Der Zustand ist besorgniserregend

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Unterricht über Statik erhielt der Kirchengemeinderat von Bauspezialist Werner Stolz vom Architekturbüro Weber im historischen Dachgebälk der Wallfahrtskirche Hohenstadt.

Kirchengemeinderäte steigen mit Pfarrer Jürgen Kreutzer und Architekten der Wallfahrtskirche in Hohenstadt aufs Dach. Sanierung kostet zwei Millionen Euro.

Abtsgmünd-Hohenstadt

Vor rund vier Wochen sind die Gerüstbauer in Hohenstadt angerückt. Jetzt präsentiert sich die Wallfahrtskirche an zwei Seiten eingepackt. Der erste Bauabschnitt in der rund zweijährigen Sanierungszeit ist eingeläutet. Und warum diese Bauarbeiten nach der Kostenberechnung etwa zwei Millionen Euro verschlingen werden, zeigte sich beim Vorort-Termin der Kirchengemeinderäte rund um Pfarrer Jürgen Kreutzer.

Gemeinsam mit Johannes Weber und Werner Stolz vom Architekturbüro Weber aus Langenau kletterte die Delegation im wahrsten Sinne des Wortes der Kirche aufs Dach. Und tauchte zunächst in die Vergangenheit ein: 1980 war eine Teilsanierung des Dachgebälks gemacht worden. Nach damaligen Gesichtspunkten des Denkmalamts, wie Bauleiter Werner Stolz berichtete. "Es ging um Substanzerhalt", betonte er.

Nun allerdings gehe es um die Statik des Daches. Und bei der liege so einiges im Argen, weil an den Auflagepunkten des Gebälks die Fäulnis nagt. Erst nachdem das Gerüst aufgebaut war, wurde der Blick auf diesen Bereich des Daches möglich. Und dessen Zustand sei besorgniserregend.

Denn 1980 seien zwar die Vollgebinde saniert worden, nicht aber die Zwischengebinde. Viele Balken, auf denen tonnenschweres Gewicht lastet, seien erheblich angefault. Ein Meterstab, den Werner Stolz in einen dieser verfaulten Balken hält, zeigt schon mal 20 Zentimeter Hohlraum. Anschaulicher Unterricht bei der Baustellenbesichtigung auf dem Dach, die manche Frage erübrigt. Etwa, warum aktuell die Sicherheit der Statik nicht mehr so gegeben ist, wie sie sein sollte.

Auch Pfarrer Jürgen Kreutzer beugt sich immer wieder über das eigens angefertigte Sicherheitsgeländer auf dem Dachboden und blickt interessiert auf das Gebälk. "Dieser Balken ist beispielsweise am Bröseln", deutet Werner Stolz auf ein Stück Holz, das sich quasi in Nichts auflöst.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht von den Architekten: "Das Gesims ist in Ordnung." Aufwändig ist die Sanierung des Gebälks allemal, muss doch erst die Last, die die Hölzer tragen, umgelagert werden. Nur dann könne man die Balken verbessern oder austauschen. Übrigens, die Balken müssen jeweils zwischen zehn und 15 Tonnen Dachlast aushalten.

Derweil deutet Dr. Martin Häußermann als gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats auf ein großes, hölzernes Rad und bemerkt, dass dieses eine Art Kranfunktion zum Hochhieven von schweren Lasten aufs Dach ausübte. "Und es läuft immer noch", sagt Architekt Johannes Weber und bringt das Rad durch eine Handbewegung zum Laufen. Allerdings kann diese Rarität von der Dringlichkeit der Sanierung des Gebälks nur kurz ablenken.

Die Fäulnis nagt an den Zwischengebinden.

Werner Stolz, Bauspezialist

Bei dieser gibt es übrigens noch einen wichtigen Punkt zu Bedenken: Tier- und Naturschutz. Denn Fledermäuse lebe im Dachstuhl. Bei der Begehung hatte eine Biologin aktuell zwar nur zwei männliche Tiere entdeckt. Dennoch seien sie schützenswert. Und das muss auch bei den Sanierungen berücksichtigt werden.

Was auch schon jetzt eine Rolle spielt. Zum Beispiel mussten, um die Last vom Gebälk zu nehmen, die Dachziegel runter. Holzplatten schützen aktuell den Dachstuhl an der danach kahlen Stelle vor der Witterung. Oberhalb hätte es auch Folie getan. Doch hier gab es kein "Go" von der Biologin. Denn das knistern der Folie könnte die Fledermäuse irritieren.

Der erste Bauabschnitt soll bis Frühjahr 2021 beendet sein. Dann sollen auch die Fenster und die Fassade in neuem Glanz erstrahlen, die ebenfalls im Umfang der Arbeiten enthalten sind.

Im zweiten Abschnitt folgt die Sanierung des Glockenturms. "Und da leben rund 300 Fledermäuse", berichtet Architekt Johannes Weber. Zwei Glocken des fünffachen Geläuts sind beschädigt. Diese werden ausgebaut, mit einem schweren Autokran vom Turm gehievt und nach Nördlingen zum Glockenrestaurator gefahren. Ein aufwendiges Unterfangen.

Es steht also noch viel schwierige Arbeit an für die Bauspezialisten in Hohenstadt.

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