen. Er kann es nicht lassen, sagt Hans Kiemele, der Sohn von Eugen Kiemele, der heute seinen 85. Geburtstag feiert. Denn selbst mit 85 Jahren träumt Eugen Kiemele von einem großen Fest auf seinem Gelände beim Bauern- und Technikmuseum in Seifertshofen.

Zwei Jahre hat es auf dem weiträumigen Gelände keine Panzer- und Traktorenshows mehr gegeben. Jetzt will Eugen Kiemele einen Neustart in diesem Jahr wagen, mit Hinblick auf die Ukrainekrise werde man aber auf Panzershows verzichten. Das Museum hat an den Wochenenden wieder geöffnet, für Eugen Kiemele ein Grund jedes Wochenende von seinem Wohnsitz in Ingelfingen in die alte Heimat Seifertshofen zu kommen.

Eugen Kiemele, dessen großer Traum als Junge der Beruf des Automobilmechanikers war, musste nach dem Unfalltod seines Bruders die heimische Landwirtschaft übernehmen. Ausgestattet mit viel technischem Geschick reparierte er die Maschinen anderer Bauern. Eines Tages wurde er nach einem einachsigen Anhänger gefragt, den hatten damals nur die Amerikaner. Bald kaufte er dort ausrangierte Armeefahrzeuge, verkaufte sie weiter oder schlachtete sie aus. Dieser Handel war so ergiebig, dass er die Landwirtschaft bald an den Nagel hängte.

Dass Gattin Amalie Kiemele die Visionen und Ideen ihres Manns konsequent unterstützte, war wesentlicher Bestandteil des Erfolgs in den verschiedensten Geschäftsfeldern des Kiemele-Clans. Der Handel ausrangierter Fahrzeuge und Maschinen, Insolvenzverwertungen, Versteigerungen sind fester Bestandteil des Konzepts, das Sohn Hans Kiemele heute fortsetzt.

1984 gründete und baute Eugen Kiemele das Bauern- und Technikmuseum in Seifertshofen, in dem zwischenzeitlich über 90 000 Exponate zu sehen sind. Das Kiemelesche Gästehaus Rosenstein wird von Tochter Erika geführt, das bereits vor über 40 Jahren von Eugen Kiemele gegründete Seniorenheim in Ingelfingen betreibt Tochter Heidi.

Von früher Jugend an begeisterte sich Eugen Kiemele für schnelle und schnittige Fahrzeuge. 1966 kaufte er sich einen Formel-V-Porsche und startete im Mai 1967 zum ersten Mal auf dem Nürburgring. In den Folgejahren sammelte er Siege und Pokale, 1973 brach der „rasende Bauer aus Seifertshofen“ mit einem Porsche Carrera RSR mit 300 PS den Avus-Rekord auf der Steilwand-Rennstrecke in Berlin, ein Rekord, der immer noch gültig ist. Die Leidenschaft des „Hans Dampf in allen Gassen“ weitet sich im Laufe der Jahre auf PS-starke „Monster-Maschinen“, aus. In Holland kam Kiemele das erste Mal mit Tractor Pulling in Kontakt und war sofort von diesem brachialen Motorsport begeistert. Er kaufte sich einen dieser amerikanischen Boliden, den Museums-Giganten mit 4 400 PS. Mit diesem „Giganten“ wurde er nicht nur mehrfacher deutscher und europäischer Meister, er holte das lautstarke Event auch nach Seifertshofen. Das von ihm initiierte Tractor Pulling und sein Lanz-Bulldog und Dampffestival haben sich zu einem überregionalem Event entwickelt, zudem jedes Mal zigtausend Menschen pilgern.

Das Museums-Team rund um Eugen Kiemele ist ständig weltweit unterwegs, um weitere Exponate aufzustöbern. Zwei besondere Exemplare aus der Kiemelschen Fundgrube werden jetzt bei den Retro Classics in Stuttgart ab dem 21. April zu bewundern sein. Da ist zum einen ein MB OE Schlepper aus dem Jahr 1928 und als „Weltsensation“ wird ein Benz Komnick Schlepper, Baujahr 1927, ausgestellt. Von diesem Traktor ist weltweit nur noch ein Exemplar vorhanden. Kiemele ließ nicht locker: das Prachtstück konnte nach neunjährigen zähen Verhandlungen nach Seifertshofen geholt werden. Andrea Rohrbach

Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele
Kiemele

Zurück zur Übersicht: Schwäbischer Wald

Kommentare