Der tägliche Frust an der Zapfsäule

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Gar nicht mehr zum Lachen ist es Fahrlehrerin Heike Hilbig und ihrer Schülerin Aylee Nowicki angesichts der aktuellen Spritpreise.
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Ob Arbeitnehmer, Fahrschulen oder Taxiunternehmer im ländlichen Raum- alle sind aufs Auto angewiesen und hoffen auf Besserung. Manufaktur unterstützt ihre Beschäftigten.

Leinzell/Ruppertshofen

Schnappatmung an der Tankstelle? Das bekommen derzeit viele Autofahrer. Die meisten scannen schon beim Vorbeifahren mit bangem Blick die Anzeigetafeln und sind froh, wenn ihre Tankuhr sie noch nicht zum Anhalten zwingt. Zwischen 2.19,9 und 2.39,9 Euro je Liter - wer soll sich das noch leisten können?

Das Schlimmste für die meisten: Sie haben keine Wahl. Sie leben auf dem Land, wo nur wenige Busse fahren, und müssen täglich zur Arbeit. Oder sie leben sogar vom Transportgewerbe oder vom Auto: Fahrlehrerin Heike Hilbig zum Beispiel, Sie erlebt die Kostenexplosion nicht nur mit ihren sieben Fahrschulautos. Sie fürchtet auch, dass der Führerschein irgendwann ein Luxus werden könnte. In der Stadt, beobachtet sie, überlege sich mancher Jugendliche längst, ob diese Lizenz zum Autofahren sich überhaupt noch lohnt. Dort gibt es ja - mit Fahrrad, Bus und Bahn - genügend Alternativen.

Auf dem Land ist das anders. Hier sind die jungen Menschen auf den Führerschein angewiesen. Und der kostet inzwischen so um die 2800 Euro - mit steigender Tendenz. Denn zuerst Corona und nun die explodierenden Spritpreise verteuern die Fahrstunden spürbar. Erhöhen, wie Hilbig auch erlebt, aber die Aufmerksamkeit für Tipps zum sparsamen Fahren: rollen lassen; vierter Gang auch innerorts, vorausschauend fahren - solche Anweisungen haben jetzt mehr Gewicht. Wobei die Fahrlehrerin sich trotzdem wünscht, dass die Politik in der aktuellen Krise überdenkt, ob die Mineralölsteuer so bleiben kann, wie sie jetzt ist.

Ein „Antrag“, dem sich Hermann Brenner, der Geschäftsführer der Gmünder Taxizentrale, sofort anschließt. „Es ist ein untragbarer Zustand für alle, die fahren müssen“, findet er und verbindet das mit den Hinweis, dass der derzeitige Spritpreis nicht nur der augenblicklichen Krisenlage zu verdanken ist. Die Unternehmen selbst hätten gar keine andere Wahl, als die Kosten weiterzugeben an die Kunden. Was im übrigen auch das Landratsamt als Aufsichtsbehörde so sieht: Nach sieben Jahren wurde schon vor der Ukraine-Krise der Fahrpreis pro Kilometer erstmals erhöht - von 2.20 auf 2.60 Euro. Das fange die Kostenexplosion wenigstens ein bisschen auf, hofft Brenner.

„Das Schlimmste abmildern“ will auch Marin Weigle, Inhaber der gleichnamigen Möbelmanufaktur in Ruppertshofen. Er hat seinen Mitarbeitern bekannt gegeben, dass es in den kommenden Monaten einen Zuschuss geben wird, ein Spritgeld. „Alle haben sich riesig gefreut“, erzählt der Unternehmer, der damit seiner Belegschaft signalisieren will: „Eure Arbeit ist mir was wert. Die ziehen auch sonst immer mit und schauen nicht auf die Uhr, wenn's mal spät wird.“

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