Die Fahndung startet wohl im Herbst

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Die Freitreppe zur Terrasse vor dem „Alten Amtshaus“ in Iggingen wird gerade gemauert. Auch die Innenräume nehmen langsam Form an. Erste Pläne zeigen eine Nutzung als Gastrononie. Fotos: privat
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Igginger Gremium hört erste Ergebnisse des Betriebs- und Wirtschaftlichkeitskonzepts für eine Gastronomie im „Alten Amtshaus“. Was der Dehogaberater empfiehlt. Von Anke Schwörer-Haag

Iggingen

Das steht auf der Fahndungsliste in Iggingen jetzt ganz oben: Ein erfahrenes Paar, das das Veranstaltungsgeschäft kennt, sich in Küche und Gastronomie wohlfühlt, in der Region verwurzelt ist und im Haupterwerb das „Alte Amtshaus“ betreiben will. Dann würde man, meint Andreas Widmann, wohl auch der Qualität den Vorzug vor Pachteinnahmen geben. Und hätte, was alle sich wünschen: Wieder eine „gute Stube“ als sozialen und kulinarischen Mittelpunkt im Hauptort, die auch Gäste von außerhalb anlockt.

Sondersitzung ist an diesem Abend im Bürgersaal des Gemeindezentrums. Jürgen Wernscheid stellt als Berater des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) die Ergebnisse seiner Analyse vor - und sieht dabei längst nicht so schwarz, wie manche vielleicht vermutet hätten. „Es gibt viele schlechtere Objekte“, sagt er zum Beispiel. Aber auch ganz klipp und klar: „Der Erfolg hängt von der Qualifikation der Pächter ab.“

Das „Alte Amtshaus“ hat, wie Wernscheid aus dem Grundriss ermittelt hat, im Erdgeschoss Platz für 40 Gäste im Innern und knapp 40 Gäste draußen auf der Terrasse - die, das hat er schon vorher betont, in Nachcoronazeiten im übrigen ein Muss ist. Ebenso wie Take-Away-Essen, am besten in der Mehrwegverpackung. Vegan und Vegetarisch seien ohnehin selbstverständlich für jeden modernen Gastronomen, stellt der Experte gleich zu Anfang klar.

Die „Miniküche“, die das „Alte Amtshaus“ in der jetzigen Konstellation zu bieten hat, schockt Jürgen Wernscheid hingegen kaum. Grillplatte, Fritteuse, Kombigarer und Herd - damit seien 80 Prozent aller Gerichte kochbar, betont er und erzählt: „Ich habe selbst schon in kleineren Küchen gekocht“. Und zum Beispiel in einer Äppelwoi-Küche im Hessischen, die er vor nicht allzu langer Zeit beraten habe, werden auf noch weniger Quadratmetern pro Abend 280 Essen produziert.

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs im „Alten Amtshaus“ ist nach Wernscheids Analyse, dass für die Räume im Obergeschoss Doppelnutzungen vereinbart werden können. Der Pächter dort Familienfeiern, Geburtstage oder andere Gesellschaften bewirten kann - womit nochmals 40 bis 50 Plätze zur Verfügung stünden. Von einem Thekenbetrieb im Erdgeschoss rät er dagegen aus Platzgründen ab.

In Sachen Öffnungszeiten ist seine Empfehlung „immer von viel zu wenig“: 11 bis 22 Uhr an sechs Tagen in der Woche, lautet seine Marschrichtung. Nach unten anzupassen, sei erst sinnvoll, wenn man die Vorlieben der Gäste kenne.

Andererseits empfiehlt Wernscheid dringend, dass die Grundausstattung der Räume im „Alten Amtshaus“ von der Gemeinde vorgegeben und umgesetzt wird. Es gebe, weiß der Experte, bei einem historischen Gebäude entsprechende Erwartungen in der Bevölkerung. Das „Alte Amtshaus“ auszuschreiben, sei erst ratsam, wenn der Fußboden drin ist. „Wahrscheinlich also im September“, stimmt sich Bürgermeister Klemens Stöckle mit den ebenfalls anwesenden Architekten ab. „Der Start könnte dann im nächsten Jahr im Frühsommer sein“, fragt Barbara Hammel-Martincic nach und erntet Zustimmung.

Nichtöffentlich stellt der Berater später konkrete Zahlen vor - wobei er schon zuvor sagt, dass ein Umsatz von rund 350 000 Euro heutzutage zum Überleben nötig seien. Und dass eine wesentliche Stellschraube des Erfolgs die Höhe der Pacht ist. „Lieber anfangs humaner“, gibt Jürgen Wernscheid einigen Räten recht und erklärt, dass es auch Fördermöglichkeiten gebe.

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